Das extrem populäre Genre New Adult überrascht selten. Sei es die „Romance“ oder ihre Verquickung mit Fantasy-Elementen („Romantasy“), die auch mal in einem universitären Setting spielt („Dark Academia“): Der Enemies-to-Lovers-Plot ist so sicher wie der farbige Buchschnitt. Dann wird es explizit. „Spice“ nennt der Fan das.
Setzt sich das Feuilleton damit auseinander, dann meist ähnlich erwartbar. Als Klage darüber, welchen Schund junge Leute lesen. In die Untergangsszenarien mischen sich pädagogische Bedenken. Auf den bedenkenträgerischen Vorwurf der Verrohung hat die Branche reagiert. „Ab 18“-Sticker wurden auf der Buchmesse gesichtet. Die können, genauso wie die genretypischen Trigger-Warnungen, auch Anreiz zum Lesen sein. Solche Dialektik der Abschreckung kennt man aus vergangenen Jahrhunderten von anderen Medien auch. Branchenvertreter werden auch nicht müde, aufgeregten feuilletonistischen Apokalyptikern zu erwidern, New Adult nehme der Literatur mit dem großen L nichts weg. Tatsächlich ist es fraglich, ob ein junger New-Adult-Leser zu Biller oder Seiler griffe, gäbe es die „Flammengeküsst“-Serie nicht.
Gibt es aber. Sogar einen neuen Band, „Threshing Day“. Der dritte Band der Reihe, „Onyx Storm“, hat sich in den USA 2025 in einer Woche 1,3 Millionen Mal verkauft. Bei der 1981 geborenen Rebecca Yarros steht das Basgiath War College im Mittelpunkt, an dem Drachenreiter ausgebildet werden. Etwa Violet Sorrengail und Xaden Riorson, Sohn eines Rebellen, der just von Violets Mutter hingerichtet wurde. Spannungen sind also vorprogrammiert. Auch sexuelle. Wer sich nach den knappen 3000 Seiten der ersten drei Bände auf die Fortsetzung der moderat scharf gewürzten Story freute, wird von dem neuen 240-Seiten-Büchlein aber enttäuscht.
Moderat gewürzt
Am Tag des „Dreschens“ verlassen die Kadetten die Mauern ihrer Alma Mater, um sich auf die Suche nach dem Drachen zu machen, mit dem sie, wenn sie, was nicht selbstverständlich ist, die Ausbildung überleben, in den Krieg gegen die „Greifenflieger“ ziehen. Ob sich ein solcher Drache findet oder die jungen Soldaten auf der Suche nach dem reptiloiden Partner fürs Leben aus eben jenem befördert werden, ist ungewiss. Von einem guten Dutzend solcher „Dresch-Tage“ handelt Yarros’ neues Buch, das – wie erwartet – gleich auf Platz 1 der Bestseller-Listen landete.
Dabei lernt man die jungen Krieger, die man schon aus den regulären drei „Flammengeküsst“-Büchern kennt, ein wenig besser kennen. Den vergrübelten Sawyer, der bei „Dreschen“ im Jahr zuvor aus dem Wald zurückkehrte, ohne mit einem Drachen zu bonden. Den großmäuligen Ridoc, der den Bund fürs Leben mit einer ähnlich großmäuligen Echse eingeht. Doch schon Spoiler-Warnungen verweisen darauf, dass man hier mehr vom Gleichen bekommt. Wie unveröffentlichte Tracks eines Hitalbums sind diese Geschichten, auf den Markt geschmissen, um noch ein bisschen mehr Geld rauszuholen oder Fans darüber hinwegzutrösten, dass die neue Platte der Lieblingsband noch nicht erscheint. Um Sound geht es auch hier. Und auch da ist alles wie erwartet.
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