Ja, was denn nun: Fahren wir zukünftig elektrisch oder machen Politik und Technik einen Salto rückwärts Richtung Verbrenner? In der Automobilwelt scheint nichts mehr sicher, aber der Blick auf die großen Jubiläen des Jahres 2026 zeigt: Die Zukunft kam schon immer anders – und meist besser, als die Menschen dachten.

So war es bereits 1816. In diesem "Jahr ohne Sommer" führte Futtermangel zu erhöhter Sterblichkeit bei Pferden, ein dramatisches Ereignis, das die Entwicklung des Fahrrads als Reitpferd-Ersatz beschleunigte. Das Fahrrad wurde populär, aber anfangs nur als Sportgerät, während Pferdegespanne noch 1886 das urbane Verkehrsbild prägten, als Carl Benz das Patent-Automobil erfand. Der Motorwagen, anfangs als Spielzeug für Reiche belächelt, mutierte vor 100 Jahren zum Volksauto, damals als die Preise für frühe Fließbandautos von Ford, Citroёn oder Opel fielen, Berlin erste Verkehrsampeln mit Rot-Gelb-Grün-Lichtfolge einführte, und der Autobahnbau-Verein Hafraba die Strecke Hamburg-Frankfurt-Basel plante. 

Vor 60 Jahren erreichte die Massenmotorisierung Japan: Toyota lancierte den Corolla, der VW Käfer und Golf als meistgebaute Pkws entthronte. Ebenfalls 1966 eroberte das Auto endgültig das Kinderzimmer: Der US-Gigant Mattel konterte mit bis heute über drei Milliarden Hot-Wheels-Spielzeugautos den britischen Marktführer Matchbox. Gegen dicke Luft auf den Straßen soll seit 1976 der Katalysator mit Lambdasonde helfen. Auch große Marken feiern Geburtstag, dabei Ford (125 Jahre Quadricycle), Rolls-Royce (120 Jahre), Mercedes-Benz (100 Jahre) oder Dacia (60 Jahre). 

Techniker und Tüftler

Anfangs sind es weitgehend im Verborgenen wirkende Techniker und Tüftler, die das Automobil ins Rollen bringen. So wissen 1886 weder Carl Benz noch Gottlieb Daimler von den Pioniertaten des anderen, genauso wie es zwischen 1870 und 1888 den Auto-Konstrukteuren Albert F. Hammel in Dänemark, Siegfried Marcus in Österreich, Edward Butler in Großbritannien und den zahlreichen Elektro- und Dampfwagen-Erfindern ergeht. Fest steht allerdings: Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz sein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" zum Patent an, und die Patentschrift DRP 37435 gilt seitdem als die Geburtsurkunde des (noch dreirädrigen) Automobils mit einer Verbrennungsmaschine des Technikers Nicolaus Otto. 


Automobile Jubiläen 2026


Das Auto als Pferdekutschenersatz, diese Vision trieb auch Gottlieb Daimler an, und er erprobte noch 1886 den ersten vierrädrigen Kutschwagen mit Verbrennungsmotor. 1896 gelingt dem Auto endgültig der Schritt vom Luxusobjekt zum nutzwertigen Alltagsfahrzeug: Gottlieb Daimler verkauft den ersten motorisierten Lastwagen, konstruiert von Wilhelm Maybach; es ist weltweit die Initialzündung für den Aufbau einer Nutzfahrzeugproduktion. Nur zehn Jahre später (1906) wird in Deutschland die Kfz-Steuer nach sogenannten Steuer-PS eingeführt. Die dazu angewendete Formel berücksichtigt die Zylinderzahl, Bohrung und Hub – und bewirkt als Nebeneffekt, dass sich hierzulande und in Europa, anders als etwa in den USA, kleinvolumige und effiziente Motoren durchsetzen. Die Zahl der Verkehrstoten ist derweil dramatisch gestiegen – und höher als heute! – deshalb setzen 1906 etwa Schleswig-Holstein und Berlin erstmals auf die präventive Wirkung von Verkehrsschildern. 

