Asylverfahren beschäftigen zunehmend die Justiz. Bei deutschen Verwaltungsgerichten waren zum Stichtag 15. August bundesweit 196.315 Asylklagen offen. Mitte Januar waren es noch 191.566 Verfahren. Damit stieg die Zahl der unerledigten Klagen innerhalb von sieben Monaten um 4749. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara Bünger hervor, über die die Deutsche Presse-Agentur berichtet.
Gleichzeitig nimmt die Dauer der Klageverfahren zu den Asylentscheidungen bundesweit wieder zu. Im Schnitt dauerten die Verfahren zu Klagen gegen Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im ersten Halbjahr dieses Jahres 15,3 Monate. Für das Vorjahr hatte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine frühere parlamentarische Anfrage eine durchschnittliche Dauer von 14,3 Monaten ausgewiesen, wobei die Daten für den Monat Dezember da nicht vorlagen.
Vier Jahre lang sank die durchschnittliche Verfahrensdauer
Fest steht: Nach einer durchschnittlichen Verfahrensdauer von 26,5 Monaten im Jahr 2021 waren die Klageverfahren Jahr für Jahr kürzer geworden. 2024 dauerten Gerichtsverfahren, in denen es um Klagen gegen Asylerstanträge oder Folgeanträge ging, im Schnitt 16,7 Monate.
Und: In manchen Bundesländern dauern diese Klageverfahren doppelt so lang wie in anderen Ländern. Das Schlusslicht bildete im ersten Halbjahr dieses Jahres nach Auskunft der Bundesregierung Sachsen mit einer durchschnittlichen Verfahrensdauer von 20,4 Monaten. Auch in Niedersachsen (20 Monate) musste, wer gegen einen Asylbescheid klagte, besonders lange auf eine Entscheidung des Gerichts warten. In Rheinland-Pfalz lag sie im Schnitt bereits nach 9,2 Monaten vor, in Bayern nach 10,7 Monaten.
Allerdings: Während die Dauer in Bayern in den vergangenen drei Jahren entweder sank oder zumindest nicht zunahm, war in Rheinland-Pfalz ein umgekehrter Trend zu beobachten. Im Jahr 2023 waren die Asylklageverfahren dort im Schnitt bereits nach fünf Monaten abgeschlossen gewesen.
Ein Grund für eine längere Verfahrensdauer ist die Zunahme der Zahl der Asylklagen. Einfluss auf die Dauer der Verfahren hat auch, ob am jeweiligen Verwaltungsgericht besonders viele Klagen von Menschen aus bestimmten Herkunftsländern eingehen, bei denen die Entscheidung für oder gegen Schutz in Deutschland schwierig ist.
Klagen von abgelehnten Asylbewerbern steigen rasant
Im Jahr 2025 wurden laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zwischen Januar und November insgesamt 149.995 Entscheidungen des Bamf juristisch angefochten. Die Klagequote (also der Anteil der beklagten Asylentscheidungen an ihrer Gesamtheit) lag somit bei 52,0 Prozent.
Sie liegt damit höher als in den beiden Vorjahren: 2024 waren noch 103.089 Entscheidungen des Bamf beklagt worden, was einer Klagequote von 34,2 Prozent entsprach. 2023 lag die Klagequote bei 30,7 Prozent mit 80.245 Verfahren, 2022 bei 32,2 Prozent mit 67.267. Damit lag die Klagequote laut der bpb nach einem deutlichen Rückgang ab 2021 wieder auf dem Niveau der Jahre davor.
Vor allem in der Gruppe der abgelehnten Asylbewerber und Migranten, die bereits subsidiären Schutz erhalten haben, stieg die Klagequote 2025 weiter an: Mit 90.522 beklagten Ablehnungen lag sie bei rund 89,9 Prozent. Bereits 2024 übertraf der Anteil der Klagen gegen abgelehnte Asylanträge mit rund 88,4 Prozent deutlich die Quote der vergangenen elf Jahre.
Die Klagequote gegen negative Asylbescheide lag laut der bpb zwar in allen Jahren höher als die Gesamtklagequote, war zuletzt aber gesunken: 2023 lag sie bei 58,8 Prozent, 2022 bei 64,1 Prozent, 2021 bei 57,2 Prozent und 2020 noch bei 73,3 Prozent.
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