Der Krieg im Nahen Osten trifft die Energiemärkte mit voller Wucht. Am vierten Tag der Eskalation steigen Öl- und Gaspreise weiter deutlich, die europäischen Börsen rutschen ab – und auch Autofahrer sowie Heizöl-Kunden müssen tiefer in die Tasche greifen.
Der Ölpreis lag am Dienstagmorgen bei über 80 Dollar, der Gaspreis legte um über 30 Prozent zu und lag bei fast 60 Euro pro Megawattstunde. Das war der höchste Stand seit Februar 2023. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um fast 3,8 Prozent auf 80,66 Dollar, der für ein Barrel der US-Sorte WTI um 3,5 Prozent auf 73,76 Dollar. Analysten halten Preise von über 100 Dollar pro Barrel im Fall eines längeren Konflikts für denkbar.
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Die Unsicherheit belastet auch die Aktienmärkte. Der Dax büßte 3,5 Prozent ein fand sich mit 23.772 Punkten auf dem tiefsten Niveau seit drei Monaten wieder. Seit Wochenbeginn beläuft sich der Rückschlag nun auf gut 1.500 Punkte oder 6 Prozent. In Mailand sank der Leitindex um 2,38 Prozent, in Paris um 1,83 Prozent, in London um 1,46 Prozent. Bereits am Montag waren die Kurse in Europa um rund zwei Prozent gefallen.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sprach bei WELT TV von einer „besorgniserregenden“ Entwicklung. Sollte der Ölpreis im Sommer auf 100 Dollar steigen, könne sich die Inflation deutlich beschleunigen. In der Folge müsste die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter anheben, was die Wirtschaft zusätzlich belasten würde. „Das ist eine sehr, sehr brenzlige Situation“, sagte Linnemann. Man könne nur hoffen, dass der Krieg nicht lange dauere.
Sollte sich die Lage dagegen rasch entspannen und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder normalisieren, sei innerhalb von vier bis sechs Wochen mit einer „Entspannung“ zu rechnen.
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hatte zuvor bereits vor einem Energieschock gewarnt. Besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl, Glas oder Papier wären betroffen. „Für Europa bedeutet das: steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Deutschland treffe dies in einer ohnehin fragilen Lage. Grimm forderte eine widerstandsfähige Energieversorgung – etwa durch diversifizierte Lieferketten, gut gefüllte Speicher, koordinierte europäische Beschaffung und einen beschleunigten Ausbau der eigenen Energieversorgung. „Wir müssen uns auf eine längere Phase erhöhter Unsicherheit einstellen“, warnte die Ökonomin.
Die höheren Rohölpreise kommen inzwischen bei Verbrauchern an. Laut ADAC war Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Montag mit 1,839 Euro pro Liter 6,1 Cent teurer als am Freitag – der höchste Stand seit Mai 2024. Diesel verteuerte sich um sieben Cent auf 1,816 Euro je Liter, so teuer wie zuletzt im Oktober 2023.
Diesel ist inzwischen teurer als Super E10. „Diesel reagiert erfahrungsgemäß sensibler auf äußere Faktoren wie Krisen oder Kriege. Die Preisausschläge – sei es nach oben oder unten – sind daher meist stärker“, erklärte der Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC, Christian Laberer.
Der aktuelle Anstieg der Spritpreise ist zwar deutlich, in der jüngeren Vergangenheit aber nicht ohne Beispiel. Zu Beginn des Ukraine-Krieges vor vier Jahren hatte sich Diesel binnen gut zwei Wochen um mehr als 60 Cent pro Liter verteuert. E10 stieg damals um rund 50 Cent. Auch bei den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im Juni vergangenen Jahres hatte sich Sprit deutlich verteuert, Diesel stieg damals um rund 10 Cent.
Auch wer zum Ende der Heizsaison seinen Öltank füllen muss, hat aktuell ein Problem. Die Seite Heizoel24 gab den Preis für 100 Liter am Morgen mit knapp 123 Euro an. Das waren noch einmal gut 4 Euro mehr als am Montag. Noch am Freitag hatte der Preis unter 100 Euro gelegen.
Der steigende Rohölpreis ist – in Kombination mit dem Dollarkurs – typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen der Verbraucherpreise für Sprit und Heizöl. Die Zuspitzung des Konflikts treibt den Ölpreis auch, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat.
Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.
Wer beim Tanken sparen will, sollte die morgendlichen Preisspitzen meiden und die Preise verschiedener Tankstellen vergleichen, rät der ADAC. Gerade in Krisenzeiten mit viel Bewegung gebe es auch große Unterschiede. Diesen Rat befolgen offenbar viele Menschen.
Am Sonntag hatten laut ADAC fünfmal so viele Menschen den Spritpreisvergleich des Verkehrsclubs genutzt, was ihn zwischenzeitlich überlastete. Auch am Montag sei es noch zu kürzeren Aussetzern gekommen. Inzwischen habe man aber die Serverkapazitäten angepasst, sagte ein Sprecher.
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