Den Weg zu weniger Unfällen flankierten seitdem viele weitere Meilensteine, die 2026 Anlass zu Jubiläums-Rückblicken geben. Vor 100 Jahren (1926) rollten in Deutschland die ersten sogenannten Volksautos (Ford Model T, Opel "Laubfrosch", Hanomag "Kommissbrot") von den noch neuen Fließbändern, und Daimler und Benz fusionierten zu Daimler-Benz. Vor allem aber wurde der Autobahnbau-Verein Hafraba zur Planung der Fernstrecke Hamburg-Frankfurt-Basel gegründet. Nach der Eröffnung der Berliner AVUS kam nun die Realisierung von Autobahnen als sicherste und schnellste Straßen in Gang. Vor 75 Jahren (1951) ließ Béla Barényi die Sicherheitskarosserie mit Knautschzonen patentieren, der Vordenker in Sachen Sicherheit im Automobilbau arbeitete für Mercedes-Benz. Auch die regelmäßige Hauptuntersuchung für Pkw wurde ab 1951 Pflicht. Die Gurtpflicht im Auto folgte vor 50 Jahren (1976), ebenso die Helmpflicht für Motorradfahrer. Im selben Jahr schrieb der Volvo 240 Umweltschutz-Geschichte: Die Markenikone debütierte als erstes Serienmodell mit geregeltem Abgaskatalysator mit Lambdasonde, allerdings zunächst in den USA. 

Sparzwerge für die Ölkrisen und neue Vmax-Maßstäbe 

Die Fans klassischer Automobile wird mehr interessieren, welche Modelle 2026 runde Geburtstage feiern. Bleiben wir zunächst im Jahr 1976: Damals zwischen den Ölkrisen der 1970er debütierten einerseits Sparzwerge wie der als "Spatz von Paris" beworbene Citroën LN, der VW Golf Diesel oder der erste Ford Fiesta, andererseits Powerplayer wie der Ferrari 512 BB, der keilförmige Rover 3500 V8 SD1, das erste BMW 6er Coupé (E24), aber auch der Audi 100 (C2) mit erstem Fünfzylinder-Benziner oder der Lancia Gamma mit großvolumigem Vierzylinder. Nicht zu vergessen: Der erste Golf GTI ging in Serienproduktion. Noch mehr zu feiern gibt es, was die 60-jährigen Jubilare betrifft: 1966 begann die Ära der italienischen Supercars mit Highspeed-Geschossen wie dem von Stardesigner Marcello Gandini gezeichneten Lamborghini Miura. 

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In Deutschland setzte der Porsche 911 S neue Vmax-Maßstäbe, aber auch die kompakten BMW 02-Modelle beanspruchten nun die linke Autobahnspur. Alfa Romeo etablierte die Modellbezeichnung Junior mit dem beliebten Bertone-Coupé GT 1300, Mercedes-Benz brachte den 250 SL, Opel überraschte mit dem Rallye Kadett, aber auch mit dem Rekord C im Coke-Bottle-Design. Viel Neues auch von Fiat: Der 124 debütierte als Spider, Coupé und Limousine – und schrieb Geschichte als Urahn des ersten sowjetischen Volksautos Lada, einer Fiat-124-Lizenz. Technisch revolutionär war der englische Jensen FF, debütierte er doch als erster moderner Seriensportler mit Allradantrieb und mechanischem ABS. Bei Subaru schauten sie damals besonders genau nach England: 1966 zeigten die Japaner ihr erstes Modell mit Boxermotor, 1972 kombinierten sie es mit Allradtechnik und feiern sich seitdem als weltgrößter 4x4-Pkw-Hersteller. 

Mindestens vier weitere Volksauto-Jubiläen gibt es 2026 zu würdigen: Vor 90 Jahren weckte der kleine Fiat 500 "Topolino" in bella Italia den Traum vom eigenen Auto, vor 80 Jahren begeisterte der Renault 4 CV das Nachkriegs-Frankreich und vor 60 Jahren legte Toyota den Corolla auf, während in Renault in Rumänien die Discount-Marke Dacia initiierte. Dagegen bescherte 1996, heute jüngster Jahrgang für H-Kennzeichen und den Oldtimerstatus, mehr als 80 Neuheiten, die vom kleinen Ford Ka über den ersten Audi A3 und den Porsche Boxster bis zum feudalen Jaguar XK8 reichen, und damit für jeden Klassikerfan ein passendes Angebot bereithalten. Gefeiert wird auch 2026 das ganze schillernd-bunte Potpourri an Jubiläen, sind doch alle Marken und Institutionen stolz auf ihre Vergangenheit. Keine Zukunft ohne Herkunft, lautet das Credo.

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