Vierschrötig steht er da, mit Kulleraugen aus LED-Ringen und kantigen Kotflügeln, einem am Heck angeschlagenen Ersatzrad und einer Silhouette, bei der man sofort an Land Rover Defender, Mercedes G-Klasse, Jeep Wrangler oder Ineos Grenadier denkt. Wer den 4,70 Meter langen BAW 212 zum ersten Mal sieht, tippt reflexhaft: Kopie aus China, wie so oft. Und muss sich vom Importeur Indimo eines Besseren belehren lassen.

Denn der 212er kopiert niemanden. Er geht zurück auf den Beijing Jeep von 1965 und ist damit fast schon ein Oldtimer. Seit sechs Jahrzehnten fährt er, mal in Olivgrün, mal in Zivil, durch die Volksrepublik und hat Maos Männer durch dick und dünn gebracht.

Während viele chinesische Neuheiten wirken, als kämen sie frisch aus dem Copyshop, bringt der Großhändler aus Landstuhl mit diesem Auto tatsächlich ein Original mit eigenem Stammbaum nach Deutschland. Neben den üblichen SUV, Limousinen, Vans und Nutzfahrzeugen, die das Pfälzer Unternehmen über rund 250 Händler verkauft, ist der Chinese mit Geschichte die Ausnahme im Programm. Und er trifft offenbar einen Nerv: Wer bestellt, wartet derzeit gut und gern ein halbes Jahr.

Kein Wunder eigentlich. Was sonst noch als harter Hund im Geländewagen-Segment durchgeht, kostet inzwischen locker sechsstellig und ist seinen Besitzern für Matsch und Modder längst zu schade geworden. Für den BAW dagegen ruft Indimo gerade einmal 41.850 Euro auf, kaum die Hälfte. Kompromisse macht er trotzdem kaum.

Rustikaler Auftritt mit klarer Mission

Von außen sieht man ihm sein Alter durchaus an: Die Stoßfänger wirken wie Eisenbahnschwellen, die Kotflügel haben angesetzte Verbreiterungen, und das Ersatzrad hängt dort, wo es hingehört, nämlich außen am Heck. Auf windschnittige Formen oder gar Lametta für die Lifestyle-Kundschaft wurde hier erkennbar wenig Wert gelegt. Eher auf eines: Das muss halten.

Technisch hält sich der Chinese ans Lehrbuch der harten Geländewagen-Schule: Leiterrahmen, Starrachsen vorn wie hinten, zuschaltbarer Allrad, eine mechanische Geländeuntersetzung sowie zwei Differenzialsperren. Seilwinde und Suchscheinwerfer gibt es für Deutschland serienmäßig gleich mit. Extras, für die andere Hersteller gern kräftig aufschlagen.


BAW 212 (2026)


Diesel statt Elektrifizierung

Während praktisch alles, was derzeit aus China kommt, elektrisch oder zumindest elektrifiziert unterwegs ist, knurrt unter der Haube des gut 2,3 Tonnen schweren 212ers ein ganz klassischer Diesel: 2,0 Liter Hubraum, 166 PS und 410 Newtonmeter Drehmoment. Die schickt eine überraschend moderne Achtgang-Automatik zunächst an die Hinterachse, ehe der Fahrer per Knopfdruck die Vorderachse zuschaltet.

Bei 160 km/h ist dann Schluss. Stört hier aber ohnehin niemanden. Erst recht nicht, weil die Lenkung die Richtung eher rudimentär vorgibt und die grobstolligen Reifen schon bei deutlich geringeren Geschwindigkeiten jedes Gespräch übertönen.

Ehrliche Bedienung statt Touchscreen-Menüs

Bedient wird das Ganze denkbar unkompliziert. Kein Menü, kein Untermenü, kein Digitalgefummel: Der Kippschalter für den Allrad sitzt griffig in der Mittelkonsole, gleich daneben die Knöpfe für Untersetzung und Sperren. Wer schon einmal in einem modernen SUV verzweifelt nach der Geländefunktion im Touchscreen gesucht hat, wird diese Ehrlichkeit zu schätzen wissen.

Im Gelände beeindruckt der BAW mit Werten, über die andere nur reden: 70 Zentimeter Wattiefe und 25 Zentimeter Bodenfreiheit. Mit den groben All-Terrain-Reifen ab Werk kommt er dorthin, wo sich viele tiefergelegte Lifestyle-SUV aus Fernost niemals hintrauen würden. Und wer im Mini Countryman schon von Abenteuer träumt, sollte sich vor diesem Auto lieber nicht allzu laut darüber auslassen.

Auf der Straße ein echter Geländewagen

Auf der Straße merkt man ihm seine Abstammung dagegen deutlich an. Die Lenkung verlangt Kraft, der Wendekreis erinnert an einen kleinen Lkw, und gefedert wird eher robust als komfortabel. Klar, es gibt Autos, die feiner und präziser abgestimmt sind. Nur eben nicht zu diesem Preis und mit dieser Geländekompetenz.

Wer ein Auto sucht, das sich noch wie ein Auto anfühlt und nicht wie ein lautloses Raumschiff, wird mit dem altmodischen Fahrgefühl gut leben können.

Überraschend modern im Innenraum

Drinnen ist der 212er dann überraschend zeitgemäß. Vor rund zwei Jahren wurde er komplett überarbeitet, seither gibt es digitale Instrumente, einen Touchscreen mit den wichtigsten Apps, ein halbes Dutzend USB-Buchsen, eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone und sogar klimatisierte Massagesitze.

Nostalgiker müssen trotzdem nicht darben: Schalter und Taster gibt es reichlich, ebenso Haltegriffe, die ihren Namen zu Recht tragen und denen man im Zweifel auch einmal sein Leben anvertrauen würde.

Fazit

Zum Angeben taugt der BAW 212 damit nicht. Dafür fehlt ihm das Renommee der etablierten Konkurrenz aus Gaydon, Graz oder Detroit. Muss er aber auch nicht: Er ist kein Spielzeug für Selbstdarsteller, sondern ein Werkzeug für Menschen, die tatsächlich in Feld, Wald und Wiese unterwegs sind oder beruflich ins Abseits müssen.

Mehr als Defender, Grenadier, Wrangler oder G-Klasse kann er dort vermutlich auch nicht. Er suhlt sich nur mit deutlich weniger Scheu im Schlamm. Und das zu einem Preis, der selbst eingefleischte Sturköpfe überzeugen dürfte.

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