Fast zwei Jahrzehnte war die Eurogarant Deutschland-Tour ein fester Termin im Kalender des Werkstattnetzwerks. An sieben Standorten informierte die AG ihre Kunden bundesweit über aktuelle Entwicklungen rund um Ersatzteilbestellungen, Schadenmanagement, Leasing, Fahrzeugtechnik und weitere branchenspezifische Themen. Ab 2024 kam eine Veranstaltung auf Mallorca hinzu.
Das Veranstaltungsprogramm
Nach der Premieren-Veranstaltung am Dienstag letzter Woche, bei der unsere Redaktion "live" mit dabei war, ging es tags darauf bereits in Dietzenbach und am Donnerstag im hessischen Friedberg weiter. Heute gastieren die WerkstattImpulse in Berlin, ehe am morgigen Dienstag dann Düsseldorf und am Mittwoch Sprockhövel folgen. Am 4. November schließt sich Dresden, am 10. November Wolfsburg und am 11. November Stuttgart mit der deutschen Abschlussveranstaltung an. Exakt eine Woche später geht es schließlich – in Weiterführung des 2024 gestarteten Mallorca-Termins – erneut auf die beliebte Balearen-Insel.
ET-Bestellprozess live miterleben
Ziel des neuen Konzepts sollte es sein, dass insgesamt noch mehr Informationen als in der Vergangenheit transportiert werden. Denn bereits mit ihrer Anmeldung haben die Teilnehmer auch darüber entschieden, welche Themen – nach den vorausgehenden Impulsvorträgen – an den 4 Workshop-Tischen in jeweils 20 Minuten bearbeitet werden. Darüber hinaus sind an 4 Nachmittagen in den Lägern der Ersatzteillieferanten (Winkelhaid, Friedberg, Sprockhövel und Wolfsburg) exklusive Einblicke in den Bestellablauf vorgesehen.
Die Werkstattimpulse der Eurogarant AutoService AG führten die Teilnehmer bereits in der vergangenen Woche in Winkelhaid und Friedberg zur Emil Frey Autoteilewelt GmbH. Dort begrüßten Eurogarant-Vorstand Peter Börner sowie Ronny Geisler (Winkelhaid) und Christoph Fleck (Friedberg) für den Gastgeber EFA Autoteilewelt die Werkstattinhaber zum neuen Eventformat.
WerkstattImpulse-Tour Eurogarant AutoService AG
Hohe Teileverfügbarkeit bei EFA Autoteilewelt
Geisler wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass das nahe zu Nürnberg gelegene Teilelager Winkelhaid eines der größten Standorte der EFA Autoteilewelt mit rund 18.000 Quadratmeter Lagerfläche ist. Insgesamt unterhält der Lieferant bundesweit elf Läger mit unterschiedlichen ET-Schwerpunkten, die in der Regel auch nach Fabrikaten sortiert sind. Somit kommt es in der Praxis durchaus regelmäßig vor, dass ein Betrieb seine Bestellungen aus gleichzeitig verschiedenen Lägern erhält. Ständig verfügbar sind nach Auskunft der EFA-Verantwortlichen in den deutschen Lägern des Unternehmens rund 171.000 verschiedene Teile, die natürlich nicht nur einmalig vorhanden sind. In Winkelhaid – so die intensiv geführte Diskussion der Teilnehmer mit den EFA-Verantwortlichen – könnten somit, abhängig von der Bauteilgröße, gut und gerne auch rund 2,5 Millionen Einzelteile bevorratet werden.
Schwerpunktmäßig werden in Winkelhaid Teile für Ford, die Stellantis-Marken und auch Mazda vorgehalten. Die Markenkonzentration habe ihre Vorteile darin, dass bei der Reparatur eines Unfallwagens normalerweise alle benötigten Ersatzteile auch in einem Lager komplett verfügbar sind und von dort an die betreffende Werkstatt ausgeliefert werden können. Bestellt ein Betrieb für mehrere Modelle unterschiedlicher Marken, erhält er seine Teile entsprechend aus unterschiedlichen Lägern, immer aber so schnell als möglich.
EFA beliefert übrigens nicht nur freie K&L Instandsetzungsbetriebe z.B. von Eurogarant, sondern hat für diverse Marken im Hersteller- bzw. Importeurs-Auftrag auch die ET-Belieferung der jeweiligen Fabrikatshändler übernommen. Platz für weitere Teile in gut sechsstelliger Anzahl – abhängig von der Teilegröße – ist in Winkelhaid in jedem Fall gegeben.
