Katie Zacharia ist dort angekommen, wo sie hinwollte. Für eine „sehr lange Zeit“ sei es ihr Wunsch gewesen, für Donald Trump zu arbeiten. Seit Montag ist sie die neue Pressesprecherin des US-Präsidenten und folgt auf Karoline Leavitt, die Mitte August zurückgetreten war. Zacharia hielt an diesem Dienstag ihre erste Pressekonferenz ab – die nach nur 14 Minuten abrupt endete.
Zacharia ist eine Unbekannte. Sie war bislang weder im Weißen Haus tätig noch hatte sie einen anderen zentralen Job in der Regierung. Im Frühjahr war sie für zwei Monate in stellvertretender Rolle in der Presseabteilung des Heimatschutzministeriums tätig, seit Juni arbeitete sie als Beraterin in der Trump Media & Technology Group, jener Firma, die Truth Social betreibt. Ihre Zeit brachte 41‑Jährige mit zahlreichen TV-Auftritten bei Trump-freundlichen Sendern wie Fox News, Newsmax und One America News Network zu. Wie „Politico“ berichtete, war das ihre Strategie, um die Aufmerksamkeit des Präsidenten zu erregen. Täglich soll sie den öffentlich einsehbaren Terminplan Trumps studiert und mit den Veröffentlichungszeiten seiner Truth-Social-Posts abgeglichen haben, um festzustellen, wann er den Fernseher einschaltet. Zu diesen Zeiten bat sie die Sender um Auftritte.
Die Strategie ging auf. Mit einem lang gezogenen „Good Morning“ begrüßte sie die Reporter im voll besetzten Briefing Room des Weißen Hauses, als sie das Podium zum ersten Mal betrat und bevor sie zu einer Lobeshymne auf Donald Trump ansetzte. Der Präsident sei „energiegeladen“, gerade mitten bei einer „historischen Wahlkampftour“ und habe am Montag einen „Blockbuster-Auftritt“ in Ohio hingelegt, sagte sie.
Zwischen all den Superlativen schaute Zacharia immer wieder auf ihr Skript, um bloß keine Errungenschaft zu unterschlagen. Im Eifer des Gefechts bezeichnete sie ihren Ehemann dann auch noch als „ihren Präsidenten“. Das sei „ein guter“ Versprecher gewesen, fügte sie verlegen an.
Für die anwesenden Journalisten, die Fragen zu aktuellen politischen Vorhaben der Regierung hatten, war ihr Monolog wertlos. Alles, was sie sagte, hatten der Präsident oder seine Fürsprecher mit genau denselben Attributen bereits mehrmals zum Besten gegeben.
Doch Zacharia ging es um einen einzigen Zuschauer: den Präsidenten selbst. Sie wusste, dass er vor dem Fernseher saß und zuschaute.
Lobeshymnen auf Trump abgeben können viele – zuvorderst der Präsident selbst. Die wahre Kunst des Pressesprechers ist es, Antworten auf scharfe Reporterfragen in solche zu verwandeln. Karoline Leavitt beherrschte dies bis zur Perfektion, Zacharia bislang nicht.
Die erste Frage stellte ein Mitarbeiter der rechten Nachrichtenseite „Breitbart“. Ob die Regierung weiterhin „neuen Medien“ Zugang zum Weißen Haus gewähren würde, lautete sie. Anstatt zu einer Attacke gegen „Mainstream-Medien“ anzusetzen, Trump als den transparentesten Präsidenten jemals zu loben oder „neue Medien“ zu lobpreisen, wie Leavitt das getan hätte, beantwortete sie die Frage nur knapp. „Wir werden das absolut so beibehalten, wir lieben neue Medien“, sagte sie.
