Somehow Zeb returned. Das ist einerseits ein Spoiler, der einen massiven Vertragsbruch darstellt, weil wir alle schwören mussten, keine inhaltlichen Details aus dem neuen „Star Wars“-Film „The Mandalorian and Grogu“ zu verraten, andererseits muss ich das Risiko, nie mehr zu einer Pressevorführung eingeladen zu werden, eingehen, weil dieser Satz so ziemlich alles über den Film erzählt. Oder genauer gesagt: gar nichts.

Denn Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, wer Zeb ist, wissen nicht, warum er weg war oder warum oder woher er wiedergekommen ist. Die gute Nachricht: Das ist auch vollkommen egal. Denn „The Mandalorian and Grogu“, der am 20. Mai startet, ist ein „Star Wars“-Film für Kenner und für vollkommene Neulinge gleichermaßen. Und das muss man erst mal hinkriegen.

Ich muss gestehen, dass bei mir nach 49 Jahren (sehr!) intensiver „Star Wars“-Beschäftigung, die oft die Grenze zum Manischen überschritten hatte, eine gewisse Müdigkeit eingetreten war. Die Familie, der Job, die Weltlage, all das verschluckte die Leidenschaft. Und gab es nicht auch einen gewissen „Star Wars“-Overkill? Ich bin nach wie vor ein treuer Durchseher, aber irgendwann wurde aus all den Fernsehserien, den „Acolytes“, „Ashoka“, „Bad Batch“, „Kenobi“, dem „Book of Boba Fett“ und „Maul: Shadow Lord“ eine breiige Masse. Es wurde mühsam, Zeitlinien zu verfolgen, ständig die KI zu fragen, wer wann jetzt wie warum gestorben war und wieder aufgetaucht ist, wer wen weshalb gehasst oder verfolgt hat, warum dieses mit jenem zusammenhängt und vor allem: Mandalore? Wer blickte da noch durch? Kurz: Es wurde selbst für Nerds unübersichtlich und anstrengend.

„Andor“ – das größte Werk im Franchise – war für mich fast wie ein Schlusspunkt. Für mich, jetzt 56 Jahre alt, könnte „Star Wars“ nicht altersgerecht erwachsener und besser werden. Time to say goodbye?

Dann wurde „The Mandalorian und Grogu“ angekündigt, schon den Titel fand ich dämlich und die Spekulationen, dass hier die verschiedenen TV-Projekte des neuen „Star Wars“-Masterminds Dave Filoni in einem Kinofilm zusammengeführt werden würden, waren mir eher ein Graus als zitternde Spannungserwartung.

Nicht falsch verstehen: Was ich an „Star Wars“ immer so viel größer fand als an „Star Trek“, war die Art, wie hier ein rund 50 Jahre umfassendes Serienuniversum immer mehr mit Details und Backstories gefüllt wurde: Was tat Kenobi im Exil auf Tatooine? Was wurde aus der Crew der „Ghost“? War nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ wirklich Schluss mit dem Imperium? Wie wurde Maul zum obersten Verbrecherlord der Galaxie? Doch die Größe erschlug mich irgendwann. Man wird ja auch nicht jünger.

Kennt sie Zeb? Sigourney Weaver als Colonel Ward in „The Mandalorian and Grogu“

Vielleicht ist es David Filoni sogar ähnlich gegangen, denn mit „The Mandalorian and Grogu“ schuf er einen ganz, ganz großen Befreiungsschlag. Er erzählt eine einfache Abenteuergeschichte: die eines Kopfgeldjägers und seines niedlichen Sidekicks Grogu. Es geht von Anfang an ordentlich zur Sache (nein, auch dieser „Star Wars“-Film ist nichts für Kinder): Die erste Stunde ist ein unglaublicher Parforce-Ritt aus Duellen, Kämpfen gegen gigantische AT-ATs, Luftschlachten und Gladiatoren-Spektakeln mit den verrücktesten Monstern, die es jemals gegeben hat.

Wenn Sie noch nie einen Film der Reihe gesehen haben, werden Sie hier genauso gut unterhalten wie jemand, der all die Anspielungen erkennt: Figuren wie Zeb oder die Anzellaner, die Gleichheit der Architektur auf dem Hutten-Heimatplaneten und dem Palast von Jabba the Hutt, die sehr lässige Hommage an „Andor“ am Schluss.

