Volvo-Chef Hakan Samuelsson ist zurück an der Spitze der Schweden – und stellt die Marke konsequent auf Elektroantrieb, Software und globale Regionalisierung ein. Im Gespräch mit SP-X spricht er über die umstrittenen CO₂-Pläne der EU, den Spagat zwischen europäischer Identität und chinesischem Eigentümer sowie die Frage, ob Europas Autoindustrie im Wettbewerb mit neuen E-Anbietern aus China noch eine Chance hat. 

Herr Samuelsson, die EU beabsichtigt, die CO2-Ziele für die Hersteller aufzuweichen. Braucht es wirklich eine Entlastung für die Industrie? 

Hakan Samuelsson: Ich sehe nicht die Logik darin, die lang bekannten Ziele aufzuweichen. Für die Industrie ist es wichtig, verlässliche und klare Rahmenbedingungen zu haben. Wie wir sind viele anderen davon überzeugt, dass der Markt elektrisch wird, und ich habe nie verstanden, warum man diesen Übergang bremsen sollte. Im Gegenteil: Man sollte sich fragen, wie man ihn beschleunigen kann. Bis 2035 bleibt genug Zeit, um in neue Architektur, Batterien und Software zu investieren. Unsere Planungen basieren nicht auf der Hoffnung, dass Politik uns mehr Zeit schenkt, sondern auf dem Anspruch, so schnell wie möglich elektrisch zu werden. Wenn andere langsamer sind, verschafft uns das eher einen Vorteil, als dass es ein Problem wäre. 

Volvo gilt als europäische Marke, gehört aber zu einem chinesischen Eigentümer und ist global aktiv. Wird Volvo künftig europäischer – oder noch globaler? 

Hakan Samuelsson: Unser Anspruch ist ganz klar: Volvo soll eine starke globale Marke sein – mit europäischem Kern, aber mit glaubwürdiger Präsenz in allen wichtigen Regionen. Das gelingt nicht, wenn wir überall die gleichen Autos anbieten. Wir müssen unsere Produkte regionalisieren, an lokale Rahmenbedingungen und digitale Ökosysteme anpassen. In China heißt das zum Beispiel andere Software, andere Services, andere Infotainment-Lösungen als in Europa oder Nordamerika. Gleichzeitig wollen wir unseren Kern nicht aufgeben: Sicherheit, Klarheit, skandinavische Einfachheit. Die Kunst besteht darin, eine gemeinsame technische Basis zu haben, auf der wir unterschiedliche Oberflächen, Dienste und Assistenzfunktionen bieten können. Plug-in-Hybride bleiben dabei in einigen Märkten noch eine intelligente Brückentechnologie, auch wenn die Richtung eindeutig vollelektrisch ist.


Volvo EX60


Viele fragen sich, ob europäische Hersteller im Wettbewerb mit chinesischen Elektroauto-Marken überhaupt noch mithalten können. Wie sehen Sie das – und welche Rolle spielt Volvo? 

Hakan Samuelsson: Das Rennen ist für europäische Hersteller ganz sicher nicht vorbei, aber sie wird anspruchsvoller. Wir müssen zeigen, dass wir modernste Technologien nutzen und in Europa echte Spitzenprodukte bauen können – vollelektrisch und mit intelligenten Hybridlösungen dort, wo der Markt das noch braucht. Mit neuen Architekturen wie SPA3, integrierten Batterien, einer einheitlichen Software-Basis und klaren Effizienzzielen haben wir die Chance, besser zu sein als unsere Wettbewerber und gleichzeitig chinesischen Anbietern auf Augenhöhe zu begegnen. Entscheidend ist Tempo: Wer in Europa überleben will, muss sich weiterentwickeln und schneller werden. Auf Schutzmauern oder politische Hilfe zu hoffen, reicht nicht. Unternehmen, die intern klare Entscheidungen treffen und konsequent in Elektrifizierung und Software investieren, werden die Gewinner dieser Transformation sein. 

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