Die Demokraten sind guter Dinge. Wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen, im Zuge derer sich die Zusammensetzung des US-Repräsentantenhauses und eines guten Drittels des Senats entscheidet, geben sich namhafte Parteimitglieder siegesgewiss. „Das wird ein blauer Tsunami“, prognostizierte nun auch der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom in der Late-Night-Show von Jimmy Kimmel. Donald Trumps Präsidentschaft erhalte durch die Midterms ein Ablaufdatum.
Selbst dem sonst so selbstsicheren Gastgeber schien die Zuversicht Newsoms nicht ganz geheuer zu sein. Auch wenn sie davon ausgingen, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus gewinnen und „hoffentlich“ auch den Senat, mache er sich Sorgen. „Wir haben diesen Umfragen ja schon früher geglaubt. Sie lagen völlig daneben“, gab Jimmy Kimmel zu bedenken. „Wir dürfen nicht allzu entspannt sein, oder?“ Zudem bezweifle er, dass Trump im Falle einer Niederlage klein beigeben werde. Vielmehr vermute er, dass dieser noch einen draufsetzen und „immer verrückter“ werden würde.
„Ja, er wird immer verrückter werden“, bestätigte Newsom, um gleich darauf in eine enthusiastische Ansprache zu verfallen. „Wir werden eine Rekordwahlbeteiligung erleben. Das sehen wir im ganzen Land.“ Schon bei der vorzeitigen Stimmabgabe zeichneten sich außergewöhnlich hohe Werte ab. „Die Menschen verstehen, was auf dem Spiel steht. Alles steht auf dem Spiel. Unsere Gründerväter haben für diesen Moment gelebt und sind für ihn gestorben.“
Beim Senat sei der Ausgang noch offen, räumte Newsom dann doch ein, „aber der Sieg im Repräsentantenhaus steht schon fest“. Nach den Zwischenwahlen werde der Kongress nicht länger „unterwürfig“ agieren. „Aber halten Sie die Augen offen. Sie haben gesehen, was dieser Mann am 6. Januar getan hat. Er wollte die Demokratie in Brand setzen, er wollte dieses Land zerstören“, erklärte der Gouverneur mit Blick auf den Sturm auf das Kapitol in Washington nach Trumps verlorener Präsidentschaftswahl 2020.
Auch angesichts der Midterms sei täglich zu beobachten, wie der US-Präsident versuche, Menschen an der Stimmabgabe zu hindern und die Bedingungen dafür zu schaffen, das spätere Wahlergebnis anzuzweifeln. „Das gehört inzwischen zum Grundprogramm. Deshalb müssen wir uns darauf einstellen“, forderte Newsom. Zu verhindern sei der Manipulationsvorwurf nur dann, wenn die Demokraten deutlich gewännen, appellierte er an die US-Wähler. „Wenn unser Vorsprung bei diesen Wahlen groß genug ist, kann er sie nicht anfechten.“
„Ich habe keinen Zweifel, dass er versuchen wird, diese Wahl zu stehlen“, gab Newsom dann noch ein weiteres Mal zu bedenken. Gerade erst habe Donald Trump etwa versucht, 20.000 Briefwahlstimmen für ungültig zu erklären, noch bevor diese überhaupt ausgezählt worden seien. Das Justizministerium hatte den US-Staat verdächtigt, Menschen zu den Wahlen zugelassen zu haben, obwohl diese keine Staatsbürger seien. Ein US-Richter hatte die einstweilige Verfügung zurückgewiesen und mit den „verheerenden Folgen“ für die Integrität der Wahl begründet. Nach der Entscheidung beklagte der US-Präsident, Kalifornien sei ein korrupter Bundesstaat.
Jimmy Kimmel (r.) im Gespräch mit Gavin Newsom„Am Sonntag mussten wir vor ein Bundesgericht ziehen. Am Dienstag waren wir wieder vor Gericht“, berichtete der kalifornische Gouverneur nun bei Kimmel. „Im Moment konzentriere ich mich darauf, mehr als 1000 Wahlhelfer einzusetzen, die die Beobachter des Justizministeriums überwachen sollen, die Trump schicken wird, um diese Wahl zu stehlen.“ Zudem seien 134 auf Wahlrecht spezialisierte Anwälte im Einsatz. Über eine Hotline könnten sich Wähler melden, denen etwas auffalle. „Wir nehmen das sehr ernst“, unterstrich Newsom. „Wir werden die Stimmenauszählung überwachen, bis auch die allerletzte verdammte Stimme bei dieser Wahl gezählt und bestätigt ist.“
Kimmel sprach den Demokraten auch auf Trumps Drohungen gegen kalifornische Städte an. Unlängst hatte dieser zu möglichen Angriffen des Iran auf die Vereinigten Staaten gesagt: „Sollen sie doch Los Angeles auslöschen, sollen sie doch San Diego auslöschen.“ In der Late-Night-Show charakterisierte Newsom die Äußerungen als Grund, den Republikaner seines Amtes zu entheben. „Mitglieder seines Kabinetts sollten ihn holen und sich dann bei solchen Äußerungen auf den 25. Zusatzartikel berufen“, betonte er. „Nichts davon ist normal. Wir dürfen nicht zulassen, dass das zur Normalität wird. Er hat es nicht einmal gesagt, sondern zweimal. Er hat seinen Unsinn noch einmal bekräftigt.“
Einen Seitenhieb konnte sich Newsom auch im Hinblick auf Trumps Wahlkampfauftritte nicht verkneifen. Bei diesen hatte dieser wiederholt die Körper der Kandidaten kommentiert. Insbesondere auf deren Gesäße stimmte er mehrfach Loblieder an. „Er hat tatsächlich eine gewisse Fixierung auf – verzeihen Sie mir – die Ärsche anderer Leute“, sagte Newsom. „Aber der einzige Arsch, um den ich mich kümmere, ist der, den wir am Dienstag treten werden.“
Neben den Kongresswahlen entscheidet die kalifornische Wählerschaft am Dienstag auch über den künftigen Gouverneur. Der Demokrat Xavier Becerra tritt dann gegen den Republikaner Steve Hilton an. Zudem steht die „Proposition 40“ auf dem Wahlzettel, ein Volksentscheid, der eine einmalige Steuer von 5 Prozent auf Milliardärsvermögen vorsieht. Gavin Newsom werden nach seinem Abschied vom Amt des Gouverneurs Ambitionen nachgesagt, als Präsidentschaftskandidat anzutreten.
Um künftig Wahlerfolge erzielen zu können, müsse seine Partei jedoch an sich arbeiten. „Wir müssen selbst gnadenloser sein“, unterstrich Newsom bei Kimmel. „Donald Trump ist gnadenlos. Und deshalb gilt: Bei allem Respekt und aller Verbundenheit zu meiner Partei, der Demokratischen Partei: Wenn sich etwas ändern soll, müssen wir uns ändern.“
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