Wirtschaftliche Stagnation, Probleme durch illegale Migration und Wahlergebnisse, die Regierungsbildungen immer schwieriger machen: Das Gefühl, dass Deutschland in einer fundamentalen Krise steckt, ist inzwischen bei vielen Bürgern verbreitet. In einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die WELT exklusiv vorliegt, sagen drei von vier Deutschen (75 Prozent), die Lage des Landes sei schlecht.

Rund ein Drittel (30 Prozent) ist sogar der Ansicht, dass der Zustand Deutschlands schlechter ist als in anderen westlichen Ländern. Eine relative Mehrheit von 40 Prozent meint, Deutschland liege innerhalb der westlichen Welt im Durchschnitt. 21 Prozent halten den Zustand des Landes für besser als in vergleichbaren Ländern.

Die Aussichten für die Zukunft sind nach Ansicht einer Mehrheit der Deutschen negativ: In den nächsten zwölf Monaten erwarten 45 Prozent eine Verschlechterung der allgemeinen Lage des Landes. 37 Prozent gehen davon aus, dass die Lage Deutschlands in etwa gleich bleibt. Nur 11 Prozent rechnen mit einer Verbesserung.

Ein Grund für das Urteil der Bürger ist die wirtschaftliche Lage. Die Bedeutung des Themas nimmt weiter zu. Nannten im September noch 37 Prozent die Wirtschaft als eines der zwei wichtigsten Probleme, waren es im Dezember bereits 41 Prozent. Damit ist die Wirtschaft vor Migration (31 Prozent) weiterhin das wichtigste Thema für die Deutschen.

Gleichzeitig verschlechtert sich die Bewertung der Arbeit der Bundesregierung in diesem Bereich: 74 Prozent der Befragten bewerten die Regierungsarbeit als schlecht – ein Plus von vier Prozentpunkten im Vergleich zum September.

Überwältigende Mehrheit der Briten und Franzosen bewertet den Zustand ihres Landes als schlecht

Im Rahmen des Eurotrack-Panels haben die YouGov-Meinungsforscher die Erhebung auch in Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Spanien und Italien durchgeführt. Das Ergebnis fällt teilweise noch desaströser aus – mit Ausnahme Dänemarks.

In Frankreich und Großbritannien sind jeweils Mehrheiten von 90 beziehungsweise 87 Prozent der Befragten der Auffassung, das Land befinde sich in einem schlechten Zustand. Fast jeder zweite Franzose entschied sich für die Option „sehr schlecht“. In Italien (73 Prozent schlecht) und Spanien (67 Prozent schlecht) fällt das Urteil etwas positiver aus.

Nur in Dänemark ist eine Mehrheit von 64 Prozent der Auffassung, das Land sei in einer guten Verfassung. Nur etwa jeder dritte Däne (30 Prozent) hält den Zustand des Königsreichs für schlecht. Allerdings wurde die Umfrage noch vor dem neuerlichen Konflikt um Grönland mit den USA durchgeführt.

Auffällig ist auch das Muster, den Zustand im eigenen Land jeweils für schlechter zu halten als anderenorts. Eine Mehrheit der Franzosen und Italiener (je 55 Prozent), Briten (50 Prozent) und Spanier (46 Prozent) ist dieser Auffassung. Deutschland sortiert sich wie beschrieben mehrheitlich im Mittelfeld ein. Erneut sind es die Dänen, von denen eine Mehrheit (52 Prozent) sagt, im eigenen Land liefe es besser als in anderen westlichen Staaten.

Und auch die Aussicht für die nächsten zwölf Monate fällt in Dänemark am positivsten aus. 61 Prozent der Dänen erwarten eine gleichbleibende Lage, 22 Prozent eine Verschlechterung. Am pessimistischsten blicken die Franzosten in die Zukunft: 63 Prozent erwarten eine Verschlechterung des Zustands ihres Landes.

Im Rahmen des Eurotrack-Panels befragte YouGov online vom 1. bis zum 16. Dezember 2267 Personen über 18 Jahren in Deutschland, 2063 in Großbritannien, 1054 in Frankreich, 1069 in Spanien, 1016 in Italien und 1005 in Dänemark. Die Befragung ist repräsentativ für die Wohnbevölkerung.

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