Der geplante Multi-Milliardenauftrag der Bundeswehr für eine Satellitenflotte unter der Bezeichnung SATCOMBw Stufe 4 führt zu einer überraschenden Zusammenarbeit: So wird sich der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall mit dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB verbünden, um laut Medienberichten gemeinsam ein Angebot für den Auftrag abzugeben. Die OHB-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von mehr als 30 Prozent auf die Nachricht. Offiziell bestätigte der Bremer Konzern lediglich „Gespräche zu einer möglichen Kooperation mit dem Rheinmetall-Konzern“.
Rheinmetall ist im vergangenen Jahr in das Weltraumgeschäft eingestiegen und hat im Dezember einen 1,7 Milliarden Euro Vertrag mit der Bundeswehr für eine Radar-Aufklärungsflotte mit dem Projektnamen SPOCK 1 unterschrieben. Zur Bereitstellung dieser Fähigkeit hat Rheinmetall gemeinsam mit ICEYE – dem weltweit führenden Hersteller und Betreiber von Radar-Satelliten – das Unternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions (RISS) gegründet, mit 60 Prozent Rheinmetall-Anteil. Die Satelliten für SPOCK 1 sollen in einem Rheinmetall-Werk in Neuss produziert werden.
Jetzt geht es um ein weiteres Bundeswehr-Satellitenprojekt. Mit SATCOMBw Stufe 4 soll angeblich ein Netz von 100 bis 200 Kommunikationssatelliten in niedriger Umlaufbahn entstehen. Die Kosten werden auf acht bis zehn Milliarden Euro veranschlagt. Vorbild für die Bundeswehr-Konstellation ist das Starlink-Satellitennetz des Technologieunternehmers Elon Musk mit bislang gut 9000 aktiven Satelliten. Bis 2029 will die Bundeswehr mit dem Kommunikationsnetz im All Panzer, Schiffe und Soldaten miteinander verbinden.
Um den Auftrag bemüht sich aber nicht nur das neue Bündnis Rheinmetall-OHB und schlägt dabei eine rein deutsche Lösung vor, sondern auch Europas führender Satellitenhersteller Airbus Defense and Space. Airbus plant jedoch sein Geschäft mit den Aktivitäten von Thales (Frankreich) und Leonardo (Italien) zusammenzulegen.
Gegen dieses europäische Satellitenbündnis hat OHB-Chef Marco Fuchs bereits Widerstand vor der EU-Kommission angekündigt und setzt auf die deutsche Karte. Airbus hat hingegen von der Bundeswehr das SATCOMBw Stufe 3-System gewonnen, das aus zwei großen geostationären Kommunikationssatelliten besteht. Der Auftrag über 2,1 Milliarden Euro wurde 2024 erteilt und die Satelliten sollen noch vor dem Ende des Jahrzehnts in Betrieb genommen werden.
Für den Bremer OHB-Konzern ist eine Zusammenarbeit mit Rheinmetall ein Türöffner im Militärgeschäft, während Rheinmetall an Raumfahrt Know-how gewinnt. OHB hat erst jüngst seine Geschäftsaussichten angehoben. Nach einem Anstieg beim Auftragseingang um 24 Prozent im Jahr 2025 auf 2,1 Milliarden Euro wird nun mittelfristig ein jährliches Neugeschäft von drei Milliarden Euro erwartet. Die Gesamtleistung soll bis zum Jahr 2028 auf über zwei Milliarden Euro steigen, bei einer Ertragsmarge (EBIT) von über neun Prozent.
Die Grundlage dafür bilden die steigenden Budgets der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der Europäischen Union sowie nationaler Kunden. „Der Verteidigungsmarkt gewinnt dabei deutlich an Bedeutung“, teilte OHB ohne weitere Erläuterungen mit.
OHB wird auch weiter an der Börse bleiben, nachdem es immer wieder Spekulationen über einen Zwangsausschluss der noch wenigen Kleinaktionäre gab, seitdem der US-Finanzinvestor KKR über eine Kapitalerhöhung knapp 30 Prozent am Kapital erwarb. Mehrheitseigentümer ist nach wie vor die Familie Fuchs. Wie OHB-Chef Marco Fuchs jetzt erklärte, schätzen die Auftraggeber die Transparenz, die mit der Börsennotierung einhergeht. „Aus unserer Sicht schafft sie zusätzliches Vertrauen. Wir erhalten uns daher einen Zugang zu den Kapitalmärkten, der unser zukünftiges Wachstum und die nachhaltige Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit unterstützen kann.“
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