In einer Rede vor republikanischen Abgeordneten im Repräsentantenhaus schilderte Trump ein angebliches Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Darin habe er verlangt, Frankreich müsse die Preise für Medikamente erhöhen, andernfalls würden hohe Zölle auf französische Exporte in die USA folgen. Trump äffte seinen französischen Amtskollegen nach. Bevor er einen weinerlichen Macron mimte, gab er aber zu: „Ich liebe den französischen Akzent.“

Das von Trump nachgestellte Telefonat beginnt mit einem forschen Befehl vonseiten des amerikanischen Präsidenten: „Emmanuel, wenn Sie bis Montag nicht allem zugestimmt haben, was wir wollen, werde ich Zölle von 25 Prozent auf alles erheben, was aus Frankreich kommt. Inklusive Ihres Weines, Champagners und so weiter.“ Darauf persifliert Trump einen verheulten Macron: „Nein, nein, das können Sie nicht machen!“ Rückkehr in eine tiefere Stimmlage: „Ich sagte: ‚Das kann ich, und das werde ich.‘“

Hintergrund für das kleine Einpersonenstück sind die im internationalen Vergleich extrem hohen Arzneimittelpreise in den USA. Nach Angaben der Rand Corporation zahlen Amerikaner im Schnitt rund zweieinhalbmal so viel für verschreibungspflichtige Medikamente wie Franzosen. Trump hatte angekündigt, diesen Unterschied verringern zu wollen – notfalls mit massiven Importzöllen auf patentgeschützte Medikamente, falls Pharmaunternehmen nicht beginnen würden, in den USA zu produzieren. Eine Senkung der Preise in den Vereinigten Staaten könnte dadurch aber zu Kostensteigerungen in anderen Ländern führen. Trump sprach davon, dass Medikamente außerhalb der USA deutlich teurer würden, während die Preise in den Vereinigten Staaten stark sinken sollten.

„Und dann herrschte Totenstille am Telefon“

Darauf setzt Trump sein Solotheater fort. Als Antwort auf seine nacherzählte Zolldrohung beginnt er wieder, Macron zu verulken: „Donald, abgemacht. Ich werde die Preise auf Medikamente um 200 Prozent erhöhen. Das würde ich gerne tun. Es wäre mir eine Ehre. Was immer Sie wollen, Donald, aber bitte sagen Sie es nicht der Bevölkerung. Bitte, Donald, ich flehe dich an.“

Der amerikanische Präsident erwähnt diesen angeblichen Austausch nicht zum ersten Mal. Laut „Le Figaro“ habe er bereits am 19. Dezember erzählt, dass er seinem französischen Amtskollegen angekündigt habe, er müsse „den Preis der Medikamente auf französischem Boden verdoppeln oder verdreifachen“. Darauf habe er mit hohen Zöllen gedroht. „Und dann herrschte Totenstille am Telefon“, hatte er damals geprahlt.

Der Élysée-Palast hatte Trumps Darstellung bereits im Dezember scharf zurückgewiesen. Die Preise für Medikamente seien in Frankreich stabil geblieben, zudem entscheide der Präsident nicht über Arzneimittelpreise, hieß es aus dem Umfeld Macrons. Unabhängig davon haben mehrere große Pharmakonzerne – darunter Pfizer, AstraZeneca, Merck und Sanofi – zuletzt Preissenkungen in den USA angekündigt. Im Gegenzug erhielten sie Ausnahmen von geplanten Strafzöllen.

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