Es ist eine stolze, runde Zahl. 154 Goethe-Institute in 100 Ländern gibt das Jahrbuch 2025/26 des gemeinnützigen Vereins an. Im 75. Jahr des Bestehens werden aus 100 Ländern nun aber 99. Am 7. September, so verzeichnet es die Goethe-Website, „haben die russischen Behörden dazu aufgefordert, dass die Mitarbeitenden aller Standorte des Goethe-Instituts in Russland ihre Arbeit zum 13. September 2026 einstellen müssen.“
Dass es so kommen würde, war absehbar. Schon am 3. September kündigte Außenminister Sergej Lawrow die nun offizielle Order an. Die Bundesregierung hatte gerade die geplante Schließung des Russischen Hauses in Berlin mit dem versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig begründet. Allerdings war der Verdacht, dass die Einrichtung in der Friedrichstraße – 1984 als Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur eröffnet – Putins Geheimdiensten als Tarnung diente, schon längst stärker geworden. Lawrow sagte, „natürlich“ schließe man die Goethe-Institute, nachdem „unser Kulturzentrum“ aus Berlin „vertrieben“ worden sei.
In Russland war das Goethe-Institut, dessen erste Dependance 1952 in Athen aufmachte, ab 1992 vertreten. Seit 2023 sei seine Arbeit durch Personalobergrenzen und Kontensperrungen bereits stark eingeschränkt gewesen, kontextualisiert die Mittlerorganisation, die überwiegend aus dem Bundeshaushalt finanziert wird, das Ende ihrer Arbeit in Russland nun.
Trotzdem seien die Niederlassungen in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk wichtige Orte „des Austauschs zwischen Deutschland und Russland“ geblieben: Die Bibliotheken in Moskau und Sankt Petersburg hätten 2025 rund 6700 Besucher sowie rund 35.000 Ausleihen gezählt. Jährlich hätten rund 10.000 Menschen die vom Goethe-Institut betreuten Sprachkursangebote genutzt, vor 2023 sogar 16.000.
Das zeige, wie groß der Bedarf an Kontakten und Verständigung weiterhin sei, meint das Institut. Ein Bedarf, der nun nicht mehr gedeckt werden kann: „De facto“ heiße die Anordnung zur Schließung, schreibt Generalsekretärin Gitte Zschoch: „Kein Buch kann mehr in unseren Bibliotheken ausgeliehen, keine Fortbildung mehr angeboten werden.“ Der Zugang zu deutscher Sprache, Kultur und verlässlichen Informationen aus und über Deutschland werde noch weiter eingeschränkt.
Der kürzlich verstorbene amerikanische Politikwissenschaftler Joseph S. Nye sprach von „Soft Power“ als der „Fähigkeit, gewünschte Ergebnisse zu erzielen, ohne Menschen durch Drohungen oder Zahlungen zu einer Verhaltensänderung zwingen zu müssen“. Mit der Schließung der Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk verringern sich die Fähigkeiten deutscher und europäischer Soft Power.
Dass Russland kein Einzelfall ist, hat aber auch schon die Goethe-Präsidentin Gesche Joost im aktuellen Jahrbuch angedeutet: „Das Konzept des Westens, die transatlantische Freundschaft, die Annäherung an Russland oder die Befriedung des Konflikts im Nahen Osten – all das ist in weite Ferne gerückt.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.