Drei Gründungen, drei erfolgreiche Unternehmen: Mirko Novakovic zählt zu den erfolgreichsten Seriengründern Deutschlands. Nach der Gründung des IT-Dienstleisters Codecentric im Jahr 2005 startete er 2015 sein zweites Unternehmen: Instana. Das Startup entwickelte Software zur Überwachung moderner Cloud-Anwendungen und wurde 2020 für rund 500 Millionen US-Dollar an IBM verkauft – einer der größten deutschen Startup-Exits der vergangenen Jahre.
Eigentlich, sagt Mirko Novakovic im Gespräch mit Gründerszene, sollte danach Schluss sein. „Ich hatte mir danach vorgenommen, ich mache nie wieder was. Aber das ist auch ziemlich langweilig.“ Aus der Pause wurde also nichts.
Gemeinsam mit Ben Blackmore, Miel Donkers, Marcel Birkner und Michele Mancioppi gründete Novakovic 2023 Dash0. Das Startup entwickelt eine KI-gestützte Observability-Plattform, die Entwickler und IT-Teams dabei unterstützt, Fehler in Anwendungen schneller zu erkennen und zu beheben. Technische Grundlage ist der Open-Source-Standard OpenTelemetry, der Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammenführt. Im Zentrum der Plattform steht ein KI-Agent, der Auffälligkeiten analysiert und Nutzer bei der Fehlersuche in Echtzeit unterstützt.
Unicorn-Status: Das KI-Startup Dash0 von Mitgründer Mirko Novakovic (erster von links) wurde zum zweiten Einhorn des Jahres 2026.Im März 2026 sammelte Dash0 110 Millionen US-Dollar ein und stieg zum Unicorn auf. Beim Gründerszene-Startupcamp „Gründerszene sucht die Supergründer“ sprach Mirko Novakovic darüber, was hinter seinem Erfolg steckt, welche Learnings er aus 20 Jahren als Seriengründer mitnimmt – und warum ausgerechnet das Telefon für ihn eines der wichtigsten Vertriebswerkzeuge ist. Dash0 ist auch Partner unseres Gründerszene-Fellowships.
Was hinter seinem Erfolg steckt
Was die Fellows besonders interessierte, war die Frage: Was ist sein Erfolgsrezept? „Also ich sage immer, man muss hart arbeiten.“ Eigentlich klar, oder? „Den meisten Leuten ist das nicht so klar. Ich habe das schon so oft gehört, aber es machen die wenigsten dann tatsächlich. Man muss die Basics machen und ständig wiederholen.“
Aber was meint Mirko Novakovic mit den „Basics“? Für ihn gehören dazu vor allem Sichtbarkeit, Disziplin und die Bereitschaft, Chancen aktiv zu suchen. Er nennt ein Beispiel: „Allein dieses Jahr bin ich 88-mal geflogen. Wenn du 88 Flüge machst und ein bisschen offen durchs Leben gehst, dann triffst du Leute, CEOs oder andere Gründer, und kannst dein Netzwerk ausbauen. Da ist natürlich auch immer etwas Glück dabei, aber das Glück kann man nur haben, wenn man 88 Flüge macht. Wenn du nur einen Flug machst, dann triffst du wahrscheinlich niemanden zufällig am Kofferband.“
Deshalb ist Novakovic ständig unterwegs, besucht Meetups, Konferenzen und Kunden vor Ort. Er ist überzeugt, dass genau dort neue Partnerschaften, neue Kunden gewonnen werden und Geschäftsideen entstehen. Ein starkes Netzwerk sei kein Selbstzweck, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit. Der Seriengründer sieht den persönlichen Austausch als festen Bestandteil des Unternehmensaufbaus.
