Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendiensts, August Hanning, ist auf Betreiben der Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Spionage festgenommen worden. Neben Hanning nahmen die Ermittler auch dessen früheren Büroleiter Manfred D. aufgrund von Haftbefehlen des Ermittlungsrichters fest. Zeitgleich durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamts Objekte in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin, heißt es in einer Mitteilung.
Gegen Hanning wird wegen des Verdachts der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit ermittelt. Dem früheren BND-Mitarbeiter wirft die Behörde Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vor.
Nach WELT-Informationen hatte es seit Jahren den Verdacht gegeben, dass Hanning ein Zuträger des russischen Geheimdienstes sein könnte. Das hatte auch ein ehemaliger Agent behauptet. Hanning hatte dies gegenüber WELT stets als Unfug zurückgewiesen. Laut Bericht von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung geht es bei den aktuellen Ermittlungen aber nicht um eine Verbindung zu Russland.
Die beiden Männer sollen spätestens im Frühjahr 2010 vereinbart haben, dass Manfred D. seinem früheren Vorgesetzten gegen Bezahlung fortlaufend interne Informationen des Auslandsgeheimdienstes beschafft, heißt es in der Mitteilung. D. war zunächst Hannings Büroleiter beim BND, später dessen Assistent im Bundesinnenministerium und anschließend erneut für mehrere BND-Präsidenten als Büroleiter tätig. Dadurch hatte er Zugriff auf zahlreiche geheimhaltungsbedürftige Informationen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Manfred D. Hanning bis Juni 2022 nahezu 2000 Dokumente überließ, darunter zahlreiche „als Verschlusssache“ eingestufte Unterlagen, heißt es in der Mitteilung. „Das Material war ausschließlich für interne Zwecke des Bundesnachrichtendiensts bestimmt“ und diente ausschließlich zur „nachrichtendienstlichen Lagebesprechung“. Dabei handele es sich um eine regelmäßige „Zusammenkunft von Spitzenbeamten der Bundesressorts und verschiedener deutscher Sicherheitsbehörden im Bundeskanzleramt“.
Ermittlungen gehen auf den Fall Christina Block zurück
Hanning soll die Informationen im Rahmen seiner privaten Beratertätigkeit gewinnbringend genutzt und damit weiterverkauft haben. Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft soll er in einem Fall auf Grundlage eingestufter BND-Erkenntnisse eine Analyse für einen Mitarbeiter eines ausländischen Nachrichtendienstes eingestuft haben.
Zudem soll er über Jahre hinweg einen Angehörigen eines weiteren staatlichen Geheimdienstes mit politischen Informationen versorgt haben, die teilweise auf den von Manfred D. beschafften Unterlagen beruhten. „Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen“, heißt es in der Mitteilung.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Funde bei einer Durchsuchung im September 2025. Diese erfolgte im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block und weitere Beschuldigte. Die 53-Jährige steht zurzeit in Hamburg vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, im Sorgerechtsstreit um ihre Kinder eine israelische Sicherheitsfirma mit deren Rückführung aus Dänemark beauftragt zu haben.
Anfang Mai 2026 übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Die Ermittler sollen dabei sogar die Telefone des ehemaligen Geheimdienstchefs abgehört haben.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.