Italien atmet auf, jedenfalls die Nudelproduzenten aus dem Land von Pizza und Pasta. Denn mit dem Jahreswechsel hat die US-Regierung von Präsident Donald Trump die angekündigten Strafzölle auf den Import von Nudeln massiv gesenkt. Eigentlich sollten zusätzlich zum allgemeinen Zollsatz von 15 Prozent auf EU-Lebensmittel weitere 91 Prozent erhoben werden. Nun aber meldet das italienische Außenministerium, dass je nach Hersteller nur noch zwischen 2,26 und 13,98 Prozent Zoll fällig werden.
Wie wichtig dieses Zugeständnis für die Pasta-Nation ist, zeigt der Blick auf die Exportstatistik: Mehr als 60 Prozent der italienischen Nudelproduktion sind für das Ausland bestimmt – und Amerika ist dabei das Ausfuhrziel Nummer eins. Direkt dahinter folgt dann Deutschland als zweitgrößter Exportmarkt für das ultimative Symbol der italienischen Küche – mit im Jahr 2024 rund 450.000 Tonnen Einfuhrmenge im Wert von über einer halben Milliarde Euro.
Zwar gibt es hierzulande reichlich eigene Hersteller und Marken, darunter Riesa, Bernbacher, den oberschwäbischen Mittelständler Buck mit den beiden Marken Gaggli und Dorfmühle, vor allem aber Birkel und 3 Glocken, die heute beide zur italienischen Newlat Group gehören.
Insgesamt 21 Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten haben 2024 fast 300.000 Tonnen Nudeln produziert, meldet das Statistische Bundesamt. Gut die Hälfte davon sind Teigwaren mit Ei, die andere Hälfte ohne Ei. Ein erklecklicher Teil davon wird allerdings ins Ausland verkauft, allen voran nach Frankreich, Großbritannien und Polen. Gleichzeitig werden immer mehr Nudeln importiert – mittlerweile fast 72 Prozent der jährlichen Verzehrmenge, wie der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) schätzt.
Italien spielt dabei eine dominante Rolle. Stattliche 86 Prozent der deutschen Pasta-Importe stammen aus dem südeuropäischen Land, allen voran von den Marken Barilla und Buitoni. VGMS-Geschäftsführer Peter Haarbeck macht dafür die Preispolitik von Supermärkten und Discountern verantwortlich – und zeigt sich wenig begeistert. „Der Einzelhandel bietet italienische Nudeln laufend als Aktionsware zu Tiefstpreisen an. Dabei gibt es viele gute Argumente für Nudeln aus deutscher Produktion“, kritisiert der Branchenvertreter, der sich mehr „regionale Vielfalt“ wünscht.
„Es gibt eine gut funktionierende heimische Wertschöpfungskette, Landwirte die hervorragenden Hartweizen ernten und Teigwarenhersteller die Nudeln in bester Qualität liefern. Da ist es unverständlich, dass 72 Prozent der Nudeln importiert werden.“
Bedarf ist unabhängig vom Herkunftsort vorhanden. Zumindest hat der Nudel-Konsum hierzulande zuletzt ein Allzeithoch erreicht. Auf erstmals 10,1 Kilogramm schätzt der VGMS den Pro-Kopf-Verbrauch im Mühlen-Wirtschaftsjahr 2024/2025, das sich am Erntezyklus der Landwirtschaft orientiert und damit vom 1. Juli bis zum 30. Juni dauert.
Der Wert liegt damit 600 Gramm über dem Vorjahr und zudem knapp über dem bisherigen Rekord aus der Corona-Zeit, als es im deutschen Lebensmittelhandel teils zu Hamsterkäufen von Nudeln und in der Folge zu spürbaren Preissteigerungen von fast 30 Prozent im Jahr 2022 und nochmal über zehn Prozent in 2023 gekommen ist.
Die Lieblingspasta der Deutschen ist dabei Spaghetti, mit weitem Abstand sogar. Das zeigt eine YouGov-Umfrage. Dahinter folgen Fusilli, Tagliatelle bzw. Bandnudeln, und dann Spätzle, Makkaroni und Penne. In welcher Form das Grundnahrungsmittel auf den Teller kommt, entscheidet dabei nicht allein das Aussehen, sondern auch die Eigenschaften. Während Spaghetti, Penne und Fusilli besonders gut Sauce aufnehmen, gelten Penne und Farfalle als ideal für Nudelsalat und unter anderem Bandnudeln als Beilage.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.
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