Das Luke-Skywalker-Gefühl

Ich fuhr, getrieben von Real-Life-Terminen, viel zu spät zur Pressevorführung und dachte mir: Okay, wenn ich zu spät komme, dann sei es eben so. Ich war nicht mehr fiebrig. „Star Wars“ als Pflichtprogramm? Was so viele Jahre undenkbar war, war der Punkt, an dem ich angekommen war. Dazu kam: Ich bin nie wirklich mit Grogu warm geworden. Die Art, wie er sich von der ersten „Mandalorian“-Folge an als niedlicher McGuffin immer mehr zum Mega-Ewok für das Breitenpublikum entwickelte, war mir zu platt. Ich versuchte, mir etwas zurechtzulegen. Der Mandalorian (aus Mythos-Gründen stets hinter seinem Helm verborgen und mit unfassbaren Kräften gesegnet): War er nicht das Spiegelbild des bewegungseingeschränkten Grogu, der ausschließlich über Mimik funktionierte? Da hätte er nie drüber nachgedacht, sagte mir Filoni vor ein paar Jahren, aber, hey, ja, guter Gedanke, könnte so sein, nice to have met you.

Könnte aber genügt mir nicht, wenn es um „Star Wars“ geht. Oder war ich einfach zu anspruchsvoll?

„The Mandalorin and Grogu“ trug mich sofort zu den Anfängen meiner Leidenschaft zurück. Nach 1977, als alles noch Staunen und Überwältigung war, als ich das fühlte, was Luke Skywalker fühlte: den Aufbruch in das große Abenteuer Leben. Nein, stopp. Bitte nicht wieder überhöhen. Das alles habe ich mir erst viel später zurechtgelegt. Für mich als Achtjährigen war „Star Wars“ ein Riesenspaß.

Und das ist der neue Film auch. Es geht irre zur Sache, am Boden, in der Luft, im Schnee, am Strand, im Dschungel und im Sumpf. Die Kampfszenen sind grandios und kaum rational zu verfolgen und funktionieren trotzdem. Der Look ist schmutzig, abgerockt, echt. Wer macht sich sonst die Mühe, die Cockpit-Fenster eines alten Raumschiffs mit Scheibenwischerschlieren zu verdrecken? Das Finale legt einen nach dem anderen drauf. Es sind knapp zweieinhalb Stunden Kino, in denen man vergisst, dass es eine Uhr gibt. Und sofort (!) wieder in die nächste Vorstellung gehen möchte, da man garantiert die Hälfte gar nicht mitbekommen hat, weil man entweder fassungslos vor Staunen war oder die Augen von Tränen verschleiert waren.

Das sind AT-ATs

Drei Einzelepisoden-Filme hat Disney für das Kino neben der Skywalker-Reihe produziert, den unverschämt (an der Kasse) gescheiterten „Solo“, die Nach- und Vorgeschichte zur Entstehung der Rebellion „Rogue One“ und eben jetzt dieses Meisterwerk. Jeder für sich war großartig. Jeder für sich war besser als die misslungene Sequel-Trilogie (Ausnahme: der von den Action-Figur-Fetischisten verdammte „The Last Jedi“). Und jeder für sich kam exakt zum richtigen Zeitpunkt.

Was David Filoni richtig macht

„The Mandalorian and Grogu“ hat ein perfektes Timing, die lange Szene auf Na Hutta, in der Grogu endlich eine Tiefe bekommt, ist um Klassen besser als die hingerotzte Dagobah-Episode in „Das Imperium schlägt zurück“. Filoni verbeugt sich vor George Lucas und zeigt ihm gleichzeitig, was er falsch gemacht hat und wie es besser geht. Er geht direkt in die Augen und damit ins Herz der Zuschauer – und zwar aller Zuschauer.

Mit „The Mandalorian and Grogu“ ist ihm das gelungen, was der Dilettant J.J. Abrams mit „The Force Awakens“ versemmelt hat. Ein Neustart. Nicht, indem er die alte Geschichte neu erzählt, sondern indem er die Magie der alten Geschichten neu heraufbeschwört. Diesmal aber in echt! Der Film ist ein Startpunkt – in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft. Ein Kino-Wunder. Übrigens – wie „Andor“ – ganz ohne Lichtschwerter.

Ach, Zeb. Genauer gesagt: Garazeb Orrelios. Ja, der gehörte zur Crew der „Ghost“ aus der großartigen Animationsserie „Rebels“ (2014 bis 2018) und tauchte im Realfilm einmal ganz, ganz kurz in der fünften Folge der dritten „Mandalorian“-Staffel auf. Gut, dass Sie das jetzt wissen. Können Sie aber auch gleich wieder vergessen. Gehen Sie ins Kino. Sehen Sie diesen Film!

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