Umgang mit den Teilen teilweise wenig akzeptabel
Beim Betriebsrundgang intensiv thematisiert wurde die Verpackungsqualität der jeweiligen Blechteilehersteller und -lieferanten: Während manche Marken – Subaru wurde hier besonders lobend erwähnt – Türen, Hauben, Deckel etc. offensichtlich perfekt geschützt verpacken, werden Blechteile diverser anderer Marken völlig ungeschützt in Gitterboxen gestellt. Entsprechend hoch falle die Beanstandungs- und Rückläuferquote aus. Solange die Beschädigung noch "halbwegs reparabel" ist, würden etliche Betriebe allerdings eher eine Nachbesserung in Kauf nehmen, um die Unfallreparatur zügig abschließen zu können. Die von Peter Börner in diesem Zusammenhang angesprochene Crux: Bei der Rückgabe von Leasingfahrzeugen könnte es eventuell zu Reklamationen der Leasinggeber kommen, wenn vor der Lackierung noch gefüllert und/oder gespachtelt werden muss.
Bei Scheinwerfern dringender Handlungsbedarf
Scharf kritisiert wurde außerdem, dass selbst Scheinwerfer, die heute teilweise mehrere tausend Euro pro Stück kosten, so schlecht verpackt würden, dass bereits beim Eintreffen in den EFA-Versorgungslägern oder in den Reparaturbetrieben wichtige Befestigungslaschen weggebrochen seien. Die klare Forderung aller Beteiligten: Austauschbare Gehäuse und Verfügbarmachung weiterer Einzelteile für einen einfachen Tausch, um beschädigte Scheinwerfer – gleichwohl, ob bei einem Unfall oder auf dem ET-Beschaffungsweg passiert – einfach und kostengünstig instandsetzen zu können. Schließlich sei in aller Regel ja die LED- oder Xenon-Einheit "noch völlig intakt" und müsse deshalb "nicht weggeworfen" werden.
Wenn das Gutachten die Reparatur nicht goutiert
Welch bürokratischer Unsinn sich in der Instandsetzung Bahn gebrochen habe, wurde auch daran deutlich, dass die Betriebe zwar dazu fähig seien, beispielsweise abgebrochene Laschen wieder am Scheinwerfer neu anzubringen. Aber auch hier würde ein Sachverständiger im Falle eines Gutachtens wohl gegen die Werkstatt argumentieren, da das eingesetzte Neuteil als nicht mehr restlos schadenfrei zu bewerten sei.
Transportschäden für Absicherung zu teuer
Interessant für die Werkstatt-Unternehmer war auch die Aussage, dass die Ersatzteile auf ihren Transportwegen aufgrund der hohen Beschädigungszahlen und der daraus resultierenden, astronomischen Prämien schlicht "nicht versicherbar" seien. Man versuche zwar, die Schäden dem jeweiligen Verursacher zuzuordnen, letztlich aber kommt es in der Praxis häufig zu einer Aufteilung der Schadenkosten unter den Beteiligten in der Lieferkette.
Nach dem ausgiebigen Lagerrundgang erklärte Eurogarant-Vorstand Peter Börner allen Teilnehmern nochmals das neue Konzept der WerkstattImpulse. Im Anschluss gaben Börner und Andreas Apel einen Deepdive in die Arbeit der Eurogarant mit aktuellen Zahlen aus den von ihnen verantworteten Bereichen Ersatzteile und Leasingfahrzeuge sowie Schadenmanagement. Zudem fassten sie auch die aktuellen Markttrends zusammen.
Thorsten Fiedler jetzt Chef des Aufsichtsrates
Dass der bisherige Vorstandsvorsitzende Thorsten Fiedler seit der letzten Eurogarant Deutschland-Tour inzwischen aufgrund seines altersbedingten Ruhestands zwar aus dem aktiven Tagesgeschäft ausgeschieden, dem Unternehmen aber als Aufsichtsratsvorsitzender "mit all seinem Wissen und seiner Erfahrung" erhalten geblieben ist, bezeichnete Peter Börner als "echten Glücksfall" für die AG und alle Werkstattbetriebe.
Seit dem Vorjahr bereits bekannt, aber nochmals gesondert von Peter Börner erläutert wurde auch die Zusammensetzung der amtierenden AG-Führung mit ihm, Sebastian Kaiser und Guido Kalter (wir berichteten). Einen Vorsitzenden des dreiköpfigen Vorstands-Trios gibt es seit diesem Jahr nicht mehr.
