Als Autoren einer satirischen Kolumne haben wir es auch nicht leichter als, sagen wir, der Regierende Bürgermeister von Berlin. Der musste zerknirscht einräumen, dass er, statt sich um einen Stromausfall zu kümmern, der rund 50.000 Haushalte im Südwesten der Stadt der eisigen Witterung preisgab, erst einmal Tennis spielen ging.

Wir kennen das gut. Da droht wieder einmal eine Deadline wie eine linke Terrorgruppe, und man muss „den Kopf freibekommen“, wie Kai Wegner seinen Ausflug in die wohl nicht in Zehlendorf gelegene und daher gut beheizte und hell erleuchtete Tennishalle beschrieb. Das argwöhnte jedenfalls der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach: „Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt.“ Dabei könnte es durchaus sein, dass man im Arbeitszimmer des Regierenden Bürgermeisters eine Tennishalle unterbringt – rein ausmaßemäßig. Wir halten inzwischen alles für möglich.

Der Grund dafür ist nicht in erster Linie unser Wohnort Berlin, obwohl der daran auch nicht ganz unschuldig ist. Den zuverlässigsten Beweis dafür, dass Satire der Realsatire nur noch keuchend und japsend hinterherrennt – so wie wir uns Kai Wegner auf dem Tennisplatz vorstellen –, liefert Donald Trump.

Haben Sie unter all dem Kanonenbootdonner zwischen Venezuela und Grönland mitbekommen, dass der amerikanische Präsident auf den Galapagosinseln einen Militärstützpunkt errichten will? Bislang galten sie als unberührtes Paradies für Fregattvögel, Meerechsen und Multimillionäre, die sich den sündhaft teuren Trip leisten konnten, um endlich ohne Pauschalreiseplebs an der Seite zahmer Blaufußtölpel spazieren zu gehen. Nun aber, da Trump sich Südamerika untertan machen will und Ecuadors Präsident Daniel Noboa ihm eilfertig zur Hand geht – in der Hoffnung auf ein besseres Schicksal als das seines venezolanischen Ex-Kollegen –, müssen die Riesenschildkröten fürchten, als feindliche Flugzeugträger klassifiziert zu werden.

In der lokalen Fauna sind die Grünen weitgehend unbekannt. Nicht einmal von Robert Habeck haben die heimischen Seelöwen gehört. Sonst könnten sie sich zu einer Grassroots-Bewegung zusammenschließen und gegen die geplante Basis demonstrieren – wie einst die Frankfurter Ökos gegen die Startbahn West. Hoffentlich organisieren sich wenigstens die Darwinfinken rechtzeitig, um nicht als evolutionäre Drohnen abgeschossen zu werden. Auch als Leguan sollte man sich warm anziehen.

Aus gut informierten Regierungskreisen heißt es inzwischen, das Ganze sei in Wahrheit ein Projekt einflussreicher Flat-Earther und Kreationisten aus dem Umfeld der MAGA-Bewegung, mit dem Darwins Theorie der natürlichen Selektion endgültig ad absurdum geführt werden soll. Ein Dekret, und bye bye, Ökosystem. So wird es wohl kommen. Vielleicht sollte man rasch noch das Auto verpfänden und eine Reise nach Galapagos buchen, bevor alles zum Sperrgebiet erklärt wird.

Wenden wir uns lieber Grönland zu. Dort besteht immerhin noch eine gewisse Hoffnung. Es soll schließlich ein Ödland sein, Permafrost und Geröll, sonst nichts. Trump hat allerdings anderes gehört. Die Insel sei „überall mit russischen und chinesischen Schiffen übersät“, sagte er jüngst. Oder liegt hier eine Verwechslung mit einem Walrossfriedhof vor, den er irgendwo auf Instagram gesehen hat?

Die Dänen, zu deren Hoheitsgebiet Grönland gehört, haben derweil ihre Verteidigungsausgaben erhöht. Die sogenannte Sirius-Patrouille, das Sonderkommando, das für die Sicherheit der rund 58.000 Einwohner zuständig ist, soll neue Hundeschlitten bekommen haben. Also wenn wir Donald Trump wären, würden wir, bevor wir den Befehl zur Attacke gäben, erst einmal eine Runde Golf spielen gehen. Um den Kopf freizubekommen.

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