Open-Ear-Kopfhörer sind so eine Sache. Meist sind sie zwar angenehm zu tragen und schotten den Nutzer auch nicht von Umgebungsgeräuschen ab, was insbesondere im Straßenverkehr zusätzliche Sicherheit bringt. Aber dafür klingen sie auch blass. Weil sie nicht im Ohr, sondern nur vor dem Ohr getragen werden, fehlen meist die Bässe. Mehr als ein Kompromiss war daher bisher nicht möglich. Und genau hier überrascht der Hersteller Shokz mit seinen Openfit Pro.

Shokz hat es geschafft, seine neuen Open-Ear-Kopfhörer mit einem satten Klang auszustatten. Und das ist eine große Kunst, die im Zusammenspiel mit neuen Treibern und großen Membranen gut gelungen ist. Die Premium-Ohrhörer können wirklich viel, sogar für Dolby Atmos mit Head-Tracking sind sie optimiert, was die meisten Open-Ear-Kopfhörer nicht können.

Die Shokz Openfit Pro haben eine Bügel-Konstruktion, um sie am Ohr zu halten

Head-Tracking bedeutet, dass Sensoren in den Kopfhörern die Kopfbewegungen in Echtzeit erfassen, um den Klang räumlich anzupassen. Dadurch bleibt die Tonquelle fest an einer Position im Raum stehen, auch wenn man den Kopf dreht. Beim Musikhören ist das eher hinderlich. Beim Betrachten von Videos und Filmen ist das aber angenehm. Allerdings muss auch das Abspielgerät Dolby Atmos unterstützen.

Die Tonqualität der Openfit Pro ist so gut, dass man damit ernsthaft Musik genießen kann. Und das geht weit über die Hintergrundberieselung oder Podcast-Hören hinaus, zu denen Open-Ear-Kopfhörer bisher in der Lage waren. Shokz ist hier mit seinem neuen Modell wirklich weit gekommen, wenn auch noch nicht in die Liga der In-Ear-Kopfhörer, die zu noch mehr Bässen in der Lage sind.

Wir waren im Test aber nicht nur von der Klangqualität überrascht. Shokz hat sich noch an eine zweite Herausforderung für Open-Ear-Kopfhörer gewagt: die Geräuschunterdrückung. Im Grunde schließt die Architektur dieser offenen Ohrhörer eine wirkungsvolle Geräuschunterdrückung aus. Doch Shokz ist es gelungen, die Umgebungsgeräusche zumindest zu dämpfen. Beim Umstellen auf Geräuschunterdrückung ist das deutlich wahrnehmbar. Zwar verschwindet nicht der Straßenverkehr. Aber rauschende Lüfter beispielsweise im Büro werden trotzdem deutlich leiser.

Beim Telefonieren zeigten die Openfit Pro eine ordentliche Leistung. Hintergrundgeräusche kommen beim Gesprächspartner deutlich reduziert an, sind aber meist noch hörbar. Da liefern andere Ohrhörer bessere Resultate ab.

Die Steuerung der Openfit Pro ist gut gelungen. An jedem Ohrhörer befindet sich eine gut erfühlbare Taste, die in der Shokz-Smartphone-App mit unterschiedlichen Funktionen belegt werden kann, je nachdem, ob sie ein-, zwei- oder dreimal hintereinander gedrückt oder gehalten wird. Auf diese Weise können Anrufe angenommen, Musik gesteuert, ein Sprachassistent aufgerufen und die Geräuschunterdrückung aktiviert werden. Sogar die Lautstärkenanpassung am Ohrhörer ist über den Knopf möglich.

In der App lässt sich die Audio-Ausgabe zudem noch über einen Equalizer anpassen, einige Voreinstellungen sind bereits konfiguriert. Die Openfit Pro können mit zwei Geräten gleichzeitig verbunden werden. Ist die Geräuschunterdrückung aktiviert, halten die Ohrhörer sechs Stunden lang durch. Das mitgelieferte Case kann sie dreimal wieder aufladen. Ohne Geräuschreduzierung verdoppelt sich die Laufzeit.

Im Test hielten sich die Openfit Pro auch beim Sport gut an den Ohren. Die Bügel-Konstruktion könnte jedoch vor allem Brillenträger etwas stören, die mit Clip-Kopfhörern möglicherweise besser bedient sind. Das Anlegen der Ohrhörer ist ein wenig ungewohnt, ist aber schnell gelernt. Die Openfit Pro gibt es in den Farben Schwarz und Weiß und kosten 250 Euro.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und Business Insider erstellt.

Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.

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