Zu Beginn des Jahres brach Hapag-Lloyd den Versuch nach wenigen Tagen ab. Seit Juli schickt die Allianz Gemini Cooperation von Hapag-Lloyd und Maersk wieder Schiffe durch den Suezkanal. Anfang dieser Woche berichtete Maersk, dass nun auch ein zweiter Liniendienst wieder die künstliche Wasserstraße zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer durchqueren werde, anstatt zwischen Europa und Asien den rund zehn Tage dauernden Umweg um Südafrika herumzufahren. Genutzt werden dafür speziell Schiffe von Maersk.
Die meisten Reedereien umgehen den Suezkanal mit ihren Liniendiensten seit Ende 2023, als die mit Iran verbündeten Huthi ihre Angriffe auf die Handelsschifffahrt im Roten Meer intensivierten. Dennoch testen einzelne Reedereien immer wieder einmal die Rückkehr in den Suezkanal. „Die Situation dort ist heute besser als zu Beginn des Jahres“, sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen am Donnerstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr. Auch seien speziell Containerschiffe im Roten Meer schon länger nicht mehr attackiert worden.
Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran und dessen weitere Ausläufer – inklusive des Roten Meeres – belasten die internationale Schifffahrt schwer. Hapag-Lloyd legte für das erste Halbjahr einen Konzernverlust von 148 Millionen Euro vor. Im ersten Halbjahr 2025 hatte Deutschlands größte Reederei unter dem Strich 709 Millionen Euro verdient. Der Verlust hänge auch mit Mehrkosten von rund 600 Millionen Dollar (aktuell rund 520 Millionen Euro) zusammen, die laut Habben Jansen vor allem durch höhere Treibstoffkosten, aber auch durch gestiegene Kosten für Versicherungen und die Zwischenlagerung von Containern entstanden seien. Alle Schiffe rund um die Straße von Hormus habe Hapag-Lloyd in den vergangenen Monaten vom Persischen Golf abgezogen, sagte Habben Jansen. Man biete den betroffenen Kunden stattdessen kombinierte Transporte über die Arabische Halbinsel und die Wiederverladung zum Beispiel auf kleinere Schiffe an, um die Container zum Zielort zu bringen.
Auch die geplante Übernahme der israelischen Reederei ZIM durch Hapag-Lloyd wird durch den Iran-Krieg beeinflusst. Die israelische Regierung hat sich im Sommer gegen eine Übernahme ausgesprochen, weil ZIM auch Waffen, Munition und sonstige Ausrüstung für die israelische Armee transportiert. „Wir sind darüber im konstruktiven Dialog mit sehr vielen Menschen“, sagte Habben Jansen. Er habe derzeit „keinen Anlass zu glauben“, dass die Transaktion scheitern könnte. Alle notwendigen regulatorischen Prozesse für eine Übernahme treibe man weiterhin voran, mit dem Ziel, die Übernahme von ZIM in diesem Jahr abzuschließen.
Habben Jansen beschrieb einen Markt der Containerschifffahrt, der jenseits des Iran-Kriegs und dessen Auswirkungen solide wächst. „Das zweite Quartal war besser als das erste und getrieben durch deutlich höhere Spotraten und eine robuste Nachfrage“, sagte er. „Unser Gemini Netzwerk ist widerstandsfähig geblieben, hat weiterhin den Markt übertroffen und setzt damit die Messlatte für Fahrplantreue in unserer Branche.“ Hapag-Lloyd betreibt derzeit rund 300 eigene und fremde Containerfrachter und ist die fünftgrößte Container-Linienreederei der Welt, gemessen an der Container-Transportkapazität von 2,5 Millionen Einheiten (TEU).
Seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr hatte Hapag-Lloyd im Juli angehoben. Aber: „Aufgrund der sehr volatilen Entwicklung der Frachtraten sowie des Konflikts im Nahen Osten bleibt die Prognose mit erheblichen Unsicherheiten behaftet“, teilte die Reederei am Donnerstag mit.
Für Hamburg sind die Zahlen von Hapag-Lloyd auch deshalb wichtig, weil die Stadt mit rund 14 Prozent an der Reederei mit Sitz am Ballindamm beteiligt ist. Die jeweilige Dividende wird vom Nettoergebnis des Unternehmens abgeleitet.
Sehr gut entwickelt sich aus Sicht der Reederei die vor einigen Jahren neu gegründete Konzernsparte für den Betrieb von Containerterminals. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr auf 308 Millionen Euro, im Vergleich zu 223 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte im ersten Halbjahr 88 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es 72 Millionen Euro. Derzeit ist Hapag-Lloyd international mit einem Mehrheits- oder einem Minderheitsanteil an 24 Terminals beteiligt, unter anderem in Hamburg, Wilhelmshaven, dem französischen Le Havre, in Indien, in den USA und in mehreren südamerikanischen Staaten.
„Unser Terminalgeschäft wächst weiter und gewinnt zunehmend an strategischer Relevanz, unterstützt durch starke Umschlagsmengen und Investitionen in neue Assets“, sagte Habben Jansen. „Im zweiten Halbjahr 2026 werden wir auf das Wachstum in der Linienschifffahrt und im Terminalbereich fokussiert bleiben und zugleich an strikter Kostendisziplin festhalten, um unsere finanzielle Leistungsfähigkeit weiter zu verbessern.“
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften.
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