Lyriq, Vistiq und Optiq, mit diesem SUV-Trio versucht Cadillac heute ein Comeback in Europa. Drei Stromer, die das Premiumsegment mit amerikanischem Glamour aufladen sollen, so wie einst, als Cadillac mit V8-Motoren im Fullsize-Format zum "Standard of the World" aufstieg. Während sich Rolls-Royce nach einem 1905 präsentierten V8-Versuch viele Jahrzehnte mit Reihen-Sechszylindern begnügte, gelang dem amerikanischen Luxus-Konkurrenten Cadillac vor 110 Jahren ein technischer Geniestreich.
Elektrischer Anlasser statt Kurbel
Der global erste Großserien-V8 setzte Maßstäbe in der Antriebstechnologie, zumal er in Kombination mit einem elektrischen Anlasser verkauft wurde, der die umständlich zu bedienende Startkurbel ersetzte. Damit überzeugte Cadillac als erste Prestigemarke auch Frauen, während andererseits die US-Armee den 5,1-Liter-V8 als Kraftwerk für Kriegsgeräte auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs nutzte.
Erster kommerziell erfolgreicher V8 der Automobilgeschichte
Vor allem aber brachte der V8-Cadillac den American Dream auf die Räder: Wohlstand und Luxus mit leistungsstarken Hightech-Modellen, die ab 1930 eine "Goddess" auf dem Kühler trugen – das war eine "göttliche" Antwort auf den "Spirit of Ecstasy" bei Rolls-Royce oder dem Stuttgarter Stern. Er war nicht der erste, aber der erste erfolgreiche Achtzylinder nach der Formel V. Während die V8-Konstruktionen von Rolls-Royce (1905) und dem französischen Autobauer De Dion Bouton (1910) im Anfangsstadium stecken blieben, realisierte Cadillac ab 1913 einen großserientauglichen Achtender mit Zylindern in 90-Grad-Anordnung.
Eine Motorenkonstruktion, die 1915 im Modell Cadillac Type 51 V-8 debütierte und hinsichtlich der Laufruhe bei Luxusmodellen globale Maßstäbe setzte. Nicht nur Repräsentationslimousinen, auch sportive Coupés und vor allem familienfreundliche Tourer wurden von dem 51 kW / 70 PS starken V8 auf damals furiose 60 mph (96 km/h) beschleunigt. Tatsächlich war es nicht nur das Ford Model T, sondern auch der schnelle Cadillac Type 51, der 1916 den Aufbau eines von Washington geförderten Highway-Netzes in den USA initiierte: Cadillac-Fan Präsident Wilson unterzeichnete den Federal Aid Road Act.
110 Jahre Cadillac V8-Modelle
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Bis Mitte der 1970er Jahre präsentierten sich die Cadillac-Vielzylinder – es gab sogar V16 – in pompösen Chrom-Karosserien, die in Europa polarisierten. Während Pop- und Showstars sowie Präsidenten und Royals den raffinierten Komfort der Fullsize-Straßenkreuzer stets goutierten, zählten Cadillac-V8 für Autohasser zum Feindbild der "Gas-Guzzler" mit zu hohen Verbrauchswerten. Erst Downsizing-Modelle und Stromer sicherten Cadillac auch in der Alten Welt gesellschaftliche Akzeptanz.
So avancierte der bis rund 5,80 Meter lange Luxus-SUV Cadillac Escalade mit mächtigem 6,2-Liter-V8 in Amerika zum Favoriten für Rapper, Sport- und Filmstars, aber auch wohlhabende Familien, dagegen verkauft er sich diesseits des Atlantiks nur in kleinster Zahl. Bleibt abzuwarten, ob der neue vollelektrische Escalade iQ die Popularität dieses SUV pushen kann – immerhin werden die drei kompakteren, elektrischen SUV Cadillac Optiq, Lyriq und Vistiq (4,82 bis 5,22 Meter Länge, also im Format der süddeutschen Premium-Platzhirsche) hierzulande auch von Fachmedien gelobt. Ob diese Stromer aber an den Mythos der hubraumgewaltigen V8-Motoren in legendären Cadillac-Modellen wie Eldorado, Fleetwood, Seville oder Series 62 anknüpfen können, muss sich noch zeigen.
Cadillac Escalade IQL
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