Nein, es hat nicht solche weltpolitischen Auswirkungen wie seine Zollpolitik und seine bisher vergeblichen Kriegsanstrengungen im Nahen Osten. Aber was Donald Trump in den letzten eineinhalb Jahren mit dem Kennedy Center, der zu Ehren des erschossenen Präsidenten 1973 am Potomac-Ufer eröffneten Kulturakropolis in der durch neoklassizistische Herrschaftsarchitektur geprägten US-Hauptstadt, aufführt, zeigt besonders deutlich seine destruktive Kraft sowie seine empfindlich gestörte narzisstische Persönlichkeit. Die jetzt einen Höhepunkt erreicht: Er ordnete ein weiteres Mal die Schließung des Centers an – weil man ihm nicht erlaubt, auch hier seinen Namen dauerhaft auf einer Marmorwand zu verewigen.
Kultur und Donald Trump, das ist ein sehr kurzes, trostloses Kapitel. Die Hochkultur zumindest interessiert ihn schlichtweg gar nicht, denn sie ist ja finanziell nicht interessant für seine Art von Immobiliengeschäften. So überraschte es eigentlich, als Trump schon kurz nach dem Start seiner zweiten Präsidentschaft Anfang 2025 den Vorsitz des Aufsichtsrats des Kennedy Centers annektierte. Dafür musste er die Vorsitzende zum Rücktritt drängen. Anschließend tauschte er das Board aus und besetzte es mit einem ebenfalls eher wenig kulturaffinen Getreuen. Als neuer Leiter wurde Richard Grenell installiert, sein Ex-Botschafter in Berlin. Grenell, der dort angeblich rauschende Sponsorenpartys gefeiert haben soll, ist aber schon längst wieder vom Center abgezogen.
Man muss wissen: Das Center ist eine dem Kongress unterstehende Einrichtung. Als einzige den darstellenden Künsten gewidmete Institution bekommt sie im sonst auf Spenden, Sponsoren und Kartenverkäufe angewiesenen amerikanischen Kulturbetrieb eine staatliche Basisförderung, die die administrativen Kosten und die Gebäudeerhaltung trägt. Das Programm hingegen muss sich ebenfalls selbst tragen. Zudem waren die beiden größten Veranstaltungsorte im multifunktionalen Center, die Konzerthalle und das Operntheater, vorwiegend vom National Symphony Orchestra und der Washington Opera belegt – unabhängigen Institutionen, die aber mit dem Center auch finanziell verflochten waren.
Seit Trump hier durchregiert, haben Hunderte von Mitarbeitern das Center verlassen oder wurden rausgeworfen. Damit ist unersetzliches, in Jahrzehnten aufgebautes Kulturwissen abgeflossen, das durch die neuangestellten MAGA-Anhänger nicht ersetzt wurde. Missliebige, vor allem vermeintlich linke oder woke Veranstaltungen wurden gecancelt. Schnell wurden die Besucher weniger, viele Künstler und Kompanien, vom Musical „Hamilton“ bis zu Renée Fleming, von Philip Glass bis Rhiannon Giddens, sagten Auftritte ab.
Die Einnahmen gingen ebenso zurück wie sich auch die Sponsoren zurückzogen. Inzwischen hat die Washington Opera das Center verlassen. Das alles wurde noch schlimmer, als Donald Trump – wieder eigenmächtig und ohne Kongressbeschluss – das Haus in Donald Trump Kennedy Center umbenannte und seinen Schriftzug natürlich auch an der Marmorfassade der modernistischen Betonkiste anbringen ließ.
Das musste er inzwischen auf richterlichen Beschluss zurücknehmen. Das Bild seiner „Schande“, die bereinigte Fassade, wird nach wie vor schamhaft hinter Bauplanen verborgen. Denn vorher hatte er mit einem halben Jahr Vorlauf dessen mindestens zweijährige Schließung nach dem 4. Juli 2026 angeordnet, angeblich weil es große bauliche Mängel gibt. Von den vielen davon in Mitleidenschaft gezogenen Institutionen traf es wiederum das National Symphony Orchestra am schlimmsten: Das konnte erst vor ein paar Tagen seine jetzt beginnende Spielzeit ankündigen, die in sechs Ausweichspielstätten stattfinden muss.
Täter-Opfer-Umkehr in Washington
Ein wenig Betrieb findet bis jetzt noch im Kennedy Center statt, denn der richterliche Beschluss verfügte auch, die Schließung dürfe nur erfolgen, wenn die angebliche Renovierungsnotwendigkeit evident gemacht würde. Trumps Board versuchte inzwischen freilich, vor allem dessen Namen wieder zu installieren, diesmal als Kennedy Center mit der Unterzeile „renoviert von Donald Trump“. Auch das verhinderte der Richter.
Doch in Täter-Opfer-Umkehr will man jetzt das Center in Geiselhaft nehmen. Es sei eine kaputte, finanziell ausblutende Organisation (verursacht durch die Trump-Machenschaften), die, wenn nun nicht endlich sein Name daran auftaucht, auch kein Geld für die „herrliche“ Renovierung von Trump bekommen soll. Mindestens während der Rest-Regierungszeit des 47. US-Präsidenten würde nun also eine Kulturruine herumstehen. Und ob danach womöglich eine demokratische Regierung das nachhaltig kaputte Ding wiederbelebt? Fragwürdig.
Und wieder wurden jetzt also die Türen zugesperrt, die wenigen Besucher aus dem Gebäude hinauskomplimentiert, das angeblich nicht mehr sicher sei, weil kürzlich nach einem Sturm ein großes Stück Gips von der Decke gefallen ist. Man wird sehen, ob das rechtlich Bestand hat. Es werden auch schon Klagen gegen das Board erwogen, das seine Schutzfunktion nicht erfülle, vielmehr das Center in den Untergang treibe.
Ein Lehrbeispiel also, wie der destruktive Wille eines einzelnen eitlen Mannes eine eigentlich gesunde Institution in den Ruin führen kann – in kaum mehr als 18 Monaten. Trump hat bereits Kunstwerke entfernen lassen, der Ruf und das Geschäft des Kennedy Centers sind bis auf Weiteres zerstört. Und das nur, weil er es kann. Und weil er natürlich einen in Amerika immer noch gloriosen Demokratennamen hochsymbolisch „beschmutzen“, ihn jedenfalls mit seinen Goldlettern quasi überschreiben wollte. An der traurigen Kennedy-Center-Story kann man Donald Trumps rücksichtslos selbstverliebten, sich über alle Gesetze erhebenden Autokratismus gegenwärtig am plastischsten studieren.
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