US-Präsident Donald Trump hat vor den Wirtschaftseliten im Schweizer Davos in einer Rede mit Überlänge seine Sicht auf Europa, Handelskriege, Migration und den Grönland-Konflikt dargelegt.
Im Anschluss einigten sich Trump, Vertreter der Nato und europäischer Länder auf ein Abkommen zur Sicherheit Grönlands. Trumps Auftritt in Davos bestimmt auch die Nachrichtenlage in den Auslandsmedien. Lesen Sie hier eine Übersicht:
Lesen Sie alle Entwicklungen zum Streit zwischen Dänemark und den USA in unserem Grönland-Ticker.
„Sydney Herald“, Australien
„Der plötzliche Rückzug des US-Präsidenten von den Zöllen passt zur ‚Taco-Theorie‘- ‚Trump Always Chickens Out‘ (Anmerkung d. Red. Trump macht immer einen Rückzieher). Er hatte angekündigt, acht Nationen mit zusätzlichen Zöllen zu belegen, falls sie seinen Anspruch auf Grönland nicht unterstützen würden. Angesichts heftiger Kritik ist er vier Tage später zurückgerudert. Die Akrobatik von Samstag bis Mittwoch wirkt aber selbst für Trumps Verhältnisse abrupter Drohungen und rascher Rückzieher wie eine Rekordleistung.
Hinzu kommt, dass das Weiße Haus die Medien erst vor zwei Wochen darüber informiert hatte, dass der Präsident den Einsatz militärischer Gewalt als Option in Betracht ziehe, weil er Grönland unbedingt den Vereinigten Staaten einverleiben wolle. Auch dies schloss Trump nun aus.
Zwei Rückzieher an einem Tag. Die Bergluft beim Davos-Gipfel hat der Nato sichtlich gutgetan. Tatsächlich ist die Nato aber durch diesen Konflikt natürlich bereits geschwächt. Und Trump gibt sein Streben nach Grönland nicht auf. Seine Rede von einem neuen ‘Rahmen‘ ist unglaublich vage und bedeutet, dass er jederzeit eine neue Forderung stellen kann, um weiteren Druck auf das Militärbündnis auszuüben. Dies stellt nun eine ständige Gefahr in den Beziehungen zu Trump dar – und höchstwahrscheinlich auch zu jedem Maga-Führer, der ihm nachfolgt.“
„Der Standard“, Österreich
„Die nahezu zwei Stunden, in denen ausschließlich Donald Trumps Stimme in Davos zu hören war, haben auf schonungslos-schmerzhafte Weise gezeigt, wie wenig Substanz hinter der Maske vorhanden ist. Lügen, Geschichtsfälschung, ein Zurechtbiegen von Vergangenem – einzig erkennbares zentrales Thema zwischen zunehmend wirren Anekdoten, Erzählungen und Wiederholungen ist Grönland. (...)
Trump irrlichtert dahin, streift alles und nichts. Erschaffen hat alles er. Er tadelt Staatschefs. Daddy, König, Gott. Selbstüberhöhung durch Erniedrigung des Restes der Welt. Am Rednerpult steht ein tief gekränkter Narzisst. (...)
Davos, hoch in den Schweizer Bergen, wird als der Tiefpunkt amerikanischer Außenpolitik und Diplomatie in die Geschichte eingehen. Klarer ist die Zerstörungslust, aber auch die Selbstaufgabe jener Vereinigten Staaten, zu denen wir einst aufblickten, nicht herauszuarbeiten.“
„Guardian“, England
„Donald Trump tauchte in Davos mit einer Bazooka voller Beleidigungen auf. Er verspottete Emmanuel Macrons Pilotenbrille, tadelte Mark Carney (‘Kanada lebt dank der Vereinigten Staaten‘), behauptete, die Schweizer seien ‚nur dank uns gut‘ und stichelte gegen Dänemark, weil es Grönland während des Zweiten Weltkriegs ‚in sechs Stunden‘ verloren habe.
Hinter der streitbaren Rhetorik brachte der US-Präsident am Mittwoch eine tiefere Botschaft mit, die eher auf die Einigung des Westens als auf seine Spaltung abzielte. Es war sein düsterstes, heimtückischstes und finsterstes Projekt von allen.
Trump mutmaßte: Ja, wir mögen unsere internen Streitigkeiten haben, aber ich bringe ‚tough love‘ mit, weil wir alle gemeinsam in dieser Lage sind. Wir sind die Fahnenträger der westlichen Zivilisation. Wir müssen den barbarischen Horden widerstehen. Wir müssen den weißen Mann retten.“
„Tagesanzeiger“, Schweiz
„Auf Gewalt will Trump aber (im Grönland-Streit, d.Red.) verzichten. Immerhin. (...) Mit diesen vagen Äußerungen hat Trump die transatlantische Krise nicht weiter verschärft; ein militärischer Konflikt innerhalb der Nato scheint nicht anzustehen. Aber entschärft hatte er den Konflikt auch nicht, wenn er fast schon ultimativ ‚unverzüglich Verhandlungen‘ mit den Europäern anmahnt. Notabene handelt es sich um eine Krise, die Trump ohne Not erzeugt hat, ganz so, als gäbe es nicht schon genug Kriege und Konflikte in der Ukraine, in Nahost, im Sudan und inzwischen auch im Iran.
Es ist außerdem eine Krise, die die Diktatoren in Moskau und Peking entspannt und mit Genugtuung aus der Distanz verfolgen. Trump ist weiterhin entschlossen, die westliche Hemisphäre den USA zu unterwerfen, wie er es mehrfach angekündigt hat. Wladimir Putin und Xi Jinping, mit denen er sich bestens verstehe, wie Trump betonte, kommt er nicht ins Gehege. Beide wollen seit Langem den Globus in kontinentale Interessengebiete der drei militärischen Supermächte aufteilen. Trumps Grönland-Politik, die er in seiner Davoser Rede nochmals umriss, bringt uns jener Dreiteilung der Welt näher, die George Orwell in seinem dystopischen Roman ‚1984‘ beschrieben hat.“
„Irish Times“, Irland
„Es gibt derzeit mehr Fragen als Antworten zu den aktuellen Entwicklungen. Was genau liegt nun auf dem Verhandlungstisch? Wer hat diesem Rahmenkonzept bislang zugestimmt? Und inwiefern hat Trump nun einen Kurswechsel vollzogen?
Zuvor hatte der US-Präsident in einer ausschweifenden und sich selbst beweihräuchernden Rede erklärt, dass er keine militärischen Maßnahmen ergreifen werde, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, aber zugleich hatte er darauf bestanden, dass die USA die Insel ‚erwerben‘ müssten. Keine andere Vereinbarung, so sagte er, würde ausreichen. Doch nun müssen wir wohl davon ausgehen, dass bei dem Gespräch mit Rutte etwas herausgekommen ist, das er seiner Einschätzung nach der US-Öffentlichkeit verkaufen kann.“
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