Fünf Jahre nach ihrem Abschied aus dem Bundeskanzleramt mischt sich Angela Merkel, offenbar gerade zurück aus dem Urlaub, noch immer in politische Debatten ein. In einem großen Interview bei MagentaTV warb die Altkanzlerin unter anderem für ein weibliches Staatsoberhaupt und eine Kurskorrektur bei der CDU.

In der Talksendung „Bestbesetzung“ mit Johannes B. Kerner äußerte sich die 72-Jährige auch zu den Ursachen ihrer Zitterattacken. Ein Überblick über die zentralen Aussagen zu unterschiedlichen Themen:

Merkel zur Steinmeier-Nachfolge

Für die Nachfolge von Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier kommt nach Merkels Ansicht nur eine Frau infrage: „Es gibt 77 Jahre Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, und es gab noch nie eine Frau als Bundespräsidentin.“ Da müsse sich jeder fragen, „ob es jetzt nicht mal an der Zeit wäre“.

„Ich kenne Menschen, die sind schon geboren und die sind weiblich und die könnten’s“, betonte Merkel. Namen wollte sie allerdings keine nennen.

Merkel zum Kurs der CDU

Kritisch äußerte sie sich über den derzeitigen Kurs ihrer eigenen Partei. „CDU pur ist nicht Wirtschaftspolitik“, betonte die langjährige Parteivorsitzende. „CDU pur war immer Brückenbauen in alle Richtungen der Gesellschaft – und das muss wieder in den Vordergrund gestellt werden.“

Merkel zur Brandmauer

„Es ist richtig von der CDU, dass sie Unvereinbarkeitsbeschlüsse hat, was die AfD und die Linke anbelangt“, betonte Merkel – machte allerdings Unterschiede. Bei der Linken sehe sie – abgesehen von einem großen Antisemitismus-Problem beim Berliner Landesverband – die Schwierigkeit, dass deren Grundpositionen mit der CDU oft „gar nichts gemein“ hätten. „Dass sie mit der Nato nichts zu tun haben will, finde ich in den heutigen Zeiten vollkommen inakzeptabel.“

Eine noch deutlichere Mauer zieht Merkel allerdings zur AfD: „Man versucht zu spalten, man versucht, die Würde einiger Menschen infrage zu stellen. Das sind grundsätzliche Fragen, und deshalb ist für mich die Nicht-Zusammenarbeit mit der AfD nochmal auf einer ganz höheren und grundsätzlicheren Stufe.“

Merkel über ihr Zittern

Das Zittern, das Merkel im Jahr 2019 bei den militärischen Ehren für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erfasst hatte, führt sie heute auf innere Spannungen zurück – „wahrscheinlich durch den Tod meiner Mutter oder auch die Tatsache, dass ich wusste, ich werde aufhören“. Wenn der Körper ein solches „Zeichen“ setze, sei es wichtig, „dass man sich Zeit lässt oder dass man sich Modalitäten schafft, mit denen man leben kann“. Sie habe daraufhin militärische Ehren nur noch im Sitzen absolviert. „Mehr brauchte ich dann auch nicht.“

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