Projektoren aus China haben ein Image-Problem. Zu oft wurden Verbraucher in den vergangenen Jahren mit blumigen Versprechen und ernüchternder Realität konfrontiert: Helligkeit, die nicht stimmte. Apps, die nicht liefen. Netflix, das fehlte oder nur in minderer Qualität funktionierte. Dangbei versucht seit einigen Jahren, diesen Ruf zu korrigieren. Der MP1 Max ist das bislang ambitionierteste Modell des Herstellers. 3100 ISO Lumen Helligkeit, hybride Laser-LED-Technologie und eine echte Netflix-Lizenz. Klingt gut. Im Test zeigt sich, dass es das auch ist – meistens.
Das Gerät macht schon beim Auspacken einen Punkt. Mit seinem Guss-Kunststoff, Leichtmetall und ein Stoffbezug auf der Oberseite wirkt er hochwertig. Projektor und Standfuß kommen bereits vorjustiert aus der Box, es muss nichts verschraubt oder zusammengesteckt werden. Der Standfuß lässt sich 360 Grad horizontal drehen und 135 Grad vertikal neigen – wer den Projektor schräg aufstellen muss, findet fast immer eine brauchbare Position. Ein Stativgewinde ist ebenfalls vorhanden, für alle, die das Gerät auf einem Dreibein betreiben möchten. Mit einem Gewicht von gut fünf Kilo ist handlich genug, um ihn gelegentlich umzustellen, aber eben auch kein Leichtgewicht.
Die Inbetriebnahme ist erfreulich unkompliziert. Einschalten, die Google-App auf dem Smartphone öffnen, den Anweisungen folgen – nach wenigen Minuten läuft das System. Autofokus und automatische Trapezkorrektur erledigen den Rest, ohne dass man manuell nachjustieren muss. Das funktioniert zuverlässig. Wer sich etwas mit Technik auskennt, wird kaum länger als eine Viertelstunde brauchen, bis das erste Bild an der Wand hängt.
Für Projektoren ist Google TV eine sehr gute Plattform mit mehr als 10.000 Apps. Hier dürfte jeder seine bevorzugte Mediathek finden. Was den MP1 Max von vielen Konkurrenten aus Fernost unterscheidet: Er kommt mit einer echten Netflix-Lizenz. Netflix läuft in nativer 4K-Auflösung – das ist keineswegs selbstverständlich. Viele Importgeräte scheitern genau hier, entweder weil Netflix gar nicht erst installiert ist oder weil es nur in HD läuft. Beim MP1 Max gibt es dazu Amazon Prime Video, YouTube und Disney+. Das komplette Streaming-Paket, ohne Workarounds.
Kombination aus Laser und LED
Das hybride Lichtquellensystem ist der technische Kern des Geräts. Dangbei kombiniert Triple-Laser mit einer zusätzlichen LED-Komponente. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Laser sorgt für kräftige Farben und hohe Helligkeit, LED glättet das Bild und reduziert das sogenannte Laser-Speckle – ein feines Flimmern, das bei reinen Laser-Projektoren stören kann. In der Praxis wirkt das Bild tatsächlich ruhiger und homogener als bei vielen Konkurrenten.
In der für viele Nutzer wichtigsten Disziplin zeigt das Modell zum Glück keine Schwäche. Mit 3100 ISO Lumen ist der Projektor wirklich hell. Doch man sollte trotzdem keine Wunder erwarten. Sobald Tageslicht ins Spiel kommt, verliert das Bild spürbar an Tiefe und Kontrast. Das ist kein Dangbei-Problem, das ist Physik – kein Projektor dieser Klasse kommt gegen direkte Sonneneinstrahlung an. Wer seinen Projektor tagsüber im hellen Wohnzimmer betreiben möchte, wird enttäuscht sein.
Der Dangbei MP1 Max hat zwei HDMI-2.1-Anschlüsse, einen davon mit eARCWer ihn aber abends nutzt, kann dabei ruhig auch noch seine Lampen angeschaltet lassen. Dagegen kommt der MP1 Max an. Sein Bild ist für einen Projektor dieser Kategorie sehr gut. Die BT.2020-Farbraumabdeckung liegt bei 110 Prozent – ein Wert, der dafür sorgt, dass Inhalte wirklich lebendig aussehen. HDR10 und HDR10+ werden unterstützt.
