Von ihren triumphalen 39 Prozent bei der letzten Landtagswahl ist Manuela Schwesig eigentlich gar nicht so weit entfernt. Die Umfragen sehen sie und ihre SPD zuletzt bei 33 bis 34 Prozent. Doch etwas ist anders seit 2021: Die AfD hat sich auch in Mecklenburg-Vorpommern mehr als verdoppelt. Aus 16 Prozent bei der letzten Landtagswahl sind inzwischen 37 bis 38 Prozent geworden. Und somit kämpft Schwesig nach einer furiosen Aufholjagd – die Umfragen sahen die SPD teilweise bei nur noch 19 Prozent – auf den letzten Metern mit der AfD um die Position der stärksten Kraft im Land.

Das Rennen ist damit offen – jedenfalls zwischen AfD und SPD. Für die Regierungsbildung gilt aber: Die AfD hat trotz ihrer Stärke keine realistische Aussicht auf eine absolute Mehrheit. Auch eine Regierungsbeteiligung der AfD ist äußerst unwahrscheinlich, weil die anderen Parteien zusammengenommen weiterhin über eine Mehrheit verfügen.

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Welche Koalitionen sind in Mecklenburg-Vorpommern denkbar?

Manuela Schwesig regiert Mecklenburg-Vorpommern seit 2017. Seit 2021 führt sie eine rot-rote Koalition mit der Linken. Diese Konstellation dürfte nach den aktuellen Umfragen nicht mehr ausreichen. Anders sieht es mit einem dritten Partner aus: SPD, Linke und Grüne kämen nach den aktuellen Umfragen gemeinsam auf eine Mehrheit. Genau deshalb sind die Grünen in diesem Wahlkampf eine Schlüsselpartei.

Das Problem: Die Grünen stehen selbst auf der Kippe. In mehreren aktuellen Umfragen liegen sie exakt bei fünf oder sechs Prozent. Schafft die Partei den Einzug, ist Rot-Rot-Grün die derzeit naheliegendste Mehrheitsoption für Schwesig. Scheitern die Grünen, wird die Regierungsbildung erheblich komplizierter.

Dann wären verschiedene Minderheitsmodelle denkbar. Eine SPD-geführte Regierung könnte versuchen, sich für einzelne Vorhaben wechselnde Mehrheiten zu suchen. Auch eine Zusammenarbeit mit der CDU wäre theoretisch möglich.

CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters schließt sowohl eine Koalition mit der AfD als auch mit der Linken aus. Eine Minderheitsregierung kann er sich dagegen vorstellen.

Und dann gibt es noch das BSW. Sollte es entgegen den aktuellen Umfragen in den Landtag einziehen, könnte es die Mehrheitsbildung zusätzlich verkomplizieren.

Die Rolle des BSW

Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht in Mecklenburg-Vorpommern derzeit meist bei vier Prozent. Nach dem knappen Einzug in Sachsen-Anhalt mit 5,3 Prozent hofft die Partei jedoch auf ein Momentum.

Spitzenkandidat Peter Schabbel fordert – ähnlich wie das BSW in Sachsen-Anhalt – einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regieren soll. Eine klassische Koalition lehnt das BSW ab.

Sahra Wagenknecht hat den Druck zuletzt noch erhöht. Sie rief ausdrücklich zu einer taktischen Wahl für das BSW auf und verband den möglichen Einzug ihrer Partei in Schwerin mit dem Ziel, die CDU aus dem Landtag zu drängen und Bundeskanzler Friedrich Merz zu schwächen. Gleichzeitig will sie Rot-Rot-Grün verhindern und schließt auch wechselnde Mehrheiten mit der AfD nicht grundsätzlich aus.

Damit könnte die Partei, die möglicherweise nur knapp die Fünf-Prozent-Hürde überspringt, erheblichen Einfluss auf die Regierungsbildung bekommen.

Welche Folgen hat die MV-Wahl für die Bundesebene?

Der AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt hat gezeigt, dass eine Partei, die bislang von der Regierungsverantwortung ferngehalten wurde, inzwischen in die Nähe einer eigenen Mehrheit kommen kann. Die Union bekam zu spüren, wie schnell sie im Osten an Zustimmung verlieren kann.

Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz reagierte auf das Ergebnis mit der Ankündigung von Konsequenzen, ohne diese näher auszuführen. Er sagte, man könne nach diesem Wahlergebnis nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Einen persönlichen Rücktritt stellte er jedoch nicht in Aussicht.

Damit bekommt die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auch für den Bund eine Bedeutung: Ein weiterer starker AfD-Erfolg würde den Druck auf Merz und seine Bundes-CDU erheblich erhöhen. Bereits jetzt liegt die CDU in Mecklenburg-Vorpommern laut Umfragen bei nur sieben Prozent. Ein Ergebnis in dieser Größenordnung wäre ein historischer Tiefpunkt.

Umgekehrt könnte ein gutes SPD-Ergebnis Schwesigs Position stärken und zeigen, dass die AfD trotz ihres Erfolgs in Sachsen-Anhalt nicht automatisch auch in anderen ostdeutschen Ländern dominieren und zu einer Marginalisierung der großen Volksparteien führen muss.

Das Wahlsystem in Mecklenburg-Vorpommern

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat jeder Wähler zwei Stimmen. Mit der Erststimme wird in den 36 Wahlkreisen jeweils der Direktkandidat gewählt. Die Zweitstimme entscheidet über die Stärke der Parteien im insgesamt 79 Sitze umfassenden Landtag und ist damit für die Mehrheitsverhältnisse besonders wichtig. Parteien müssen mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erreichen, um bei der Sitzverteilung berücksichtigt zu werden. Eine Ausnahme gilt für Parteien, die mindestens einen Wahlkreis direkt gewinnen. Die Sitzverteilung erfolgt nach dem Verhältnis der Zweitstimmen.

Die Ergebnisse der letzten Landtagswahl von 2021:

SPD: 39,6 Prozent

AfD: 16,7 Prozent

CDU: 13,3 Prozent

Linke: 9,9 Prozent

Grüne: 6,3 Prozent

FDP: 5,8 Prozent

Sonstige: 7,6 Prozent

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