Der Hausgerätehersteller Miele kritisiert die Standortbedingungen in Deutschland. „Die Politik handelt gegenwärtig nicht konsequent genug“, monierte Markus Miele, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens aus Ostwestfalen, gegenüber WELT AM SONNTAG. Es fehle hierzulande an Tempo. „Ideen und Pläne gibt es ja. Vieles steht sogar im Koalitionsvertrag. Aber diese Vorhaben müssen dann auch umgesetzt werden“, sagte Miele.
Konkret meint der Unternehmer damit Themen wie Bürokratieabbau, Steuern, Infrastruktur, Bildung oder auch Arbeitsmarkt. „Bei der Arbeitsproduktivität pro Stunde zum Beispiel entwickelt sich Deutschland seit Jahren nach hinten, statt nach vorne“, kritisierte Miele. „Gleichzeitig steigen die Sozialabgaben in Richtung 50 Prozent. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.“ Deutschland habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. „Und wir sprechen zu wenig darüber, wie wir unser Land zügig modernisieren“, so Miele.
Der Markenhersteller kam 2025 mit 23.000 Mitarbeitern auf rund 5,2 Milliarden Euro Umsatz. Produziert wird an weltweit 19 Standorten. Und perspektivisch könnte ein weiterer hinzukommen – in den USA.
Seit zwei Jahren produziert Miele dort schon Backöfen für den lokalen Markt. Waschmaschinen und Geschirrspüler werden aber weiterhin aus Europa dorthin geliefert. „Auch in diesem Bereich könnte sich auf Sicht aber ein eigenes Werk in den USA lohnen“, sagte Markus Miele. „Denn aktuell sind wir gut unterwegs – trotz der Zölle. Den Aufschlag geben wir wie alle anderen Hersteller zum größten Teil an die Kunden weiter. Vielleicht wären wir sonst sogar noch stärker gewachsen. Aber das ist Spekulation.“ Die USA sind hinter Deutschland der zweitgrößte Markt für Miele. „Trotzdem können wir dort bestimmt noch um zehn, 20 oder auch 50 Prozent wachsen.“
Aktuell kein neues Sparprogramm geplant
Mit dem ersten Halbjahr zeigt sich Miele zufrieden. Denn trotz mittlerweile jahrelanger Branchenkrise sind die Ostwestfalen in der ersten Jahreshälfte im Inland wie auch im Ausland gewachsen. „Wir schlagen uns aktuell gut“, sagte Markus Miele. „Aber natürlich wäre es schön, wenn sich ein paar Krisen endlich auflösen würden.“
Ein Sparprogramm wie zuletzt 2024, als Miele die Verlagerung einer Waschmaschinenproduktion von Gütersloh nach Polen verkündet hat und im Zuge dessen aktuell 1400 Arbeitsplätze abbaut, sei nicht geplant. „Aufgrund der sich verändernden Weltlage bewerten wir aber kontinuierlich unsere Aufstellung und handeln entsprechend, wenn dies nötig ist. Unser Ziel ist es, unsere Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit als Familienunternehmen zu erhalten.“ Noch läuft ohnehin das letzte Abbauprogramm. „Der Prozess dauert bis Ende 2027 an“, sagte Markus Miele.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.
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