Mit dem am 15. September 2026 etwas überraschend unterzeichneten Hauptstadtfinanzierungsvertrag zwischen dem Bund und dem Land Berlin bekommen „bundesweit bedeutende Exzellenzprojekte“ mehr Geld. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) nimmt damit „jene kulturellen Juwelen in den Blick, die weit über Berlin hinaus leuchten“. An der Sanierung der Philharmonie will sich der Bund mit bis zu 225 Millionen Euro beteiligen. Die Zuschüsse für die Philharmoniker und die Stiftung Oper Berlin mit der Barenboim-Said-Akademie sollen stufenweise um jeweils bis zu vier Millionen Euro pro Jahr steigen. Das Bauhaus-Archiv soll nach dem Abschluss von Sanierung und Erweiterung bis zu vier Millionen Euro jährlich für den Betrieb erhalten.

Dass beim Humboldt Forum kein Geldbetrag genannt wird und Wolfram Weimer das Haus in seinem ausführlichen Zitat zu den verschiedenen Anpassungen nicht weiter erwähnt, könnte darüber hinwegtäuschen, dass dort eine Veränderung von großer Tragweite vorbereitet wird. In der Mitteilung heißt es lediglich: „Der Bund strebt die Übernahme der vom Land Berlin durch das Stadtmuseum genutzten Ausstellungsflächen durch die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss an.“

Seit der Eröffnung des Humboldt Forums teilen sich vier Player das teilrekonstruierte preußische Residenzschloss: die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst, die Humboldt-Universität mit dem Humboldt Labor, die Stiftung Stadtmuseum Berlin, die seit Juli unter dem Markennamen Berlin Museum auftritt, mit der Ausstellung „Berlin Global“, sowie die Stiftung Humboldt Forum, Eigentümerin und Betreiberin des Hauses.

Nach der Ankündigung der Stiftung Stadtmuseum, sich stärker auf das Märkische Museum zu konzentrieren und das Humboldt Forum bis 2028 zu verlassen, waren die Begehrlichkeiten an der rund 4000 Quadratmeter großen, frei werdenden Fläche im ersten Obergeschoss groß. Das Deutsche Historische Museum erwog, dort während der Sanierung des Zeughauses Teile seiner Dauerausstellung zu zeigen. Für die Räume wurde außerdem eine „Freiheitsausstellung“ über Opposition und Widerstand zwischen 1945 und 1990 vorgeschlagen, deren konzeptionelle Entwicklung die landeseigene Gesellschaft Kulturprojekte Berlin übernehmen sollte. Die SPK, so hörte man, würde gern das in Dahlem verkümmernde Museum Europäischer Kulturen ins Humboldt Forum holen. Und auch die private Stiftung Zukunft Berlin hatte Ideen für die Fläche und schlug für die Etage eine Art „Jahrmarkt der Künste“ vor.

Beim Berliner Schloss verteilt der Bund nicht Geld, sondern Macht

Mit dem lapidaren Satz in der BKM-Mitteilung gibt der Bund nun unverkennbar die Richtung vor, die institutionelle Zersplitterung im Schloss zu reduzieren und die Stiftung Humboldt Forum als programmatisch verantwortliche Dachorganisation zu stärken. Dass die Ankündigung in einer Mitteilung steht, in der Wolfram Weimer ausdrücklich von „notwendigen Strukturveränderungen“ spricht, ist politisch bedeutsam. Es geht dem Kulturstaatsminister offenbar nicht nur um einen Wechsel auf dem Türschild am Schlossplatz, sondern um eine Verschiebung der Verantwortung im Haus. Noch „strebt“ der Bund freilich nur nach einer „Übernahme“, rechtswirksam übertragen wurden die Flächen noch nicht.

Dennoch ist es ein Signal: mehr Kontrolle über das Humboldt Forum. Für das DHM ist die Nachricht ein Rückschlag. Ein direkter Flächenübergang scheint mit der neuen Festlegung vom Tisch oder zumindest sehr unwahrscheinlich. Ähnliches gilt für die SPK. Gleichwohl könnte sie überlegen, das MEK zu integrieren – inhaltlich ergäbe das Sinn. Auch eine „Freiheitsausstellung“ ist nicht zwangsläufig erledigt – allerdings nicht mehr selbstverständlich in Räumen des Humboldt Forums. Und die Rufe der Stiftung Zukunft Berlin nach Veränderungen wurden zwar gehört, ihr aber nicht der Zuschlag für die Umsetzung erteilt.

Für das Land wäre die Entscheidung einschneidend. Berlin verlöre seine bislang prominenteste eigenständige Repräsentationsfläche im Humboldt Forum. Landespolitisch scheint das zumindest in Kauf genommen zu werden: Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und Finanz- und Kultursenator Stefan Evers haben den Hauptstadtfinanzierungsvertrag mitunterzeichnet. Stefan Evers tritt bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September als Spitzenkandidat der CDU an. Eine Berliner Beteiligung an der späteren Programmgestaltung ist damit nicht ausgeschlossen. Aber sie wäre dann vermutlich nicht mehr institutionell garantiert, sondern müsste mit der erstarkten Stiftung Humboldt Forum neu ausgehandelt werden.

Für die Stiftung Humboldt Forum bedeutet die Entscheidung einen erheblichen Zugewinn an Gestaltungsmacht. Sie bliebe zwar Gastgeberin mehrerer relativ eigenständiger Partner, könnte aber stärker als bisher kuratorisches Profil entwickeln. Damit würde sich auch das Gewicht der Generalintendanz erhöhen.

Der Intendant des Humboldt Forums, Hartmut Dorgerloh, scheidet Ende Mai 2028 aus dem Amt, also zu Beginn des Zeitraums, in dem der neue Hauptstadtfinanzierungsvertrag gelten soll. Kandidaten für die Nachfolge zu finden, dürfte mit der Machtverschiebung womöglich etwas einfacher werden. Strahlkraft und Integrationskraft sind der kommenden Leitung dringend zu wünschen.

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