Der Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, will die Grünen als technologieaffine Fortschrittspartei ohne radikale Parolen aufstellen. Beim Bundesparteitag der Grünen in Hannover rief er den Delegierten zu: „Diese Partei war immer eine Partei des Fortschritts – lasst uns das auch zeigen.“ Und betonte: „Wir können Auto, diese Partei kann Auto.“

Das Konfliktthema Verbrenner-Aus brachte Özdemir nicht zur Sprache. Er hatte sich zuletzt prinzipiell offen gezeigt für eine geringfügige Verschiebung des Termins für das Verbot neuer Autos mit Verbrennungsmotoren. Die Grünen im Bundestag verlangen hingegen von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zum Aus für neue Autos mit Verbrennungsmotor im Jahr 2035. Baden-Württemberg ist ein wichtiger Automobilstandort.

Özdemir, der dem Realo-Flügel der Partei zugerechnet wird, betonte sein Verständnis für die Sorgen der Bürger etwa über steigende Preise. Er versprach: „Sprech- und auch Denkverbote gibt’s dabei für mich nicht.“

Das „angeschlagene Sicherheitsgefühl“ der Menschen im Land müsse in Ordnung gebracht werden, sagte Özdemir. „Für Kriminelle gibt’s keinen Rabatt bei mir, auch keinen Kulturrabatt“, verspricht er. Wer die freie Lebensweise abschaffen wolle, sei sein Gegner, egal, woher er komme.

Auch bei der Debattenkultur setzte Özdemir auf einen Autovergleich: „Es wäre wie ein Daimler ohne Motor, die Karosserie allein setz noch nichts in Bewegung.“

Mahnung an die Parteikollegen

Der Politiker, der für die Grünen den einzigen je von ihnen erreichten Ministerpräsidentenposten sichern soll, mahnte seine Parteikollegen in Hannover, Wähler gewinne man nicht mit radikalen Sprüchen oder mit Parolen „aus dem Wolkenkuckucksheim“.

Seine eigene Partei liege manchmal daneben und nerve, sagte Özdemir, der sich gern abweichenden Positionen annimmt und sich im Landtagswahlkampf absetzt. Auch er habe als einstiger Grünen-Chef oft genug daneben gelegen. „Manchmal ärgere ich mich wirklich riesig“, räumt Özdemir ein. Die Grünen führten Debatten, die viele andere im Land nicht führten und machten sich das Leben schwer. „Aber der Streit in der Sache war’s immer wert.“

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt beim ursprünglichen Autor. Die erneute Veröffentlichung dieses Artikels dient ausschließlich der Informationsverbreitung und stellt keine Anlageberatung dar. Bei Verstößen kontaktieren Sie uns bitte umgehend. Wir werden bei Bedarf Korrekturen oder Löschungen vornehmen. Vielen Dank.