Plötzlich ging es wild durcheinander: Bei „Markus Lanz“ ist es am Dienstagabend zu einem scharfen Schlagabtausch zwischen Moderator Markus Lanz und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ralf Stegner gekommen. Auslöser war Stegners Analyse des AfD-Erfolgs in Sachsen-Anhalt. Der Sozialdemokrat sagte, es brauche eine Mischung „aus Selbstkritik, dass man Politik besser machen muss, und auch besser erklären muss“.

Lanz widersprach energisch: „Herr Stegner, dieser Satz, dass man besser erklären muss.“ Der ZDF-Moderator war nicht mehr gänzlich zu verstehen, weil Stegner immer noch sprach. „Nein, nein, nein, darf ich einmal?“, fragte er, während Stegner selbst auch nur „nein, nein, nein“ sagte, und seine Aussage erläutern wollte.

Nun aber war Lanz an der Reihe: Die Floskel, man müsse Wähler „abholen“ oder ihnen politische Entscheidungen besser erklären, sei Ausdruck einer paternalistischen Haltung. „Ich kann diesen Satz nicht mehr hören“, sagte Lanz. „Ich fürchte, es ist genau andersherum. Die Leute verstehen ganz genau, vielleicht verstehen sie es sogar zu gut.“

Stegner wies den Vorwurf zurück. Er habe im Kontext von Selbstkritik erklärt, dass man Dinge in der Sache ändern müsse. „Und das, was wir wollen, müssen wir besser erklären.“ Er wolle nicht unterstellen, dass Wähler „zu blöd“ seien. Vielmehr müsse Politik nachvollziehbar machen, warum Reformen etwa bei Rente oder Sozialstaat notwendig seien. „Wir müssen zum Beispiel sagen, warum wir so eine Rentenreform machen. Wir machen die deswegen, damit die Rente sicherer ist und damit das Rentenniveau steigt.“

Lanz hielt dagegen. „Welche Rentenreform wollen Sie denn eigentlich machen? Wissen Sie das noch selber?“, fragte er Stegner. Gemeint war: Was will die Regierung eigentlich? „Wer unterstützt was?“ Stegner rede, als ob er in der Opposition sitze. Seine Frage zur Rentenreform nannte der ZDF-Moderator selbst „polemisch“, erklärte dann aber: Die SPD habe die Vorschläge der Rentenkommission erst unterstützt, sei dann aber von einer kompletten Umsetzung wieder abgerückt. „Und dann entsteht dieses kommunikative Chaos und die Leute haben das Gefühl, die meinen gar nichts mehr ernst, was sie sagen“, kritisierte er.

„Table Media“-Chefredakteur Michael Bröcker sprang Lanz bei, nachdem Stegner wieder protestierte. „Das Problem, was die Leute mit dieser Regierung haben, ist, dass sie heute das und morgen das sagt. Es ist schon fast egal, bei welchem Inhalt. Ihr haltet euch an keinen einzigen eurer Beschlüsse. Alles wird aufgeweicht, alles wird taktisch wieder diskutiert.“

Grüne: Keine Koalition mit Antisemiten

Thema der Sendung war auch die Linkspartei und ihr Umgang mit Antisemitismus. Bei einer Veranstaltung der Linken in Berlin-Neukölln hatte ein Rapper ein Lied gegen den Krieg Israels in Gaza mit Zeilen wie „Yalla Yalla Intifada“ sowie „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee) gesungen. Können SPD und Grüne mit einer solchen Partei koalieren?

Angesprochen auf antisemitische Vorfälle und pro-palästinensische Parolen erklärte Stegner, mit Personen, die Antisemitismus duldeten oder unterstützten, dürfe es keine Zusammenarbeit geben. „Wenn solche Leute was zu melden haben, kann man mit denen nicht zusammenarbeiten. Ganz einfach. Das geht nicht“, sagte der SPD-Politiker auf die Frage, ob eine Kooperation mit entsprechenden Kräften möglich sei. Antisemitismus sei unabhängig von der politischen Herkunft inakzeptabel.

Grünen-Chefin Franziska Brantner stellte sich an die Seite ihres Berliner Spitzenkandidaten Werner Graf und verlangte Konsequenzen von der Linkspartei. Eine Regierung dürfe nicht von Antisemiten abhängig sein, sagte Brantner. Sie machte deutlich, dass für die Grünen eine Zusammenarbeit nur möglich sei, wenn sich die Linke glaubhaft von entsprechenden Kräften in den eigenen Reihen trennt. Auf Nachfrage von Lanz bekräftigte Brantner: „Wir werden keine Koalition mit Antisemiten machen.“

Merz schwer angeschlagen

Für den Journalisten Michael Bröcker könnte der Sonntag zum Schicksalstag für Bundeskanzler Friedrich Merz werden. Nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wolle Merz im CDU-Präsidium die Loyalität der Partei „erzwingen“. Der Kanzler wolle die Führung hinter sich versammeln. Gelinge das nicht, könne bereits am Sonntagabend offen über seine Zukunft diskutiert werden. Bröcker berichtete von wachsender Unzufriedenheit in Teilen der Partei und nannte unter anderem die CDU-Ministerpräsidenten Henrik Wüst (NRW), Daniel Günther (Schleswig-Holstein) und Boris Rhein (Hessen) als Kritiker des Kurses von Merz. „Man traut ihm nicht mehr zu, dass er die Kraft, die Autorität und die Zustimmung seiner eigenen Partei hat“, sagte Bröcker. „Der Autoritätsverlust ist eklatant.“

Der Journalist kritisierte den CDU-Chef und Kanzler scharf: „Diesem Kanzler fehlt das große Erzählstück.“ Merz müsste jetzt eine Rede halten, in welcher er „nachvollziehbare, ruhige, souveräne, kluge Maßnahmen vorstellen würde.“

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.