Im Ringen um den Sparkurs bei Volkswagen drängt die Porsche SE als Großaktionär auf eine rasche Entscheidung über Stellenabbau und mögliche Werksschließungen. Der Vorstandschef der Holding der Familien Porsche und Piëch, Hans Dieter Pötsch, sagte in Stuttgart: "Der Volkswagen-Konzern steht an einem historischen Wendepunkt. Bei den jetzt anstehenden Entscheidungen geht es um die Zukunft von Volkswagen."
Die Sparpläne waren im Juli erstmals im Aufsichtsrat behandelt worden. Arbeitnehmervertreter sowie das an Volkswagen beteiligte Land Niedersachsen hatten dabei Widerstand signalisiert. Nach Informationen aus dem Konzern stehen vier Werke und bis zu 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze auf dem Prüfstand.
Porsche SE stellt sich hinter VW-Vorstand
Volkswagen-Chef Oliver Blume strebt an, das neue Sparpaket noch im laufenden Jahr zu verabschieden. Unterstützung erhält er dabei von der Porsche SE. Pötsch warnte, dass ein Hinauszögern der Entscheidungen die Herausforderungen für den Konzern weiter verschärfen würde. Finanzvorstand Johannes Lattwein betonte, die Porsche SE stehe als Mehrheitsstammaktionär hinter dem Konzernvorstand und dessen Vorschlägen. Ziel sei die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. Auf dem Weg dorthin dürfe es keine Denkverbote geben. Andernfalls drohe Volkswagen, im internationalen Wettbewerb dauerhaft zurückzufallen.
Milliardenverlust durch Abschreibungen
Die Porsche SE ist im ersten Halbjahr 2026 tief in die roten Zahlen gerutscht. Ursache sind milliardenschwere Abschreibungen auf die Beteiligungen an Volkswagen und Porsche. Unter dem Strich verzeichnete die Beteiligungsgesellschaft einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn von 300 Millionen Euro erzielt worden. Auf die Volkswagen-Beteiligung entfielen Wertberichtigungen von 3 Milliarden Euro, auf den Sportwagenhersteller Porsche weitere 200 Millionen Euro. Sowohl Volkswagen als auch Porsche sehen sich derzeit mit schwierigen Marktbedingungen und dem tiefgreifenden Wandel der Automobilindustrie konfrontiert.
Bereinigtes Ergebnis rückläufig
Das bereinigte Konzernergebnis nach Steuern sank zwischen Januar und Juni um 200 Millionen Euro auf 900 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung der Porsche SE verringerte sich Ende Juni leicht auf 5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hält die Holding an ihrer Prognose fest. Erwartet wird ein bereinigtes Konzernergebnis zwischen 1,5 und 3,5 Milliarden Euro sowie eine Nettoverschuldung von 4,7 bis 5,2 Milliarden Euro zum Jahresende.
Porsche beschließt weiteren Stellenabbau
Bereits Ende Juli hatte der Sportwagenhersteller Porsche ein weiteres Sparpaket beschlossen. Bis 2035 sollen in der Region Stuttgart zusätzlich 5.000 Stellen wegfallen. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen sowie das Entwicklungszentrum in Weissach. Im Gegenzug wird die Standortsicherung um fünf Jahre bis Ende 2035 verlängert. Betriebsbedingte Kündigungen sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen, wie Unternehmen und Gesamtbetriebsrat mitteilten.
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