US-Präsident Donald Trump und Nato-Generalsekretär Mark Rutte haben am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos den Rahmen für ein Abkommen zu Grönland abgesteckt. Grundlage ist nach Informationen von WELT ein „Grönland-Deal“, der auf vier Säulen beruhe.
Demnach sind erstens die angedrohten Strafzölle gegen acht europäische Staaten vom Tisch. Zweitens sollen die Europäer den USA ein Mitspracherecht bei der Investitionskontrolle zusichern, einschließlich eines Vetorechts gegen Vorhaben von Nicht-Nato-Staaten wie China oder Russland. Drittens sollen sich europäische Nato-Partner zu einem stärkeren Engagement in der Arktis verpflichten.
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Einer der bemerkenswertesten Punkte aber ist der vierte Punkt. Denn: Trumps Raketenabwehrprojekt „Golden Dome“ soll vorangetrieben werden – verbunden mit einer Neuverhandlung des Stationierungsabkommens von 1951.
Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ unter Berufung auf Nato-Kreise geht es bei dem vierten Punkt auch um die US-Militärpräsenz auf der Insel. Demnach soll Rutte in dem Gespräch mit Trump einen Vorschlag vorgelegt haben, der neben einer neuen Überwachungsmission im hohen Norden auch vorsieht, Militärbasen in Grönland durch die USA zu übernehmen.
Das Zypern-Modell als Vorbild?
Der Plan orientiere sich am Vorbild britischer Basen auf Zypern: Dort gehören Akrotiri und Dhekelia als „Sovereign Base Areas“ zum britischen Staatsgebiet und dürfen ausschließlich militärisch genutzt werden.
Derzeit unterhalten die USA auf Grönland nach öffentlich zugänglichen Angaben nur noch einen Stützpunkt: die Pituffik Space Base. Im Kalten Krieg betrieb Washington zeitweise 17 Anlagen auf der Insel. Dänemark und die Regierung in Nuuk haben sich in der Vergangenheit grundsätzlich offen dafür gezeigt, dass die USA ihre militärische Präsenz wieder ausbauen.
Rutte hatte den Plan laut „FAZ“ bereits zuvor in Brüssel mit dem dänischen Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt erörtert.
Trump zufolge soll es zudem weitere Gespräche über den geplanten US-Raketenschirm „Golden Dome“ geben, soweit dieser Grönland betrifft. Damit habe er federführend Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio und seinen Sonderbeauftragten Steve Witkoff betraut, schrieb er auf Truth Social.
Der US-Präsident hatte wiederholt vollständige Kontrolle über Grönland gefordert und dies in seiner Rede in Davos erneut mit der „nationalen und internationalen Sicherheit“ begründet. In seiner Ansprache stellte Trump jedoch erstmals klar, dass er die Arktisinsel nicht mit militärischen Mitteln einnehmen will. Stattdessen wolle er über einen „Kauf“ Grönlands sprechen, sagte Trump.
Die Grundsatzvereinbarung mit Rutte sieht jedoch „kein Geld“ vor, wie der US-Präsident in Davos klarstellte. Dänemark hatte einer Abtretung des autonomen Gebiets an die USA entschieden widersprochen. Rutte hat als Nato-Generalsekretär ohnehin keine Möglichkeit, über territoriale Fragen der Mitgliedsländer zu verhandeln. Dänemark und weitere EU-Länder reagierten erleichtert.
Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen lobte die „positiven Botschaften“ des US-Präsidenten. Der niederländische Regierungschef Dick Schoof nannte es im Onlinedienst X „positiv, dass wir nun auf dem Weg zu einer Deeskalation“ seien und zusätzliche Zölle vom Tisch seien.
Ähnlich äußerte sich Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die Trump nahe steht. In Grönland war die Reaktion indes verhaltener. „Die Nato hat in keinem Fall das Recht, ohne uns, Grönland, über irgendetwas zu verhandeln“, erklärte eine von zwei grönländischen Abgeordneten im dänischen Parlament, Aaja Chemnitz, in Onlinediensten. „Nichts über uns ohne uns“, fügte sie hinzu.
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