Deutschland und Indien beabsichtigen auf breiter Front enger zusammenzuarbeiten. In Anwesenheit von Bundeskanzler ⁠Friedrich Merz und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi unterzeichneten beide Regierungen sowie etliche Unternehmen ‍beider Länder am Montag in Ahmadabad 27 Absichtserklärungen und Ankündigungen: von der Zusammenarbeit beim Abbau seltener Erde über die Förderung des Hockey-Nachwuchses in beiden Ländern bis zur Anwerbung von Fachkräften für das deutsche Gesundheitssystem.

Die Verteidigungsministerien schlossen eine Absichtserklärung für eine verstärkte Kooperation der Verteidigungsindustrien. Airbus Defence ist bereits in Indien aktiv, die Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS hofft bis Ende März auf Aufträge über sechs U-Boote und die ⁠Option auf weitere drei. Indien gilt nach der jüngsten Statistik des Friedensforschungsinstituts Sipri als größter Rüstungsimporteur der Welt. Zwischen 2019 und 2023 bezog das Land immer noch 36 Prozent seiner Rüstungsgüter aus Russland – auch wenn die Tendenz rückläufig ist. Deutsche Rüstungsexporte nach Indien könnten also auch die Abhängigkeit von Russland verringern.

Das Wirtschaftsministerium unterzeichnete mit dem indischen Bergbauministerium eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen. Generell soll das „CEO-Forum“ die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Milliardenvolk vertiefen. Das Gesundheitsministerium wiederum unterzeichnete eine Vereinbarung zur Anwerbung indischer Fachkräfte im Gesundheitssektor.

Das Forschungsministerium will mit dem indischen Counterpart ein Innovationsexzellenzzentrum ‍für Künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter, Supercomputer und Batterietechnologie einrichten sowie ‍Austausch- und Studienprogramme verstärken. Zudem wurde mit der indischen Regulierungsbehörde für Erdöl und Erdgas (PNGRB) ⁠eine Vereinbarung unterzeichnet. Der Deutsche Hockey Bund und Hockey India wollen ihre Kooperation bei der Jugendentwicklung ausbauen.

Der Energiekonzern Uniper unterzeichnete ‍in Indien einen Abnahmevertrag ⁠für jährlich ‌bis zu 500.000 ‌Tonnen Ammoniak. Partner sei ‌das Unternehmen AM Green, teilte Uniper am Montag mit. Die ​Deutsche Post will mit der indischen Post zusammenarbeiten.

EU-Indien-Freihandelsabkommen

Merz hält es für möglich, dass die EU und Indien überraschend schon Ende des ‍Monats ein geplantes Freihandelsabkommen unterzeichnen könnten. „Die Präsidentin der Europäischen Kommission und der Präsident des Europäischen Rates werden Ende des Monats nach Indien reisen und dieses Abkommen, wenn es denn bis dahin abgeschlossen ist, auch unterzeichnen“, sagte er. „Sie werden jedenfalls einen weiteren großen Fortschritt unternehmen, damit dieses Freihandelsabkommen zustande kommt.“ Bisher war mit einem Ende der Verhandlungen bis Jahresende gerechnet worden.

Nach den „sehr intensiven Gesprächen“ zwischen Merz und Modi gebe es aber „hohe Erwartungen“, dass Ende Januar tatsächlich schon ‍ein Abkommen unterzeichnet werden könne, hieß es ‍in deutschen Regierungskreisen.

Als Grund für die Bewegung wird auch der amerikanische Zolldruck auf Indien ⁠gesehen. Ohne Länder wie die USA oder China zu nennen, sagte Merz, dass gerade Deutschland und Indien die „Renaissance ‍des unseligen Protektionismus“ schade. ⁠Deshalb müsse ‌man enger zusammenarbeiten. ‌Für die EU ‌wäre die Unterzeichnung ein weiterer großer Erfolg nach dem Abschluss des EU-Mercosur-Abkommens mit südamerikanischen Staaten vergangene Woche.

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