Der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens Energy, Joe Kaeser, hält die geplante Abspaltung des milliardenschweren Geschäftsbereichs „Transformation of Industries“ (TI) vom Mutterkonzern Siemens Energy für eine „tolle Chance“, um ein erfolgreiches und selbständiges Unternehmen zu bauen.
„Wenn wir das gut machen, entsteht hier ein neues deutsches Unternehmen von Weltrang, das ein weiterer Kandidat für den Dax ist“, sagte Kaeser gegenüber WELT. Bereits heute ist der Name Siemens im deutschen Leitindex der 40 größten börsennotierten Unternehmen dreimal vertreten: Neben Siemens Energy sind dies Siemens und Siemens Healthineers.
Siemens Energy hatte Ende August angekündigt, den Bereich für industrielle Energielösungen aus dem Konzern herauszulösen und zu verkaufen. Der Bereich erwirtschaftet mit rund 17.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 5,7 Milliarden Euro. Mit einer Gewinnmarge von 11,3 Prozent war „Transformation of Industries“ im Jahr 2025 hochprofitabel.
„Kompressoren haben mit Kraftwerken nichts zu tun“
Nach der Abspaltung des Industriekunden-Geschäfts verbleibt bei Siemens Energy noch das Geschäft mit Stromerzeugung und Stromverteilung. Das bislang schwache Geschäft mit Elektrolyseuren zur Produktion von Wasserstoff wird als Teil der TI-Sparte mit ausgegliedert.
Das Industriekunden-Geschäft habe mit der Turbinen- und Trafo-Herstellung inhaltlich wenig zu tun, begründete Kaeser die geplante Abspaltung: Industriell handele es sich um „zwei Welten“ mit vollkommen unterschiedlichen Kundengruppen.
„Kompressoren für die Industrie haben mit Kraftwerken und Stromübertragung nichts zu tun“, sagte Kaeser: „Es geht um eine andere Zyklizität, andere Technologien, andere Menschen, andere Märkte. Gerade wenn ein Bereich sehr viel schneller wächst als der andere, ist es wichtig, den Fokus nicht zu verlieren.“
Kaeser hatte schon als Siemens-Chef die deutsche Industrie-Ikone zwischen 2013 und 2021 vollständig umgebaut. Neben Siemens Energy wurde auch die Medizintechnik-Sparte Healthineers ausgegliedert und verselbständigt, die Konzernmutter hauptsächlich als Entwickler von Industriesoftware aufgestellt. Seine Kritiker – primär von der Arbeitnehmerseite – sprachen damals von „Zerschlagung“ und „Verzwergung“ von Siemens.
Kaeser sieht seine Strategie im Rückblick jedoch bestätigt: „Relevanz wird nicht durch Größe bestimmt, sondern dadurch, dass Sie in dem, was Sie tun, ein wichtiger Spieler sind, an dem niemand vorbeikommt“, sagte er. Fokus sei entscheidend. Seither hätten Investoren „einen klaren Blick dafür, was hier vor sich geht.“
Der Wert der drei Unternehmen habe sich von 100 auf 350 Milliarden Euro erhöht. Vor allem die Aktie von Siemens Energy entwickelte sich überdurchschnittlich. Ihr Wert hat sich in den vergangenen drei Jahren verzehnfacht.
„Unser großer historischer Wettbewerber General Electric hat mit seiner Aufspaltung vier Jahre später übrigens genau das Gleiche getan, sogar viel konsequenter“, verteidigte Kaeser seinen Kurs. Später folgten auch Schwergewichte wie United Technologies und Honeywell dieser Strategie.
Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.
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