Nach zwei Krisenjahren mit zusammen fast 100 Millionen Euro Verlust schreibt das Kaffeeunternehmen Melitta 2026 wieder schwarze Zahlen. „Den Gewinn erwarten wir bei über 50 Millionen Euro. Auch der Cashflow und die Kapitalreserve haben sich deutlich verbessert“, sagte Jero Bentz, Mitglied der Unternehmensleitung und Urenkel von Firmengründerin Melitta Bentz, gegenüber WELT AM SONNTAG.
Der Umsatz wiederum reduzierte sich zum Halbjahr um rund 100 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro. Das liege zum einen an den gesunkenen Rohkaffeepreisen, die Bentz zufolge an die Kunden weitergegeben wurden, und zum anderen am Wegfall von Umsätzen durch Geschäftsaufgaben und ‑verkäufe.
Im Zuge der Krise wurden am Stammsitz im ostwestfälischen Minden 150 Arbeitsplätze abgebaut. Zudem hat Melitta unter anderem eine Papierfabrik in Mecklenburg-Vorpommern sowie ein Kaffeemaschinen-Werk in China geschlossen und dazu ein kaffeefremdes Geschäft in Italien verkauft. „Diese Faktoren herausgerechnet, liegen wir sieben Prozent im Plus“, sagte Bentz. „Zumal wir unser Absatzvolumen steigern konnten, trotz des weiterhin herausfordernden Konsum- und Marktumfelds. Wir sind also sehr zufrieden mit dem ersten Halbjahr.“
Ohnehin plant Melitta nun wieder Wachstum. „Bis 2033 wollen wir den Gruppenumsatz fast verdoppeln: von aktuell rund 2,5 Milliarden auf dann vier bis 4,5 Milliarden Euro“, kündigte Bentz an. Treiber sei dabei das Kaffeegeschäft mit Pulver, Bohnen, Pads und Instant, das heute schon rund 60 Prozent der Gruppenumsätze ausmacht. Das Ursprungsprodukt Filtertüte, das die Marke in den vergangenen Jahrzehnten international bekannt gemacht hat, kommt heute noch auf rund acht Prozent. Diesen Ruf will das Familienunternehmen in den kommenden Jahren auch beim Kaffee noch stärker nutzen. „Melitta soll auch zur Weltmarke für Kaffee werden“, sagte Bentz.
Um das erwartete Wachstum zu bewältigen, investiert Melitta in den kommenden fünf bis sechs Jahren rund 100 Millionen Euro in den Standort Bremen. „Wir bauen dort die voraussichtlich größte Kaffeerösterei Europas auf mit dann 130.000 Tonnen Kapazität“, so Bentz. Aktuell können am Melitta-Standort in Bremen rund 90.000 Tonnen Rohkaffee verarbeitet werden. Eine Erweiterung ist zudem auch bei einer der beiden Röstereien in Brasilien geplant.
Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.
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