Achtzehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben beim Arztbesuch schon einmal gesundheitliche Probleme oder Beschwerden nicht angesprochen. Der Grund für das Verschweigen: Scham, Peinlichkeit oder Misstrauen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Krankenkasse Barmer hervor. Dafür wurden im Januar und Februar 2026 rund 1.800 Personen in computergestützten Telefoninterviews befragt.

Verschwiegen würden bei Arztbesuchen vorrangig Beziehungs- und Partnerschaftsprobleme. Laut der Umfrage für die BARMER sagten 28 Prozent, sie hätten Schwierigkeiten, diese Themen bei einem Arztbesuch anzusprechen, unabhängig davon, ob eine solche Situation bereits eingetreten ist.

Bei Sexualgesundheit und sexuellen Problemen gaben 25 Prozent an, Probleme mit der Thematisierung dieser Bereiche zu haben. Bei häuslicher Gewalt oder Missbrauch gaben dies 20 Prozent der Befragten an.

Abhängig ist die Offenheit bei Arztbesuchen dabei offenbar vom Alter der Patienten. So geht aus der Barmer-Umfrage hervor, dass gerade junge Menschen die größten Probleme haben, beim Arzt bestimmte Themen anzusprechen. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen haben nach eigenen Angaben 28 Prozent Beschwerden verschwiegen. Dieser Anteil wird mit zunehmendem Alter immer geringer.

Bei Personen ab 60 Jahren war dies nur noch bei 13 Prozent der Fall. „Junge Menschen haben in der Regel noch nicht so viel Kontakt mit Ärzten. Dieser steigt mit zunehmendem Alter. Dadurch kann eine Vertrauensbasis entstehen, die das Ansprechen bestimmter Beschwerden erleichtert“, kommentiert Barmer-Vorstandsvorsitzender Christoph Straub die Zahlen.

Der Umfrage zufolge hätten Frauen grundsätzlich etwas größere Probleme, bestimmte Themen beim Arzt anzusprechen. Am größten ist die Differenz mit zehn Prozentpunkten im Bereich häusliche Gewalt und Missbrauch. 25 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer gaben an, Schwierigkeiten zu haben, diese Themen anzusprechen.

Ähnlich verhält es sich bei Gewichtsproblemen und Essstörungen. 17 Prozent der Frauen tun sich laut der Umfrage schwer damit, diese Probleme beim Arztbesuch anzusprechen. Bei Männern liegt der Anteil bei sieben Prozent.

Dass der Grund für das Verschweigen in einem mangelnden Vertrauensverhältnis zum Arzt liegt, verneint die Umfrage. So gaben 92 Prozent der Befragten an, Medizinern zu vertrauen, wenn es um das Thema Gesundheit geht. „Gerade bei gravierenden Beschwerden und besonders belastenden gesundheitlichen Problemen ist es wichtig, mit dem Arzt darüber offen zu sprechen“, sagte Barmer-Chef Straub. Nur dann sei eine optimale Unterstützung und Behandlung möglich.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Andreas Macho ist WELT-Wirtschaftsreporter.

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