Die US-Regierung hat unter Präsident Donald Trump mehr als 175.000 Visa widerrufen. Das Außenministerium schrieb dazu, die Maßnahme richte sich gegen Personen, die gegen ihre Visabestimmungen verstoßen, Straftaten begangen, zu Gewalt gegen Amerikaner aufgerufen oder diesen geschadet hätten oder welche die nationale Sicherheit gefährdet hätten.
Die Zahl ist mehr als viermal so hoch wie die jener im letzten vollen Amtsjahr Joe Bidens. Bidens Außenministerium widerrief 2024 etwa 40.000 Visa.
Die häufigsten Gründe für die jetzt vorgestellte Streichliste waren nach Angaben des Außenministeriums Körperverletzung, aber auch Trunkenheit am Steuer, Diebstahl und Drogendelikte. Dazu kämen unter anderem auch schwere Verbrechen wie Vergewaltigung, Entführung und der Besitz von Missbrauchsdarstellungen von Kindern.
Zudem sei mehreren ausländischen Staatsangehörigen ihr Visum entzogen worden, die Kirks Ermordung öffentlich gefeiert oder gerechtfertigt haben sollen – darunter Personen aus Deutschland, Argentinien, Mexiko, Südafrika, Brasilien und Paraguay. In der Auflistung des Ministeriums wird ein deutscher Staatsbürger zitiert, der geschrieben haben soll: „Wenn Faschisten sterben, beschweren sich die Demokraten nicht.“ Deutsche Medien brachten das Zitat mit dem ZDF-Regisseur Mario Sixtus in Verbindung, dessen Visum widerrufen wurde – eine offizielle, namentliche Bestätigung durch das Ministerium selbst fehlt jedoch.
Wie viele Ausländer mit Visum in den USA leben, ist nicht eindeutig klar, da das Land kein verpflichtendes Meldesystem hat. Das Außenministerium erklärte im vergangenen Jahr gegenüber der Nachrichtenagentur AP, es führe eine „kontinuierliche Überprüfung“ von mehr als 55 Millionen Menschen durch, die derzeit ein gültiges US-Visum besitzen. Die 175.000 Widerrufe würden demnach rund 0,3 Prozent entsprechen. Wichtig zu wissen: Die 55 Millionen umfassen alle Personen mit gültigem Visum, egal ob Arbeits-, Studien- oder Touristenvisum. Und der Großteil davon hält sich mutmaßlich gar nicht in den USA auf.
Nach Angaben des Heimatschutzministeriums (DHS) gab es im Fiskaljahr 2024 rund 3,6 Millionen Menschen in den USA mit Nichteinwanderungsvisa, einen Wohnsitz haben – vor allem also Arbeits- und Studienvisa. Nimmt man diese Zahl als Grundlage, entsprechen die 175.000 entzogenen Visa knapp 4,9 Prozent. Zusätzlich sind laut Census Bureau allerdings noch rund 22 Millionen Nicht-US-Bürger insgesamt in den USA ansässig, legal und illegal zusammengenommen, von denen der Großteil Green-Card-Inhaber ist und nicht in die Nichteinwanderungs-Kategorie fallen.
Zudem sollen auf Geheiß von Außenminister Marco Rubio zahlreiche ausländische Staatsbürger „aus außenpolitischen Gründen“ abgeschoben werden. Darunter fielen demnach iranische Staatsangehörige sowie ein kubanischer und ein laotischer Staatsangehöriger und eine Person aus Kuwait. Zudem sollen über hundert Visa von Personen entzogen worden sein, denen das Ministerium vorwirft, in die USA gekommen zu sein, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen, damit es die US-Staatsbürgerschaft erhalte.
Dem Außenministerium zufolge ist die Maßnahme Teil der Bemühungen der US-Regierung, sicherzustellen, „dass Visuminhaber die Bedingungen ihres Visums einhalten und keine Gefahr für US-Bürger darstellen“. So solle das amerikanische Volk geschützt werden. „Ein US-Visum ist ein Privileg, kein Recht“, schrieb das Ministerium. Ziel sei es, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um unsere Gemeinschaften vor denen zu schützen, die dieses Privileg missbrauchen“.
Bürgerrechtsorganisationen und Einwanderungsbefürworter haben einige von Trumps Visa-Entscheidungen kritisiert. Insbesondere in Fällen, in denen ausländische Studenten oder Akademiker betroffen waren, deren politischer Aktivismus oder Meinungsäußerungen in den Fokus der Behörden gerieten. Einer der prominentesten Fälle betraf Rümeysa Öztürk, eine türkische Doktorandin an der Tufts University im US-Bundesstaat Massachusetts, deren Visum widerrufen wurde, nachdem sie einen Artikel mitverfasst hatte, in dem sie die Reaktion ihrer Universität auf den Krieg in Gaza kritisierte. Öztürk warf Israel wiederholt vor, in Gaza einen Völkermord zu begehen.
Sie wurde daraufhin von den Einwanderungsbehörden festgehalten. Im Februar 2026 stellte ein Einwanderungsrichter das Abschiebungsverfahren gegen Öztürk ein, nachdem er festgestellt hatte, dass das Heimatschutzministerium (DHS) keine rechtliche Grundlage für ihre Ausweisung nachweisen konnte.
Die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE verzeichnete in den Regierungen Trump und Biden deutlich unterschiedliche Zahlen bei Abschiebungen, wobei die Werte von Jahr zu Jahr erheblich schwankten. Während Trumps erster Amtszeit registrierte ICE im Haushaltsjahr 2017 insgesamt 226.119 Abschiebungen, gefolgt von 256.085 im Jahr 2018, 267.258 im Jahr 2019 und 185.884 im Jahr 2020.
Unter Biden verzeichnete ICE 59.011 Abschiebungen im Haushaltsjahr 2021, 72.177 im Jahr 2022, 142.580 im Jahr 2023 und 271.484 im Jahr 2024. Zusammengenommen registrierte ICE während Trumps erster Amtszeit rund 935.000 Abschiebungen, verglichen mit etwa 545.000 in Bidens vier Regierungsjahren. Für 2025, das erste Amtsjahr von Trumps zweiter Präsidentschaft, zählt das Heimatschutzministerium knapp 320.000 Abschiebungen.
Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.
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