Der frühere Notenbankdirektor Kevin Warsh soll Nachfolger von US-Zentralbankchef Jerome Powell werden. Das teilte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social mit.
Er kenne den Bankmanager schon seit langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der Großen an der Notenbankspitze in die Geschichte eingehen werde. Powells Amtszeit läuft im Mai aus. Trump hat ihn immer wieder scharf kritisiert und vergeblich zu kräftigen Zinssenkungen gedrängt.
Der 55-jährige Ökonom Warsh hat sich in jüngster Zeit hinter die Forderungen des Präsidenten gestellt. Dieser liefert sich eine Art Privatfehde mit dem von ihm als unfähig kritisierten Notenbank-Chef Powell, der die unabhängige Fed noch bis Mai führt.
Traditionell gilt die Unabhängigkeit der Zentralbank von politischem Druck als entscheidend für ihre Aufgabe im Kampf gegen die Inflation. Powell ist ins Visier der US-Justiz geraten und hat die Ermittlungen als Vorwand bezeichnet, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen.
Nach einem Jurastudium hatte Warsh mehrere Jahre lang bei der Investmentbank Morgan Stanley gearbeitet und sich dort mit Fusionen und Übernahmen beschäftigt. 2002 zog es ihn in die Politik, wo er unter dem damaligen republikanischen Präsidenten George W. Bush arbeitete und ihn etwa bei Fragen rund um Kapitalflüsse und Wertpapiere beriet.
Bush nominierte Warsh 2006 als Fed-Gouverneur – mit nur 35 Jahren wurde er dann das jüngste Vorstandsmitglied in der Geschichte der Federal Reserve. Der frühere Fed-Chef Ben Bernanke, unter dem er arbeitete, schrieb in seinen Memoiren, dass Warshs junges Alter Kritik auf sich gezogen habe – doch seine politischen Fähigkeiten, sein Marktverständnis und seine vielen Kontakte an der Wall Street hätten sich als wertvoll erwiesen.
Der Senat müsste der Personalie allerdings zustimmen, wobei dies noch nicht ausgemacht zu sein scheint. Ein einflussreicher Abgeordneter der Republikanischen Partei Trumps, Senator Thom Tillis aus North Carolina, droht damit, jegliche Nominierungen für die Fed zu blockieren, bis die Ermittlungen des Justizministeriums abgeschlossen sind.
Dollar steigt, Gold- und Silberpreis sinkt
Die Spekulationen, die US-Notenbank Federal Reserve könnte nach dem Ausscheiden von Jerome Powell im Mai einen restriktiveren Vorsitzenden bekommen als erwartet, verliehen im Laufe des Vormittags der zuletzt gebeutelten US-Währung einen Schub. Dies machte die in US-Dollar gehandelten Edelmetalle für ausländische Käufer teurer und verleitete viele Anleger dazu, Gewinne mitzunehmen. Der Preis für Silber rutschte unter die erst vor einer Woche überwundene 100-Dollar-Marke und verlor in der Spitze 17,4 Prozent auf 95,88 Dollar je Feinunze. Gold verbilligte sich um 8,1 Prozent auf 4958 Dollar je Feinunze.
Am Donnerstag war das Edelmetall wegen geopolitischer Sorgen und der ungewissen US-Zins- und Wirtschaftspolitik unter Trump noch auf einen Rekordwert von 5594,82 Dollar je Feinunze gestiegen. Zeitweise legten die Preise für Gold und Silber im Januar um gut 30 beziehungsweise 70 Prozent zu.
Die Bewegung des Goldpreises „bestätigt die warnende Geschichte vom schnellen Aufstieg und schnellen Fall“, sagte Christopher Wong, Stratege bei Oversea-Chinese Banking. Während Berichte über die Nominierung von Warsh ein Auslöser waren, sei eine Korrektur überfällig gewesen. „Es ist wie eine dieser Ausreden, auf die die Märkte warten, um die parabolischen Kursbewegungen wieder umzukehren.“
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