Der AfD‑Politiker Martin Reichardt muss wegen einer Bemerkung über die „Unkenntnis“ einer Linken-Politikerin über ihre „eigene Klitoris“ ein Ordnungsgeld zahlen. Die Szene ereignete sich während der Bundestagsdebatte am Donnerstag.
Konkret attackierte Reichardt die Linken-Abgeordnete Kathrin Gebel. „Und auch Sie, Frau Gebel, können gerne noch was sagen“, sagte er am Ende seiner Rede in Richtung Gebel und dem SPD-Politiker Ralf Stegner. „Sie beide haben mir sehr geholfen – Sie mit Ihrer unqualifizierten Zwischenbemerkung und Sie mit Ihrer Unkenntnis über Ihre eigene Klitoris.“
Zuvor hatte er mit Bemerkungen über „Dutzende von erfundenen Geschlechtern“ oder seiner Kritik an „Perversen“, die „auf dem CSD Kindergartenkinder mit Hundemasken anbellen“, Zwischenrufe aus Reihen der SPD und Grünen provoziert.
Reichardts Kommentar hat eine Vorgeschichte. Der AfD-Politiker bezog sich auf eine Debatte aus dem März zu einem AfD-Antrag über sogenannte „Ehrenmorde“.
Linke-Politikerin Gebel hatte damals der AfD vorgeworfen, gegen die Selbstbestimmung der Frau anzukämpfen. Gewalt gegen Frauen werde zur Herkunftsfrage erklärt. „Die von Deutschen begangenen Morde sind Ihnen egal. Und das Ganze wollen Sie uns als Fürsorge verkaufen. Aber ich kann Ihnen sagen: Das kauft Ihnen hier wirklich niemand ab.“
Als Reichardt daraufhin einwarf, die Linken-Politikerin habe der AfD nichts zu sagen, konterte Gebel unter Applaus von SPD, Grünen und Linken: „Herr Reichardt, die Klitoris hat 3000 Nervenenden, aber Sie sind trotzdem empfindlicher – das muss man echt mal schaffen.“ Die Szene ging auch international viral.
Später entschuldigte sich Gebel in einem Instagram-Post dafür, „Scheiße erzählt“ zu haben. „Die Klitoris hat gar keine 3000 Nervenenden – die hat 10.000“, korrigierte sie sich. „Aber dass jemand unwissend ist bezüglich der Klitoris, das ist gar nicht so ungewöhnlich. Denn dass wir die Klitoris in medizinischen Lehrbüchern überhaupt korrekt darstellen, ist tatsächlich ziemlich neu.“ Es sei ein Beispiel dafür, dass Frauengesundheit vernachlässigt werde.
Zudem legte sie in dem Beitrag noch einmal gegen den AfD-Abgeordneten nach. „Ich würde Martin Reichardt niemals, niemals eine ‚Pussy‘ nennen oder mit einer Vulva vergleichen“, beteuerte Gebel. „Denn die Vulva ist ein unglaublich starkes Organ. Sie ist extrem dehnbar, sie kann richtig viel aushalten. Und mein Punkt war ja, dass Martin Reichardt das nicht kann.“
Mit wenig Verständnis reagierte am Donnerstag Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz auf den „Klitoris“-Kommentar des AfD‑Abgeordneten. „Auch wenn der Kollege Reichardt damit auf eine Rede der Abgeordneten Gebel vom März dieses Jahres angespielt haben mag, so stellt seine heutige Bemerkung nicht nur einen äußerst geschmacklosen und herabwürdigenden, sondern auch einen zutiefst beleidigenden verbalen Übergriff in die Intimsphäre einer Kollegin dar“, rügte die CSU‑Politikerin. „Ich will an dieser Stelle sagen: Es reicht!“
„Hier ist jegliche Grenze eines auch nur einigermaßen respektvollen Umgangs überschritten worden. Ein derartiges Verhalten stellt auch in Anbetracht des Umstandes, dass Herr Reichardt mehrfach auf eine angemessene Wortwahl hier im Saal hingewiesen wurde, eine nicht mehr nur geringfügige Verletzung unserer Ordnung und der Würde des Hauses dar“, ergänzte Lindholz. „Einem respektlosen Umgang auch mit uns Frauen an der Stelle werden wir hier oben entschieden entgegentreten.“ Damit einhergehend verhängte die CSU-Abgeordnete ein Ordnungsgeld.
Mit einem Schreiben an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner legte Reichardt später Einspruch gegen das Ordnungsgeld ein. Bei seiner Aussage habe es sich um eine „sachliche Feststellung“ gehandelt. Gebel habe ihrerseits für die Verwendung des Begriffs „Klitoris“ im Frühjahr „nicht einmal einen Ordnungsruf“ erhalten, monierte der AfD‑Politiker. Union, SPD, die Grünen und die Linken votierten für die Zurückweisung des Einspruchs.
„So etwas reiht sich ein in Vorwürfe an Frauen hier im Parlament, dass sie kinderlos seien“, kritisierte Klöckner am Freitag. „Wir sind im Jahr 2026 – Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Diese Übergriffigkeit und Respektlosigkeit lassen wir hier als Präsidium nicht gelten.“ Der geringe Frauenanteil von 32 Prozent im Parlament lasse sich nur dadurch steigern, wenn ein Verhalten gezeigt werde, durch das Frauen Lust auf den Beruf bekämen. „Wir werden das in Zukunft sofort mit einem Ordnungsgeld ahnden, wenn so respektlos mit und über Frauen geredet wird.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.