Die Mineralölkonzerne haben den Tankrabatt laut ADAC am ersten Tag nicht vollständig an die Autofahrer weitergegeben. Nach Berechnungen des Automobilclubs fiel der Preisrückgang bei Diesel und Benzin an den Zapfsäulen um etwa 3 Cent geringer aus als die seit 1. Mai geltende Steuersenkung von 16,7 Cent.

Am Freitag lag der Tagesdurchschnittspreis für Super E10 laut ADAC bei 1,989 Euro, Diesel kostete im Schnitt 2,079 Euro pro Liter. Das entspricht einem Rückgang von 13,7 beziehungsweise 13,6 Cent im Vergleich zum Vortag.

Der NDR berichtet zudem, dass ein Liter Super im Bundesdurchschnitt aktuell (Stand: 2. Mai) rund 2,03 Euro kostet, Diesel etwa 2,06 Euro. Vor Beginn des Iran-Kriegs lagen die Preise laut Markttransparenzstelle für Kraftstoffe noch bei 1,83 Euro für Super und 1,75 Euro für Diesel.

Der Ölpreis habe nach den kurzfristigen Höchstständen Ende April wieder nachgegeben, erklärte eine ADAC-Sprecherin. Dadurch gebe es zusätzlichen Spielraum für Preissenkungen. Die Steuersenkung müsse nun vollständig an die Verbraucher weitergegeben werden.

„Das treibt die Preise eben doch enorm in die Höhe“

Auch der Energieökonom Andreas Schröder erwartet durch den Tankrabatt nur eine kurzfristige Entlastung. „Es kann ja nur eine Abfederung sein“, sagte er bei WELT TV. Die grundlegende Lage auf dem Weltmarkt bleibe angespannt.

Als Haupttreiber nennt Schröder steigende Rohölpreise und geopolitische Risiken. Die Situation im Nahen Osten, insbesondere rund um die Straße von Hormus, verschärfe die Lage. Solange wichtige Handelsrouten nicht verlässlich passierbar seien, fehle Angebot – „und das treibt die Preise eben doch enorm in die Höhe“.

Zusätzlichen Druck sieht der Ökonom durch den Stopp von Öllieferungen aus Kasachstan. Russland hat angekündigt, die Durchleitung durch die Druschba-Pipeline auszusetzen. Kasachstan deckt rund zehn Prozent des deutschen Bedarfs, die Raffinerie PCK in Schwedt sogar etwa 20 Prozent. Diese Mengen fallen nun zunächst weg, auch wenn die Lager nach Angaben vor Ort „voll“ sind.

Deutschland müsse sich daher „im Markt eindecken zu erhöhten Preisen“, so Schröder. „Das heißt, jetzt muss man temporär erstmal umstellen auf alternative Quellen.“ Lieferungen über die Ostsee sowie über das Kaspische und Schwarze Meer würden geprüft, bräuchten aber Zeit. „Und das ist natürlich eine logistische Herausforderung.“

Die Entwicklung zeige die Anfälligkeit globaler Lieferketten. Als Konsequenz fordert Schröder mehr Diversifizierung und strukturelle Veränderungen im Energiesystem. Neben erneuerbaren Energien seien vor allem Einsparungen entscheidend: „Nachfrageverbrauchssenkungen sind essenziell, damit man sich weniger exponiert gegenüber Preisschwankungen“, sagte er bei WELT TV.

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