Nach dem vereitelten Terroranschlag auf einem Flydubai-Flug werden neue Details bekannt: Der Copilot wollte die Maschine nach israelischen Medienberichten auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv zum Absturz bringen.
Das soll der festgenommene Verdächtige aus dem Oman, Hamam al-Hammami, bei Verhören in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgesagt haben. Demnach habe er geplant, den Flug FZ1073 nach der Ausschaltung des Kapitäns zunächst regulär fortzusetzen, alle erforderlichen Landeerlaubnisse einzuholen und anschließend in ein Gebäude oder ein Flugzeug auf dem Flughafen zu steuern.
Er habe bis kurz vor der Landung warten wollen, um keinen Verdacht zu erregen. Nach Angaben der Ermittler soll dies auch der Grund gewesen sein, warum er erst über Jordanien versucht habe, die Kontrolle über das Cockpit zu übernehmen.
Ein Flugzeug nähert sich dem Ben-Gurion-Flughafen in der Nähe von Tel AvivDer Anschlag scheiterte nach den Berichten, weil es Kapitän Smit Machchhar trotz des Angriffs gelang, die Cockpit-Tür zu öffnen. Mehrere israelische Passagiere überwältigten daraufhin den Angreifer. Einer von ihnen stabilisierte das Flugzeug, bevor zwei dienstfreie Piloten die Kontrolle übernahmen.
Laut den Berichten war der Verdächtige in den vergangenen Monaten mehrfach über den Ben-Gurion-Flughafen eingereist. Bei einem Besuch im Juni habe er nach eigenen Angaben Informationen gesammelt und den Anschlag vorbereitet. Für Juli habe er bereits einen Anschlag geplant, diesen jedoch kurzfristig verworfen, weil er mit einem Besatzungsmitglied befreundet gewesen sei.
Die israelischen Ermittler haben al-Hammami bislang nicht selbst befragt. Die Erkenntnisse wurden den israelischen Behörden nach Angaben der Berichte von Ermittlern aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) übermittelt. Israel habe die VAE gebeten, die Vernehmungen auch auf Flugbegleiter auszuweiten.
Channel 13 zitierte den Co-Piloten mit den Worten: „Ich habe recherchiert, welche Fluggesellschaft nach Tel Aviv fliegt. Deshalb habe ich mich für Flydubai entschieden. Ich habe das schon geplant, bevor ich angenommen wurde.“
Der genaue zeitliche Ablauf war den Berichten nach wie folgt:
9.15 Uhr (Ortszeit): Der Copilot fragte, ob er beten dürfe, und griff den Piloten anschließend mit einer Notaxt aus der Sicherheitsausrüstung des Flugzeugs an,
9.20 Uhr: Passagiere bemerkten den Kampf im Cockpit. Als die Tür geöffnet werden konnte, soll ein Passagier gerufen haben: „Er bringt den Piloten um!“
9:21 Uhr: Nachdem sein ursprünglicher Plan gescheitert sei, habe der Copilot versucht, das Flugzeug in einen Sturzflug zu versetzen und die Steuerung zu beschädigen. Mehrere israelische Passagiere stürmten daraufhin das Cockpit und überwältigten ihn.
9:31 Uhr: Nach Angaben des „Corriere della Sera“ sendeten die dienstfreien Piloten, die die Maschine übernahmen, zunächst den allgemeinen Notfallcode 7700.
9:38 Uhr: Nachdem der Angreifer unter Kontrolle gebracht worden war, änderten sie den Code auf 7500, das Signal für einen unbefugten Zutritt zum Cockpit.
Die saudische Flugsicherung wies die Besatzung anschließend an, in Tabuk notzulanden.
10:57 Uhr: Das Flugzeug setzte in Tabuk auf.
An Bord befanden sich den Berichten zufolge rund 180 Menschen, die meisten von ihnen Israelis, sowie die Besatzung. Die Passagiere wurden noch am Mittwoch mit einem Sonderflug nach Israel ausgeflogen. Kapitän Machchhar wurde zur medizinischen Behandlung in die Vereinigten Arabischen Emirate gebracht.
Nach Angaben der Nachrichtenseite „Ynet“ droht dem aus Oman stammenden Verdächtigen in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Todesstrafe. Abu Dhabi wolle die höchstmögliche Strafe verhängen. Zudem berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, israelische Ermittler würden den Verdächtigen voraussichtlich ebenfalls befragen.
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