Die UN-Sonderberichterstatterin für die Palästinensergebiete, Francesca Albanese, hat sich nach Kritik an Äußerungen über Antisemitismus und über Juden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern entschuldigt. Albanese gestand auf der Plattform X ein, den Begriff „Muselmann“ falsch verstanden zu haben. Sie habe daraus fälschlicherweise geschlossen, dass der Begriff Antisemitismus ursprünglich Hass gegen alle semitischen Völker bezeichnet habe. Tatsächlich sei er geprägt worden, um Judenhass zu beschreiben.

Auslöser der Kontroverse waren Aussagen Albaneses in einem Interview mit einem lateinamerikanischen Gewerkschaftsverband. Dort hatte sie erklärt, Berichten aus Konzentrationslagern zufolge seien Juden auf dem Weg in die Gaskammern als „Muslime“ bezeichnet worden.

Zudem argumentierte sie, Antisemitismus habe ursprünglich nicht allein Juden betroffen, sondern allgemein Menschen semitischer Herkunft. „Als der Begriff ‚Antisemitismus‘ geprägt wurde, bezog er sich auf jeden, der nicht europäisch war und aus dem Nahen Osten stammte“, sagte sie. „Es gab also einen rassistischen Hass auf Nicht-Weiße, auf Nicht-Reine, auf Nicht-Christen, der sich dann im Antisemitismus als Hass auf Juden konkretisierte.“

Tatsächlich handelt es sich bei „Muselmann“ um einen Jargonbegriff von Juden in manchen Konzentrationslagern der Nazis für Mithäftlinge, die durch Hunger und Entkräftung völlig abgemagert und dem Tod nahe waren. Zudem wurde der Begriff Antisemitismus 1879 von dem deutschen Publizisten Wilhelm Marr ausdrücklich für judenfeindliche Kampagnen geprägt und bezieht sich seit seiner Entstehung auf Vorurteile gegen Juden, wie unter anderem die Internationale Holocaust-Gedenkallianz IHRA betont.

Scharfe Kritik kam unter anderem von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Die Institution warf Albanese vor, mit ihren Äußerungen die nationalsozialistische Judenverfolgung in einen allgemeinen Kontext von Hass gegen Nicht-Europäer oder Nicht-Christen einordnen zu wollen. Dies sei historisch unzutreffend und grenze an gefährlichen Geschichtsrevisionismus.

Die NGO UN Watch verbreitete die Aussagen von Albanese und kritisierte sie dabei scharf: „Sie kann den Judenhass nicht benennen, ohne die Juden zu ersetzen.“

Albanese steht seit Jahren wegen ihrer Äußerungen zu Israel und Antisemitismus in der Kritik. Zuletzt hatten Außenminister Johann Wadephul (CDU) sowie sein französischer Amtskollege den Rücktritt Albaneses als UN-Sonderberichterstatterin gefordert. Hintergrund waren Einlassungen Albaneses während einer Online-Konferenz vor einigen Tagen. Dabei sprach sie im Zusammenhang mit Israel von einem „gemeinsamen Feind“.

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