Die Deutsche Bahn gibt seit heute die sanierte Schnellstrecke zwischen Hamburg und Berlin wieder frei. „Der Zugverkehr zwischen Hamburg und Hagenow Land/Schwerin ist am Freitag angelaufen“, teilte das Tochterunternehmen DB InfraGo mit. „Zum kleinen Fahrplanwechsel am 14. Juni ist die gesamte Strecke zwischen Hamburg und Berlin wieder regulär befahrbar.“

Seit dem 1. August war die stark befahrene Strecke zwischen den beiden größten deutschen Städten für eine umfassende „Korridorsanierung“ außer Betrieb genommen worden. Der Verkehr lief über eine Umleitung via Uelzen und Stendal. Zu den üblicherweise rund zwei Stunden Fahrzeit zwischen Hamburg und Berlin kamen dadurch 45 Minuten hinzu. Mit der Wiederinbetriebnahme des ersten Abschnitts wird auch der regionale Zugverkehr um Schwerin herum wieder aktiviert, der Schienenersatzverkehr dort entfällt.

Von der „umfangreich erneuerten und verlässlichen Schienen- und Bahnhofsinfrastruktur“ verspricht sich die Deutsche Bahn „pünktlichere Züge und mindestens fünf Jahren Baufreiheit“. Die Strecke zwischen Hamburg und Berlin ist einer von mehr als 40 Korridoren, bei denen die Bahn in den kommenden Jahren auf eine grundlegende Sanierung mit monatelangen Vollsperrungen setzt. Denn das deutsche Bahnnetz ist, vor allem im Fern- und Schnellverkehr, derart verschlissen, dass Reparaturarbeiten während des laufenden Betriebes in der Regel nicht mehr ausreichen, um die Funktionsfähigkeit der Strecken aufrechtzuerhalten.

Hinzu kommt, dass Bürgerinitiativen, regionale Politik und Umweltverbände dringend notwendige Neubaustrecken wie etwa eine zweite Schnellbahntrasse zwischen Hamburg und Hannover entlang der Lüneburger Heide seit Jahren blockieren. Solche Neubaustrecken sind unter anderem notwendig, um den Güter- und den Personenverkehr besser voneinander entzerren zu können.

Die Korridorsanierungen sind deshalb derzeit für die Deutsche Bahn das vordringliche Mittel, um das Netz leistungsfähig zu halten. „Die Korridorsanierung zwischen Hamburg und Berlin ist ein weiterer wichtiger Schritt für die grundlegende Sanierung unserer Infrastruktur. Neue Gleise, Weichen, Signale und Stellwerkstechnik sorgen auf dieser hochbelasteten Strecke künftig für einen stabilen Betrieb“, sagte Phillip Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO. „Reisende profitieren vielerorts von modernen und attraktiven Bahnhöfen. Wir sind uns bewusst, dass wir den Fahrgästen, Anwohnenden und Kommunen in den vergangenen Monaten viel zugemutet haben und bedanken uns für die Geduld und das Verständnis während der Bauarbeiten.“

Gleise, Weichen, Lärmschutzwände und Stellwerke wurden bei der Korridorsanierung zwischen Hamburg und Berlin „umfangreich erneuert. Die Stellwerke und die Achszähltechnik wurden dabei für den künftigen Einsatz des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS vorbereitet. Während die Arbeiten zwischen Hamburg und Hagenow Land abgeschlossen sind, befinden sie sich zwischen Hagenow Land und Berlin-Spandau auf der Zielgeraden“, teilte DB InfraGo mit.

Auch die Bahnhöfe entlang der Strecke habe man – „teilweise grundlegend“ – modernisiert. Im nördlichen Streckenabschnitt habe DB InfraGO die Bahnhöfe Hamburg-Bergedorf, Schwarzenbek, Müssen, Büchen, Schwanheide, Boizenburg (Elbe), Brahlstorf, Pritzier und Hagenow Land „modernisiert und attraktiver gestaltet“.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit vielen Jahren auch über den Ausbau der Verkehrs-Infrastruktur.

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