Die Erholung kommt nicht in Fahrt, konstatieren die Einzelhändler. Die Branche erwartet auch in den kommenden Monaten keine durchgreifende Besserung. Der Branchenverband mahnt die Politik. Auf Verbraucher kommen weiter vereinzelt Preiserhöhungen zu.

Die Stimmung im deutschen Einzelhandel hat sich im August den dritten Monat in Folge eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima sank um 1,1 auf minus 24,0 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Die Einzelhändler beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage erneut etwas zurückhaltender. Die Erwartungen für die nächsten Monate haben sich leicht verbessert, bleiben aber auf eingetrübtem Niveau. "Die konjunkturelle Erholung kommt noch nicht in Fahrt", sagte Ifo-Experte Patrick Höppner. "Auch im Einzelhandel lässt ein Stimmungsumschwung weiter auf sich warten."

Bei Möbelhäusern und im Bekleidungseinzelhandel hat sich das Geschäftsklima etwas verschlechtert. Leicht aufgehellt hat es sich hingegen im Lebensmitteleinzelhandel. "Obwohl sich die Konsumausgaben der Verbraucherinnen und Verbraucher im laufenden Jahr voraussichtlich besser entwickeln werden als die Wirtschaftsleistung insgesamt, erwarten viele Einzelhändler in der nächsten Zeit keine spürbaren Geschäftsimpulse", sagte Höppner.

Der Preisdruck im Einzelhandel hat sich den Angaben zufolge leicht entspannt. Zuletzt haben die Händler per Saldo weniger häufig ihre Preise erhöht, hieß es. Auch für die kommenden Monate kalkulieren die Einzelhändler etwas seltener mit steigenden Preisen. Im Lebensmitteleinzelhandel und bei Möbelhäusern planen allerdings mehr Geschäfte mit Preiserhöhungen in den nächsten Monaten als im Handel insgesamt.

Im Juli setzt die Branche nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf Monatssicht ein Prozent weniger um. Inflationsbereinigt fiel der Rückgang mit real 1,5 Prozent noch größer aus. Der Umsatz mit Lebensmitteln fiel real um 1,8 Prozent niedriger aus als im Juni. Der Internet- und Versandhandel verzeichnete sogar einen Rückgang von 3,8 Prozent. Der Branchenverband HDE rechnet für das Gesamtjahr mit einem Umsatzplus von zwei Prozent. Real soll es auf einen Zuwachs von 0,5 Prozent hinauslaufen.

Der Branche droht eine schwierige zweite Jahreshälfte. Wegen zunehmender Arbeitsplatzsorgen sank die Kauflaune der Deutschen zuletzt drei Monate in Folge, wie GfK-Marktforscher und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) herausfanden.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert vor diesem Hintergrund von Bundeskanzler Friedrich Merz rasche Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Konjunktur. "Die Bedeutung der Binnenwirtschaft muss aktuell mehr in den Fokus rücken", heißt es in einem in dieser Woche veröffentlichten Schreiben. "Es braucht ein Sofortprogramm für die Binnenwirtschaft", forderte der Verband.

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