Entsprechend konsequent plant Novakovic seinen Arbeitstag. Der Dash0-CEO nutzt für Termine jede freie Minute: „Ich bin eigentlich schon komplett ausgebucht – und jetzt mache ich halt Frühstückstermine.“ Für ihn ist das kein Stress, sondern Teil seiner Arbeitsweise. Im Gegenteil: „Ich werde auch sauer, wenn ich einen Tag nicht komplett ausgebucht bin.“
Unterwegs sein, sei das A und O, wenn man sein Produkt verkaufen will. „Ich kenne aber auch viele Founder, die denken, die können aus dem Office heraus verkaufen. Das funktioniert nicht. Die Basics sind dann eben Mensch zu Mensch im B2B-Umfeld. Unternehmen baut man Brick by Brick.“
Kunden gewinnt man nicht mehr per E-Mail
Ein zentrales Werkzeug im Vertrieb ist für Mirko Novakovic nach wie vor das Telefon. Sein Team habe die Erfahrung gemacht, dass klassische E-Mails immer seltener die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden bekommen.
Cold Calls seien für ihn nicht nur ein Mittel zur Kundengewinnung, sondern auch ein wichtiges Instrument, um das Produkt weiterzuentwickeln. In den Gesprächen gehe es darum, möglichst viel über die Bedürfnisse potenzieller Nutzer zu erfahren: Welche Probleme wollen sie lösen? Welche Funktionen fehlen ihnen? Und welche Lösung würden sie sich wünschen? Statt direkt auf Entscheider zuzugehen, empfiehlt Novakovic einen Bottom-up-Ansatz. Zunächst sollten Gründer mit den operativen Mitarbeitern sprechen – also mit den Menschen, die später täglich mit dem Produkt arbeiten. Dort ließen sich die wertvollsten Einblicke in Prozesse und Probleme gewinnen.
Dranbleiben statt aufgeben
Für viele Gründer scheitert der Vertrieb an der Ausdauer. Novakovic verweist auf eine Zahl an Touchpoints: „Du musst es sechszehnmal versuchen und die meisten hören nach fünfmal auf. Und das ist das Problem.“
Wer Kunden gewinnen wolle, müsse also konsequent nachfassen. Gerade im B2B-Vertrieb seien persönliche Ansprache, regelmäßige Follow-ups und die Bereitschaft, den eigenen Ansatz immer wieder an die Zielgruppe anzupassen, entscheidend.
Auch schüchterne Gründer, die sich vor Cold Calls scheuen, versucht Novakovic die Angst zu nehmen. „Ein bisschen Angst hat ja jeder.“ Seine Botschaft: Im schlimmsten Fall legt der Gesprächspartner auf – mehr passiere nicht.
Fehlgeschlagene Anrufe sollte man deshalb nicht persönlich nehmen. Lieber abhaken, darüber lachen und den nächsten Versuch starten. Hilfreich sei es außerdem, Cold Calls gemeinsam im Team zu machen. So bekomme jeder einmal einen Korb, gleichzeitig könne man voneinander lernen und sich gegenseitig verbessern.
So gelingt der Cold Call
Für Novakovic ist ein Cold Call kein Verkaufsgespräch, sondern der Türöffner für den eigentlichen Austausch. Seine wichtigsten Regeln:
- Gut vorbereitet ins Gespräch gehen. Er rät dazu, sich vorab über das Unternehmen, aktuelle Projekte oder Initiativen zu informieren. Wer bereits versteht, womit sich der potenzielle Kunde beschäftigt, kann gezielter fragen und relevanter argumentieren.
- Freundlich, aber bestimmt auftreten. Ein selbstbewusstes, respektvolles Auftreten erhöht die Chance, dass das Gespräch fortgesetzt wird.
- Sich kurz halten. Ein Cold Call sollte idealerweise nicht länger als ein bis anderthalb Minuten dauern. Es geht nicht darum, das Produkt vollständig zu erklären.
- Ein klares Ziel verfolgen. Das eigentliche Ziel des Anrufs ist nicht der Abschluss, sondern ein persönlicher Termin oder ein ausführlicheres Folgegespräch.
„Gründerszene sucht die Supergründer“ wird unterstützt von Dash0, DHL,OpenAI & Vercel.
Dieser Text erschien zuerst auf „Gründerszene“.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.