Schadenmanagement legt zu
Im ersten der beiden Impulsvorträge befasste sich Andreas Apel mit der Thematik Schadenmanagement und Personal. Die hohen bürokratischen Anforderungen der Auftraggeber haben es in jüngster Zeitg erforderlich gemacht, personell aufgrund der Vielzahl an Rückfragen, Absprachen, Bestätigungen etc. auf vier Mitarbeiter aufstocken zu müssen, "die den ganzen Tag nichts anderes machen als nur zu telefonieren".
Erfreulich hingegen sei die Neugewinnung von Firmenflottenkunden. Und auch die internationalen Geschäftsfelder in D/A/CH "entwickeln sich weiterhin sehr gut und generieren beste Kundenbindung bei vergleichsweise geringem Aufwand für Eurogarant", so Apel. Diese Kundenbindung erzeuge zusätzliches Geschäft durch ausländische Konzerne in der Schweiz und Österreich, die auch in Deutschland Fahrzeuge in das Eurogarant-Netz einsteuern. Zusätzlich sei man, so Apel weiter, Mitglied im Fuhrparkverband Austria geworden.
KI als helfende "Kollegin Nele"
Als nächste Referentin befasste sich Nadja Becker, Abteilungsleiterin Akademie, Marketing und Empfang bei Eurogarant, mit dem Thema Künstliche Intelligenz. Die Referentin setzte sich dabei mit unterschiedlichen Szenarien auseinander, in denen sie erläuterte, wann die Werkstätten Vor-, aber auch Nachteile durch eine KI haben könnten. Konzentrieren solle man sich, so Becker, aber idealerweise mit Themen, wo die KI – in der Organisation fast schon liebevoll "Nele" getauft und als "Kollegin" betrachtet – helfen könne, um im Tagesgeschäft effizienter und besser zu werden, nicht zuletzt durch automatisierte, schlankere Prozesse. KI könnte aber auch im Falle von Rechnungskürzungen eingesetzt werden. Idealsituation: Automatisiert geht ein Beanstandungsschreiben aus, ohne dass es in jedem Standard-Einzelfall erst eines Anwalts bedürfe. In jedem Fall aber sollte man auch einen von KI ausgelösten Prozess vorsorglich nochmals überprüfen, mahnte Nadja Becker.
"Das hat außer uns niemand"
Vorstand Börner befasste sich im abschließenden Impulsvortrag mit dem Zentraleinkauf. Überaus zufrieden zeigte er sich dabei mit dem ET-Netzwerk: "Wir haben insgesamt 42 Lieferanten – und decken auch Caravan & Reisemobile damit ab. Das hat sonst niemand." Die Bestell- und Umsatzentwicklung für die rund 1.300 Werkstätten sei ebenfalls sehr erfreulich. Bei den Standards sehe man sich ohnehin als Vorreiter. Gleichermaßen aber auch bei der Teilesicherheit für alle chinesische Fabrikate. Dass wohl auch hier wieder "unsere Wettbewerber von uns abkupfern und sich auf unsere Lieferkanäle mit aufsetzen", wurmte Börner zwar, sei aber in einem freien Markt letztlich nicht abwendbar.
"Völlig falscher Ansatz" der Versicherer
Mit Blick auf die Verteuerung der OEM-Ersatzteile verwies Börner auf die vergleichbaren Kostensteigerungen für Lebensmittel, Heizöl und viele anderen Bereiche des täglichen Lebens. Er verwahrte sich in diesem Zusammenhang allerdings auch deutlich gegen die Kritik der Versicherer, welche nicht selten den K&L Betrieben die Schuld für insgesamt teurere Unfallreparaturen zuschöben. "Das ist doch nicht unsere Schuld, wenn die Versicherer nicht ihre Prämien adäquat anpassen, aber uns dann zwingen wollen, auf gebrauchte Ersatzteile umzustellen, um den Trend zu stoppen. Das ist der völlig falsche Ansatz. Vielmehr ist die Versicherung viel zu billig in Deutschland. In Österreich liegen übrigens die Prämien für vergleichbare Fahrzeuge und Rahmenfaktoren bei etwa dem dreimal so hohen Preis."
Wie alle Jahre konnte Börner die Veranstaltungs-Teilnehmer auch 2026 wieder mit ausnehmend günstigen Konditionen für Leasing-Fahrzeuge – beginnend bei 67 Euro im Monat für sich gewinnen.
Danach griff nochmals das neue Konzept, denn die Teilnehmer durften in Workshops zu verschiedenen Themen wie Ersatzteile oder Schadenmanagement mit anwesenden Experten diskutieren. Statt frontal gehaltener Vorträge sollte der Themenwechsel in Gruppen für eine neue Dynamik sorgen. "Ihr gestaltet euren Abend", hatte Peter Börner bereits zu Beginn der Veranstaltung angekündigt.
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