Es gibt Sprichwörter, die sind bei genauerer Betrachtung absurd – oder zumindest komplett falsch. Dazu gehört: „Umsonst ist nur der Tod.“ Tatsächlich müssen Angehörige für eine Bestattung mehrere Tausend Euro einkalkulieren. Allein die Bestatterleistungen kosten schnell zwischen 3000 und 6000 Euro und beinhalten die Überführung des Verstorbenen, Sarg oder Urne, die Koordination mit Ämtern, die Gestaltung der Traueranzeigen und die Organisation der Trauerfeier.
Hinzu kommen die Friedhofsgebühren, die aus der Grabnutzungsgebühr für meist 15 bis 30 Jahre, der Beisetzungsgebühr und den Gebühren für die Friedhofseinrichtungen bestehen. Zusätzlich sind noch der Grabstein, die Grabpflege und die Floristik zu zahlen.
Die durchschnittlichen Kosten sind nur wenig aussagekräftig, weil die Preise je nach Ort stark schwanken. Kommunen dürfen die Höhe ihrer Friedhofsgebühren selbst festlegen, eine Obergrenze gibt es nicht. Der Verein Aeternitas Verbraucherinitiative Bestattungskultur hat die Friedhofsgebühren aller 79 deutschen Großstädte ab 100.000 Einwohnern untersucht.
Das Ergebnis: Bei gleicher Art des Grabes unterscheiden sich die Preise je nach Ort um ein Vielfaches. Ein Urnenreihengrab kostet mit einer Ruhezeit von 20 Jahren plus Beisetzung und Nutzung der Trauerhalle in Kassel 2656 Euro, während in Chemnitz nur 580 Euro anfallen. Eine Urnennische kostet in Krefeld für eine Dauer von 30 Jahren 10.780 Euro, in Chemnitz für 20 Jahre nur 612 Euro.
Bereits seit vielen Jahren geht der Trend zur Urnenbestattung, die bereits mehr als 80 Prozent aller Bestattungen ausmacht. Inzwischen ist der Anteil der Bestattungen mit kirchlicher Begleitung auf unter 50 Prozent gesunken. Immer mehr Menschen entscheiden sich für freie Redner oder eine weltliche Feier ohne religiöse Liturgie.
Obwohl in Deutschland grundsätzlich der Friedhofszwang gilt, wünschen sich weniger Menschen für ihre eigene Bestattung ein traditionelles Grab auf dem Friedhof. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt regelmäßig die Deutschen im Auftrag der Aeternitas Verbraucherinitiative Bestattungskultur nach ihren Bestattungswünschen. Bei der jüngsten Befragung aus 2025 bevorzugten nur noch 25 Prozent für sich eine klassische Urnen- oder Sarggrabstätte auf einem Friedhof.
Mit seinem Friedhofszwang ist Deutschland eines der restriktivsten Länder Europas. Im Regelfall muss die Asche oder der Leichnam hierzulande auf dem Friedhof oder im Bestattungswald beigesetzt werden. In einigen Bundesländern gibt es punktuelle Lockerungen. Seit Herbst 2025 gilt in Rheinland-Pfalz das bundesweit liberalste Recht: Es ist das erste Bundesland, das den Friedhofszwang für die Asche von Verstorbenen unter bestimmten Bedingungen faktisch aufgehoben hat. Angehörige dürfen die Urne mit nach Hause nehmen.
Die Bestatterbranche ist inzwischen zu einem nennenswerten Wirtschaftsfaktor geworden. Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren 2023 im Bestattungshandwerk rund 26.300 Personen bei den hierzulande ansässigen 4200 Unternehmen tätig, 2,5 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Auch die erwirtschafteten nominalen Umsätze sind 2023 gegenüber dem Vorjahr gestiegen: von rund 2,26 Milliarden Euro auf rund 2,32 Milliarden Euro.
„Die Nachfrage nach Bestattungsdienstleistungen und damit auch nach Fachkräften in dieser Branche steigt stetig – auch aufgrund des zunehmenden Anteils älterer Menschen an der Bevölkerung in Deutschland“, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Jährlich sterben in Deutschland etwa eine Million Menschen, 16 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ geschrieben.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.
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