Auf die drängendste Frage des Tages hatte Zacharia dann keine Antwort. „Haben die USA den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine beendet?“, fragte Fox-News-Journalist Peter Doocy. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte dies in einem Post auf X insinuiert. Russische Angriffe auf ukrainische Städte hatten in der Nacht zu Dienstag für zahlreiche Tote und Verletzte gesorgt. Fünf ballistische Raketen hätten Kiews zivile Infrastruktur getroffen. „Leider haben wir keine Warnung von unseren Partnern über diese Schläge erhalten“, schrieb Selenskyj.
Die „Financial Times“ hatte am Sonntag berichtet, dass Trumps Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner der Ukraine gedroht hatten, keine Geheimdienstinformationen mehr zu liefern, sollte Kiew weiter russische Ölraffinerien angreifen. Das Weiße Haus hat das bestritten.
Angesichts der hohen Benzinpreise in den USA, die durch den Iran-Krieg verursacht wurden, hatte Trump Wladimir Putins Angebot, eine kleine Menge Diesel zu liefern, angenommen und von der Ukraine verlangt, russische Raffinerien zu verschonen. Dafür rief er eine „Energiewaffenruhe“ aus, von der Kiew nichts wusste. Russland setzte seitdem seine Angriffe auf ukrainische Kraftwerke fort, während die ukrainische Armee nach Angaben von Selenskyj seit zwei Tagen keine Raffinerien in Russland angreift.
Zu Selenskyjs indirektem Vorwurf, dass lebensrettende Geheimdienstinformationen über russische Schläge gegen Wohnhäuser ausblieben, konnte Katie Zacharia keine Antwort geben. Darauf werde sie zu einem späteren Zeitpunkt antworten müssen, sagte sie.
Plötzlich endet die Pressekonferenz
Das Weiße Haus hatte die neue Sprecherin im Vorhinein mit viel Lob überhäuft. Eine „fabelhafte und wunderbare“ Ergänzung zum Team sei sie, teilte Steven Cheung, der Kommunikationsdirektor, mit. Neben ihren Auftritten im Fernsehen hatte Zacharia sonst mit kontroversen Aussagen in sozialen Medien und in Podcasts Aufsehen erregt. CNN rekonstruierte ihre Posts auf X und Truth Social. So repostete sie unter anderem wenige Wochen nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine einen Eintrag, in dem Russland unterstützt wurde. „Putin ist im Krieg gegen die Kabalen und die Ukraine steckt mit ihnen unter einer Decke“, stand über einem Bild, auf dem unter anderem Barack Obama, Hillary Clinton, George Soros und Joe Biden abgebildet waren.
Laut der CNN-Recherche hatte sie außerdem zahlreiche andere Verschwörungstheorien verbreitet. So repostete sie 2022 einen Eintrag, der behauptete, Barack Obama sei schwul und Michelle Obama habe einen Penis.
Im vergangenen Jahr verbreitete sie außerdem einen Post, in dem das Justizministerium beschuldigt wurde, die Straftaten der „Epstein-Pedos“ zu „vertuschen“. Im Juni 2025 forderte Zacharia zudem, das verfassungsmäßige Recht, die eigene Inhaftierung vor Gericht anzufechten, auszusetzen.
Nach 14 Minuten beendete Zacharia ihre erste Pressekonferenz plötzlich, weil der Präsident gleich den Helikopter besteigen würde, um nach Alaska zu fliegen, wie sie sagte. Der Abflug stand erst eine Stunde später auf dem Programm, weshalb sie einem hörbar erstaunten Stöhnen der anwesenden Journalisten entgegnete, dass man dann alle Fragen dem Präsidenten persönlich stellen könne. „
Trump ist sein eigener Sprecher“, hatte sie zuvor gesagt. Damit ist klar, wie sie ihre Rolle definiert. Nicht als Sprecherin für den Präsidenten, sondern über ihn.
Gregor Schwung berichtet für WELT seit Juli 2026 als US-Korrespondent aus Washington, D.C. Zuvor war er außenpolitischer Korrespondent in Berlin.
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