Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wird am 15. September in Washington mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth zusammentreffen. Das berichtet die WELT-Partnerpublikation „Politico“ unter Berufung auf drei Beamte von Nato-Mitgliedsländern, die mit den Planungen vertraut sind. Das Treffen soll demnach im Pentagon stattfinden. Es ist Teil von Pistorius’ für Mitte September geplanter USA‑Reise anlässlich der Übergabe der von Deutschland bestellten F-35-Kampfjets.

Das Treffen ist politisch bedeutsam, weil Hegseth einen Termin mit seinem deutschen Amtskollegen während dessen letzter Nordamerika-Reise Ende Mai abgelehnt hatte. Seinerzeit waren die Beziehungen zwischen beiden Ländern durch Spannungen über den Krieg im Iran belastet.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die beiden Minister über den mutmaßlichen russischen Drohnenangriff auf einen Flughafen in Deutschland sowie eine aktuell laufende Überprüfung der US-Militärpräsenz in Europa durch das Pentagon sprechen werden. Die Trump-Regierung prüft verschiedene Optionen, darunter möglicherweise erhebliche Truppenreduzierungen in Europa.

Deutschland könnte von möglichen Kürzungen besonders stark betroffen sein, da dort Zehntausende amerikanische Soldaten stationiert sind und sich mehrere große Militärstützpunkte sowie Truppenübungsplätze befinden.

Pistorius reist in die USA, um in Texas an der Rollout-Zeremonie des ersten von Berlin eingekauften F-35-Kampfjets teilzunehmen, die an die Bundeswehr ausgeliefert werden sollen.

Großkunde amerikanischer Rüstungsgüter

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern waren zuletzt angespannt. Im Mai ordnete Präsident Donald Trump den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland an, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den US-Krieg gegen den Iran kritisiert hatte. Die Verlegung der Truppen dürfte bis zu ein Jahr in Anspruch nehmen.

Trotz der anhaltenden Spannungen bleibt Deutschland ein wichtiger Pfeiler der Nato und gehört zu den größten europäischen Käufern amerikanischer Rüstungsgüter. Dazu zählen die Bestellung von 35 F-35-Kampfjets sowie der Erwerb von acht Seeaufklärungsflugzeugen vom Typ P-8 Poseidon, von denen die ersten bereits ausgeliefert wurden.

Deutschland gehört damit zu einem kleinen Kreis von US-Verbündeten, die das hochmoderne U-Boot-Jagdflugzeug beschaffen. Die Maschinen sollen der Deutschen Marine ermöglichen, eine größere Rolle bei der Verfolgung russischer U-Boote sowie bei der Überwachung von Unterseekabeln und kritischer Infrastruktur in Ostsee und Nordatlantik zu übernehmen.

In Europa wächst die Sorge, Russland könnte diese Unterwasserinfrastruktur angreifen, um Vergeltung für die europäische Unterstützung der Ukraine zu üben. Kürzlich wurde auf einem Flughafen in Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt. Die Bundesregierung erklärte, die Vorrichtung stamme aus Russland.

Hegseth und Pistorius sind sich bereits zuvor begegnet, unter anderem beim Nato-Gipfel in der Türkei im Juli sowie während eines Besuchs des deutschen Verteidigungsministers im vergangenen Sommer im Pentagon. Mehrere Monate nach diesen Treffen genehmigte die Trump-Regierung den Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern mit großer Reichweite an Deutschland.

Derzeit sind rund 38.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Das Land beherbergt zudem die Hauptquartiere des US European Command (EUCOM) und des US Africa Command (AFRICOM) und ist damit der wichtigste Standort amerikanischer Streitkräfte in Europa.

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