Ein Hinweis, den Dangbei im Marketing eher klein druckt: Der MP1 Max ist kein nativer 4K-Projektor. Im Inneren arbeitet ein DLP-Chip mit Full-HD-Auflösung. Das 4K-Bild entsteht durch sogenanntes Pixel-Shifting – der Chip projiziert mehrere leicht versetzte Full-HD-Bilder in so schneller Abfolge, dass Auge und Gehirn daraus ein schärferes Gesamtbild zusammensetzen. Das klingt nach Trickserei, ist in der Praxis aber weniger dramatisch als es sich anhört: Aus normalem Sitzabstand wirkt das Bild scharf und detailreich. Wer sich sehr nah an die Leinwand stellt, kann gelegentlich eine leichte Weichheit wahrnehmen, die ein echter nativer 4K-Chip – wie ihn Sony oder JVC in ihren Projektoren ab rund 5.000 Euro verbauen – nicht hätte. Für den typischen Wohnzimmereinsatz ist das ein akademischer Unterschied. Wer es wissen will, sollte es aber wissen.
Für das Heimkinogefühl reicht das 4K-Shifting allemal. Eine Bilddiagonale von bis zu 300 Zoll (7,6 Meter) ist möglich. Doch dafür müsste der Projektor etwa acht Meter von der Leinwand entfernt stehen. Für 100 Zoll (2,5 m) reichen rund 2,65 Meter – das ist ein realistischer Wert für die meisten Wohnzimmer. Hier beginnen die ernsteren Einwände. Der MP1 Max hat ein fixes Projektionsverhältnis – ohne optischen Zoom. Wer ein größeres Bild aus kürzerer Distanz möchte oder den Projektor in einem Raum aufstellt, in dem die Abstände nicht ideal sind, hat schlicht keine Möglichkeit, nachzujustieren. Man muss das Gerät dann nur physisch verschieben.
Auf seinem Standfuß lässt sich der Dangbei MP1 Max um 360 Grad drehenEtwas angewinkelt auf eine Wand zu projizieren ist aber kein Problem. Dafür lässt sich der Projektor auf seinem Standfuß drehen. Die Verzerrung wird automatisch ausgeglichen, was aber leicht auf die Bildqualität geht. Er lässt sich sogar senkrecht nach oben drehen, was besonders im Schlafzimmer angenehm ist, wenn man im Liegen auf die Decke schaut.
Auf dem Papier klingt der MP1 Max wie ein ordentliches Gaming-Gerät: 240 Hertz bei 1080p werden unterstützt. Im dedizierten Spielmodus liegt die Eingangsverzögerung aber bei etwa 35 Millisekunden, was für Shooter, Rennspiele oder andere reaktionsschnelle Titel schlichtweg zu lang ist. Der MP1 Max ist also kein Gerät für ambitionierte Gamer.
Die zwei Zwölf-Watt-Lautsprecher mit Dolby Audio und DTS schaffen zwar guten Bass, für einen vollwertigen Heimkino-Ton sollte man aber auf eine externe Lösung setzen. Zum Glück unterstützt der zweite HDMI-2.1-Anschluss eARC, sodass der Ton direkt an eine Soundbar oder einen Receiver weitergeleitet werden kann. Dazu kommen ein USB-2.0-Anschluss und ein Audioausgang. Die Auswahl ist überschaubar, deckt aber das Nötigste ab. Der Lüfter arbeitet im Normalbetrieb unter 25 Dezibel und ist tatsächlich kaum wahrnehmbar. Nur bei maximaler Helligkeit dreht er spürbar auf.
Fazit: Der Dangbei MP1 Max ist ein leistungsfähiger Projektor, der in seiner Preisklasse bei Helligkeit und Farbdarstellung zu den besseren Geräten zählt. Die echte Netflix-Lizenz, Google TV und das hybride Lichtquellensystem sind echte Stärken. Wer ein ruhiges, helles und farbtreues Bild im abgedunkelten Raum sucht und dafür bereit ist, dafür 1500 Euro auszugeben, bekommt ein solides Gerät. Gamer sollten sich besser woanders umsehen.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit „Business Insider Deutschland“.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.
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