Boris Bialek hat große Firmen in aller Welt mit KI effizienter und schneller gemacht: Kosmetikmarken, Medienkonzerne, Kommunikationsunternehmen, Pharmahersteller, Banken, unter anderem. Bialek ist Vice President Industries & Global Field CTO bei MongoDB und arbeitet direkt mit Kunden des Datenbankanbieters in großen Projekten.
Kein Unternehmen wird in Zukunft ohne KI auskommen, sagt Bialek, alle müssen sich umstellen – die Kunst dabei ist es, den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten. Wie das funktioniert und welche Strategien die besten sind, darüber spricht Bialek im Interview. Er ist am 6. Oktober 2026 außerdem bei einem exklusiven WELT-Dinner bei Axel Springer in Berlin zu Gast, diskutiert mit WELT-Wirtschaftsredakteur Benedikt Fuest über „The Data Behind Intelligence“ – Sie können sich hier anmelden.
Susanne Schöne, Moderatorin „Fünf Fragen an“: Herzlich willkommen zu „Fünf Fragen an“, unserem Interviewformat. Mit mir im Studio ist heute Boris Bialek. Er ist Vice President Industries and Global Field CTO bei MongoDB. Schön, dass Sie da sind.
Boris Bialek, Vice President Industries & Global Field CTO MongoDB: Vielen Dank, dass ich da sein darf.
Susanne Schöne: Herr Bialek, Sie sagen ganz klar: Jedes Unternehmen muss ein KI-Unternehmen werden. Wirklich jedes Unternehmen? Der Pharmakonzern genauso wie die Kosmetikbranche oder auch die Bank?
Boris Bialek: Ja, absolut. Ich gehe sogar so weit zu sagen, jedes Unternehmen wird ein KI-Unternehmen, ob es will oder nicht. Ich habe einen größeren Kunden, ein Kosmetikunternehmen aus Frankreich. Und dort arbeiten wir daran, wie wir mit Datenaufbereitung erkennen, welche Coloration weltweit sich wie verkaufen. Und das ist ultraspannend – und da hätte ich niemals gedacht, dass sowas tatsächlich mit KI wirklich besser geht. Und es ist so.
Susanne Schöne: Das große Thema für viele Unternehmen ist ja das Skalieren im Anschluss. Das heißt, man startet hoffentlich erfolgreich mit einem Pilotprojekt. Und dann geht es darum, das Ganze im Unternehmen auszurollen und auch gewinnbringend zu verwirklichen. Das ist mitunter nicht ganz einfach und Sie haben genau darüber ein Buch geschrieben. Was ist denn das große Problem?
Boris Bialek: Der Startpunkt ist normalerweise, dass ein Senior Team sagt: „Wir brauchen eine KI-Strategie!“ Und dann kommt eine KI-Strategie und dann baut man das erste Pilotprojekt.
Das wird irgendwie zusammengeklobbelt aus irgendwelchen Legobausteinen und dann hat man genau das: Legobausteine. Und die sind superschön anzugucken, aber skalieren nicht sehr gut in groß.
Und da ist es manchmal wichtig zu überlegen, welches Handwerkszeug man wirklich hat im Haus, dass man wirklich diese Einführung der KI auch genauso betreibt, wie man auch vielleicht ein größeres ERP-System einführt. Und das ist das Wichtige – und das so anzufangen. Und dann sind die Daten natürlich auf einmal sehr, sehr wichtig.
Susanne Schöne: Essenziell in diesem Kontext sind tatsächlich Unternehmensdaten. Die müssen zum einen verfügbar sein, die müssen aber auch so aufbereitet sein, dass die KI sie nutzen kann. Warum ist das zum einen wichtig und warum sollte ich bei diesem Thema lieber auf einen Datenbankanbieter setzen als auf die große Beratung oder den Hyperscaler?
Boris Bialek: Ja, die große Beratungsfirma braucht man für die Business-Seite, das ist sicherlich klar. Aber am Ende sind die Daten das, was ich bereitstelle.
Wenn ich auf einer Webseite bin und irgendwas anklicke, dann muss die KI in Subsekunden antworten können. Normalerweise sagt man heute 500 Millisekunden. Die Datenbank hat 5 Millisekunden davon. Und wenn ich das machen will, muss ich eine komplett andere Datenaufbereitung haben als historische Systeme hatten. Und das ist da, wo der Datenbankanbieter sehr wichtig wird.
Der zweite Bereich ist natürlich auch das Thema Sicherheit. Meine Daten sind meine Daten, und ich möchte sicherstellen, dass meine Daten auch meine Daten bleiben.
Susanne Schöne: Eine große Angst bei den Unternehmenslenkern und Lenkerinnen ist ja auch immer, dass ich den Geschäftsbetrieb unterbrechen muss. Was sagen Sie CEOs, um denen genau diese Angst zu nehmen?
Boris Bialek: So eine Diskussion haben wir mit einer größeren Schweizer Privatbank gehabt – und die sagen: „Ja, also Herr Bialek, das geht nicht, wir können ja nicht einfach Pause machen.“ Sag ich: „Ja, wir fahren jetzt ein Formel-1-Rennen und wechseln den Motor während des Fahrens.“
Und das ist relativ spektakulär, muss man dazu auch sagen. Und das heißt, man muss auch Prozesse entwickeln, wie man diese Brücke vom Alten aufs Neue, ohne dass man stoppt, baut und sicherstellt. Und das ist, sag‘ ich, ganz oft das Spannende momentan. Und da hilft wiederum auch KI mit den Tools.
Man muss es planen und man muss es durchziehen. Wir haben bei AT&T ein Projekt durchgezogen, das jetzt im Netzbetrieb Milliarden einspart – aber das hat drei Jahre gedauert. Das ist eine Operation am offenen Herzen. Das ist relativ sportlich und schwierig, aber es geht, wenn man sich entsprechend vorbereitet.
Susanne Schöne: Wenn Sie Menschen an der Spitze noch einen Tipp mit auf den Weg geben dürften, wie Sie sich jetzt auf diese KI-Ära vorbereiten sollten, was würden Sie sagen?
Boris Bialek: Das ist eine gute Frage. Das Wichtigste ist, sich zu überlegen: Alles, was wir heute machen mit KI, wird in sechs Monaten obsolet sein. Das ist eine ganz brutale Aussage, aber das ist ein Fakt.
Das heißt, ich muss mir überlegen, was ist für mich wirklich wichtig und das sind meine Daten, meine Businessprozesse, mein Unternehmens-Know-how – und das ist immer bezogen auf Daten.
Das heißt, ich muss die Daten so aufbereiten, dass, wann immer ich das System wechsle, ich mit dem Systemwechsel auch schnell genug, agil mitziehen kann. Und das ist, wieso man als Datenbankanbieter auf einmal wieder richtig interessant wird.
Susanne Schöne: Herr Bialek, ich sag ganz herzlichen Dank für das spannende Gespräch.
Boris Bialek: Ich bedanke mich auch, vielen Dank.
Susanne Schöne: Bis bald bei „Fünf Fragen an“.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.