"52 Jahre – und kein bisschen leise": Unter dieses Motto stellt der Verband der Stellantis Konzern-Händler und -Servicebetriebe Deutschland seinen Geburtstag. Am 4. November 1974 wurde der Grundstein für die Interessenvertretung gelegt. Was damals mit einer "ziemlich visionären Idee" und einer Handvoll Menschen begonnen habe, sei heute eine starke Gemeinschaft, heißt es in einer Jubiläumsbotschaft, die AUTOHAUS vorliegt. 

Der Verband vertritt die autorisierten Handels- und Servicepartner der Stellantis-Marken Abarth, Alfa Romeo, Fiat, Fiat Professional, Jeep und Lancia in Deutschland. Seine Wurzeln reichen zurück zum früheren Fiat-Händlerverband. Im Zentrum stehen nach eigenen Angaben faire Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Stabilität und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Handel. 

Jahrzehnte im Dienst der Händler 

Die 52-jährige Geschichte ist eng mit Persönlichkeiten verbunden, die in der Organisation über lange Zeiträume gewirkt haben. Karl-Friedrich Bonten stand dem Verband 22 Jahre als Präsident vor. Wilfried Blöbaum und Karl Kleba gehörten ebenfalls zu den prägenden Repräsentanten – Kleba mit nahezu drei Jahrzehnten aktiver Verbandsarbeit. Horst Hohlheimer engagierte sich sogar fast fünf Jahrzehnte. Heute führt Jürgen Weis als Vorsitzender den Verband. Barbara Ehrbar-Hörger ist erste Stellvertreterin, Andreas Groß fungiert als zweiter Stellvertreter und Schatzmeister. 

Dass Kontinuität für den Verband mehr als ein Schlagwort ist, betont er auch zum Geburtstag. Sein Fundament bestehe aus "Beständigkeit. Vertrauen. Ehrenamt." Gerade das ehrenamtliche Engagement sei nicht "nice to have", sondern "der Motor". 

Doch der Blick in die Vergangenheit ist nur eine Hälfte der Geschichte. Denn ausgerechnet zum 52. Geburtstag stehen Entscheidungen an, die die künftige Rolle der Händlervertretung maßgeblich beeinflussen könnten. 

Stellantis-Verbände rücken zusammen 

Auf seiner Mitgliederversammlung Mitte Juni in Frankfurt fasste der Verband den Beschluss, Gespräche über mögliche Zusammenschlüsse mit anderen Interessenvertretungen im Stellantis-Umfeld aufzunehmen. Dahinter steht das Ziel, die Stimme des Handels gegenüber dem Vielmarkenkonzern stärker zu bündeln und parallele oder sogar widersprüchliche Positionierungen zu vermeiden.

Die Diskussion über eine Neuordnung der Verbandslandschaft läuft schon länger. Im Spätsommer 2024 hatten sich bereits drei größere Stellantis-Partnerverbände aus dem Opel- sowie den früheren FCA- und PSA-Netzen auf eine engere Zusammenarbeit verständigt (wir berichteten).

Neuer Händlervertrag sorgt für Konflikt

Wie wichtig eine schlagkräftige Interessenvertretung sein kann, zeigt gleichzeitig der aktuelle Streit um den neuen Stellantis-Händlervertrag. Der Vorstand kann seinen Mitgliedern nach eigener Aussage derzeit keine positive Empfehlung zur Unterzeichnung des Vertragswerks geben.

Aus Sicht der Händlervertreter sind zentrale wirtschaftliche, rechtliche und datenschutzrechtliche Fragen bislang nicht ausreichend geklärt. Besonders deutlich wird der Verband beim Thema Kommunikation mit dem Hersteller: "Partnerschaft setzt Dialog voraus", heißt es in einem Schreiben an die Mitglieder, über das AUTOHAUS jüngst berichtet hat. "Genau das vermissen wir." 

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Kritisch bewertet der Stellantis-Händlerverband außerdem den Zeitdruck sowie die Investitionen in die neue Corporate Identity. "Der Handel soll investieren – aber auf welcher wirtschaftlichen Grundlage?", fragen die Verbandsvertreter. Sie verweisen dabei unter anderem auf offene Fragen zu Kosten und Refinanzierung, Restwertrisiken, Leasing-Rückläufern sowie Herstellergarantien. 

Wer trägt künftig die Risiken? 

Dahinter steht eine noch grundlegendere Auseinandersetzung über das Verhältnis zwischen Hersteller und Handel. Es geht um die Frage, wer künftig Investitionen und wirtschaftliche Risiken trägt und wie die Betriebe gleichzeitig an neuen Erlösquellen beteiligt werden. Das betrifft etwa digitale Geschäftsmodelle wie Features-on-Demand und Over-the-Air-Services, aber auch den Umgang mit Kunden- und Interessentendaten. 

Der Verband warnt davor, Risiken und Pflichten immer stärker auf die Händlerseite zu verlagern, während Ertragsmöglichkeiten und Datenrechte an anderer Stelle konzentriert werden. Gefordert werden deshalb belastbare Antworten auf die offenen Fragen sowie mehr Zeit für die Unterzeichnung des Vertrags und die Umsetzung der CI-Vorgaben.

"Genau dafür ist ein Verband da"

Das 52-jährige Bestehen fällt damit in eine Phase, in der sich nicht nur das Geschäftsmodell des Automobilhandels verändert. Auch die Organisation seiner Interessenvertretung steht möglicherweise vor einer Neuordnung. 

Der Verband selbst formuliert zum Geburtstag den Anspruch, dabei nicht stehen zu bleiben: "Die kommenden Jahre bringen neue Aufgaben, neue Baustellen, neue Chancen. Und ja: Das wird sicherlich nicht bequem." Ziel sei es, die Organisation "modern, stark und zukunftsfähig" zu halten. 

Vor dem Hintergrund der aktuellen Vertragsdiskussion bekommt ein anderer Satz aus der jüngsten Verbandskommunikation besonderes Gewicht: "Genau dafür ist ein Verband da."

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