Der Export von pharmazeutischen Produkten von Deutschland nach Russland hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchstwert erreicht. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 sind die entsprechenden Ausfuhren um rund 18 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Das zeigen Exportdaten des Statistischen Bundesamtes, die WELT AM SONNTAG ausgewertet hat.
Insgesamt sind die Ausfuhren von Deutschland nach Russland im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 um 2,9 Prozent zurückgegangen. Zugelegt haben neben dem Bereich der Arzneimittel aber auch der Export von Landwirtschaftsgeräten und Prothesen.
So wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutsche Landwirtschaftsmaschinen und -geräte im Wert von rund 89 Millionen Euro nach Russland verbracht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag dieser Wert noch bei rund 61 Millionen Euro. Der Export von Prothesen stieg im ersten Halbjahr 2026 um fast 19 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf rund 112 Millionen Euro. In keinem ersten Halbjahresquartal seit 2020 war der Wert der Exporte von Prothesen so hoch wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.
Für Arzneimittel, Medizintechnikprodukte wie Prothesen und den Agrarbereich sehen die Sanktionen der EU aus humanitären Gründen weitgehende Ausnahmen vor. Pharma-Branchenriese Bayer rechtfertigt mit eben diesen humanitären Gründen sein verbliebenes Russland-Geschäft, vertrieben würden dabei nur „unverzichtbare Produkte“.
Auch Merck und Boehringer Ingelheim unterstreichen ihre humanitäre Verantwortung und die Beschränkung des Geschäfts auf lebenswichtige Arzneimittel. Der Landmaschinenanbieter Claas wiederum verkauft weiterhin Mähdrescher nach Russland, um „einen wesentlichen Beitrag zur globalen Nahrungsmittelversorgung zu leisten, die als Grundrecht für alle Menschen unverzichtbar ist“.
Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.
Andreas Macho ist WELT-Wirtschaftsreporter.
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