Die Zahlen von Nvidia im vierten Quartal seines Geschäftsjahres 2026 sind wieder einmal beeindruckend: Der Chipkonzern übertraf erneut deutlich die Erwartungen der Wall Street und setzte erstmals in einem Gesamtjahr mehr als 200 Milliarden Dollar um.

Nvidia steigerte den Quartalsumsatz auf 68,1 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit rund 66 Milliarden gerechnet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,62 Dollar ebenfalls über den Prognosen. Besonders stark wuchs erneut das Rechenzentrumsgeschäft, das mit 62,3 Milliarden Dollar den Löwenanteil beisteuerte.

Die eigentliche Nachricht für die Börse verbirgt sich aber in der Prognose fürs laufende Geschäftsjahr: Für das laufende Quartal stellte Nvidia Erlöse von rund 78 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich mehr als am Markt erwartet. Damit geht die Börsenparty vorerst weiter, der Infrastrutkurausbau für künstliche Intelligenz stockt nicht. Denn Nvidia gilt als Taktgeber der gesamten KI-Wertschöpfungskette – von Cloud-Konzernen und Rechenzentrumsbetreibern bis hin zu Chipausrüstern und Stromversorgern. Wenn der Konzern seine Prognosen anhebt, wird das an der Börse regelmäßig als Signal verstanden, dass die milliardenschweren Investitionsprogramme von Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und anderen weiterlaufen.

Nvidia wächst mit Netzwerktechnik für die eigenen KI-Chips

Mit 62,3 Milliarden Dollar entfielen mehr als neun Zehntel des Umsatzes auf Chips und Systeme für Rechenzentren – also vor allem auf KI-Beschleuniger und die dazugehörige Infrastruktur. Das klassische Gaming-Geschäft spielt mit 3,7 Milliarden Dollar nur noch eine Nebenrolle, auch wenn es im Jahresvergleich zulegte. Auch das Automotive-Segment blieb im Vergleich unbedeutend.

Ganz nebenher hat sich Nvidia damit auch zu einem Schwergewicht im Segment Netzwerktechnik für Rechenzentren gemacht. Da die eigenen KI-Supercomputer nur mit proprietären Hochgeschwindigkeitsverbindungen optimal funktionieren, verkauft der Konzern nicht nur Supercomputer, sondern gleich die passende Infrastruktur mit. Allein der Quartalsumsatz mit Netzwerktechnik beläuft sich inzwischen auf rund 15 Milliarden Dollar. Damit ist Nvidia nach Umsatzangaben mittlerweile einer der größten Ausrüster für Netzwerke weltweit.

Bemerkenswert ist zudem die weiterhin außergewöhnlich hohe Profitabilität. Die Bruttomarge lag bei rund 75 Prozent und damit am oberen Ende der Prognose. Nvidia gelingt es bislang, die enorme Nachfrage nach seinen KI-Chips in hohe Preise und stabile Margen zu übersetzen, trotz steigender Produktionskosten und massiver Investitionen in neue Architekturen.

Gleichzeitig stiegen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie die Lagerbestände im Jahresvergleich deutlich an. Das kann Ausdruck hoher Nachfrage und längerer Lieferketten sein, wird von Investoren aber genau beobachtet, weil sich hier auch Risiken bei einer möglichen Abschwächung des Booms verbergen.

Unter dem Strich erzielte Nvidia im Gesamtjahr einen Umsatz von rund 216 Milliarden Dollar – ein Plus von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und einen Nettogewinn in dreistelliger Milliardenhöhe. Damit unterstreicht der Konzern seine Rolle als bislang einziger Konzern, der mit KI-Produkten tatsächlich nennenswert Gewinn macht.

KI-Token sollen klassische Softwareprodukte ersetzen

Doch das werde sich bald ändern, erklärte Nvidia-CEO Jensen Huang und sprach im Analystengespräch von einer grundsätzlichen Verschiebung in der Art, wie Software künftig entsteht. Die Welt bewege sich von klassischer, vorab programmierter Software hin zu „token-getriebener“ KI, also Systemen, die in Echtzeit Inhalte, Entscheidungen und Prozesse generieren. Token-Erzeugung – also die Rechenschritte, mit denen große Modelle Texte, Bilder oder Handlungen ableiten – werde zum Kern praktisch jeder digitalen Anwendung.

Während klassische Rechenzentren vor allem Daten speicherten und abriefen, entstünden nun Fabriken für KI-Token, die ein Vielfaches an Rechenleistung benötigen. Der dafür nötige Infrastrukturaufbau werde, so Huang, bis 2030 Investitionen von drei bis vier Billionen Dollar erfordern.: „Wir sind uns jetzt ziemlich sicher, dass dies die Zukunft des Computing ist.“ Da künftig nahezu jedes Unternehmen – vom Cloud-Anbieter über Softwarehäuser bis hin zu Industrie- und Robotikfirmen – eigene KI-Modelle betreiben oder nutzen werde, stehe die Branche erst am Anfang eines neuen globalen Investitionszyklus.

Solange die großen Cloud-Anbieter und Konzerne weltweit Milliarden in neue Rechenzentren investieren, bleibt Nvidia der größte Profiteur des KI-Booms. Doch die Abhängigkeit der Branche von einem einzigen Ausrüster wächst, ebenso wie die Fallhöhe. Jede Abschwächung bei Bestellungen, regulatorische Eingriffe oder geopolitische Beschränkungen, etwa im China-Geschäft, könnten die Dynamik schnell verändern. Vorerst jedoch liefern die Zahlen genau das, was die Börse hören will: Der KI-Investitionszyklus läuft weiter auf Hochtouren.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.